Angst vorm Internet?

„Internet und Kaffeeklatsch“: Käthe-Kollwitz-Schüler führen Senioren in die digitale Welt ein

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Vom Schüler zum Lehrer: Valerian zeigt Elisabeth Brenk-Schultes im Käthe-Kollwitz-Gymnasium, wie das Tablet funktioniert.

Nymphenburg - An- und Ausschalten von Tablet und Smartphone, Google starten, damit etwas suchen: Für die junge Generation selbstverständlich, für die Älteren ein Riesenproblem - Ein Schulprojekt bietet jetzt Hilfe

Dr. Elisabeth Brenk-Schultes sitzt ratlos vor ihrem Tablet. Wie geht dieses moderne Ding nur an? Von E-Mail und Social-Media ist sie gefühlt noch meilenweit entfernt. 

„Zusammen werden wir das ganz leicht schaffen“, beruhigt Valerian W. die Seniorin. Der Schüler engagiert sich im Projekt „Internet und Kaffeeklatsch“, welches die Koch-Ebersperger-Stiftung zusammen mit dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium ins Leben gerufen hat. Nach einem guten Start soll das Angebot im nächsten Schuljahr ausgedehnt werden. Das Besondere daran: Gymnasiasten helfen ehrenamtlich einmal im Monat für je drei Stunden Senioren aus dem Stadtteil dabei, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden. Die teilnehmenden Schüler Nina B. und Valerian W. betonen: „Es ist immer wieder faszinierend, wie entspannt und lustig die Atmosphäre bei den Treffen ist.“

Elisabeth Brenk-Schulte gefällt vor allem, dass das Angebot speziell für Senioren ab 65 Jahren gedacht ist. So kämen keine Personen, die bereits Vorkenntnisse hätten und nur wissen wollten, wie sie noch bessere Bilder schießen könnten. Nein: Es geht um die wichtigsten Grundlagen: An- und Ausschalten von Tablets und Smartphones, Google starten, damit etwas suchen – für die junge Generation alles selbstverständlich, für die Älteren zum Teil ein Riesenproblem.

Christian Ude, Alt-Oberbürgermeister und Schirmherr des Projekts, lobt vor allem, dass es nie versteckte Vorwürfe gäbe, wie etwa: „Das hab’ ich dir doch letztens schon erklärt.“ Seine Erfahrung: „Gerade das ist im innerfamiliären Bereich bei vielen Senioren oft ein Problem, weswegen mögliche Hilfe von Angehörigen häufig ausgeschlossen wird.“

Was mit acht Teilnehmerplätzen startete, wurde im Lauf des Schuljahrs bereits auf 13 Plätze erweitert. Um in Zukunft noch mehr Senioren ansprechen zu können, wird es ab September einen Tabletverleih geben. „So können die Senioren, die sich kein eigenes Tablet leisten können, auch zu Hause üben“, sagt Eva-Sophie Koch von der Koch-Ebersperger-Stiftung. Zudem sollen im neuen Schuljahr noch mehr Schüler motiviert werden, an dem Projekt mitzuwirken. Nina W. macht ihren Mitschülern Lust darauf: „Es ist toll, anderen zu helfen. So kann man mit kleinen Dingen Großes bewirken“. 

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