Ärger über Bauprojekt

Neuaubing: Widerstand gegen Unterführung am Bahnübergang Brunhamstraße

Anwohner wehren sich gegen geplante Unterführung am Bahnübergang Brunhamstraße in Neuaubing
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Die Anwohner wehren sich gegen die geplante Unterführung, denn dann müsste östlich der Brunhamstraße – direkt vor ihren Häusern – eine neue Anliegerzufahrt gebaut werden.
  • Andreas Schwarzbauer
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  • Romy Ebert-Adeikis
    Romy Ebert-Adeikis
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Anwohner, Bürgervereinigung Aubing und Gemeinde Gräfelfing fürchten durch Unterführung an der Brunhamstraße mehr Verkehr. CSU hält sie für die beste Lösung  

  • Stadt München favorisiert Bau einer Unterführung anstelle der Schranke an der Brunhamstraße in Neuaubing
  • Anwohner lehnen dies ab und schließen sich zu einer Interessengemeinschaft zusammen
  • Unterstützung erhalten sie von der Bürgervereinigung Aubing und der Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing (IGG)
  • Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing fordert, Alternative zu untersuchen

Update, 3. März 2021

Bezirksausschuss fordert, Alternative zu Unterführung an Brunhamstraße zu untersuchen

Immer mehr Stimmen fordern, dass eine Unterführung an der Brunhamstraße nicht die einzige Option der Stadt sein darf. Der Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing hat in seiner jüngsten Sitzung beantragt, dass auch die Parallelstraße entlang Bahnlinie zur Unterführung am Gleisdreieck noch genauer untersucht werden soll.

Die Viertelpolitiker wollen wissen, wie schnell und für wie viel Geld die Stadt die nötigen Grundstücke, auf denen die Parallele verlaufen soll, kaufen könnte. Außerdem interessiert den BA, welche Route der Schwerlastverkehr bei einer Unterführung mit begrenzter Höhe nehmen und wie das Industriegebiet auf dem Schlafwagen-Areal angebunden werden soll.

Die Stadt soll auch untersuchen, ob an den Kreuzungen Bodensee-/Limes-/Brunhamstraße und Bodenseestraße/Am Gleisdreieck auch Kreisverkehre errichtet werden könnten. Zuletzt sollen die Kosten für die Unterführung und die Parallelstraße gegenübergestellt werden.

CSU spricht sich klar für Unterführung aus

Die CSU-Fraktionen des Aubinger und Pasinger Bezirksausschusses haben sich allerdings bereits für eine Unterführung an der Brunhamstraße ausgesprochen. Sie sei „die Lösung der Vernunft“ und die einzige Lösung, die zeitnah realisiert werden könne, schreiben sie in einer gemeinsamen Stellungnahme. Die Variante, den Bahnübergang zu schließen und stattdessen eine Straße entlang der Bahnlinie zur Unterführung am Gleisdreieck zu bauen, beinhalte eine Vielzahl von unkalkulierbaren Schwierigkeiten.

Der Stadtbezirk Aubing werde unüberwindbar geteilt und Lochham abgehängt. Es müssten Fremdgrundstücke für den Bau der Straße in Anspruch genommen werden. Die Buslinie 267 müsste einen Umweg von 1,6 Kilometern nehmen. Da die MVG jeden zusätzlichen Fahrkilometer kritisch sehe, könnte diese Lösung den Fortbestand des 267ers gefährden.

Die Straße Am Gleisdreick benötige eine weitere Abbiegespur, sodass auch die Eisenbahnbrücke verändert werden müsste, befürchten die CSU-Fraktionen. Des Weiteren werde es wegen der Linksabbieger auf der Bodenseestraße gravierende Probleme an der Kreuzung mit der Straße Am Gleisdreieck geben. Unter Abwägung aller Kriterien sei eine Unterführung die beste Lösung für Aubing, lautet das CSU-Fazit.

Neuaubing - Es gibt immer mehr Unmut wegen des Bahnübergangs Brunhamstraße am Neuaubinger Bahnhof. Anwohner haben sich zur Interessengemeinschaft (IG) „Verkehrsreduzierung Brunhamstraße“ zusammengeschlossen. Sie sprechen sich entschieden gegen die Pläne der Stadt München aus, eine Unterführung anstelle der Schranke zu bauen.

Anwohner fürchten durch Unterführung am Bahnübergang Brunhamstraße mehr Schleichverkehr

Dass Handlungsbedarf besteht, ist unstrittig. Nach dem Bau der Zweiten Stammstrecke und der Einführung eines ganztägigen Zehn-Minuten-Taktes wäre die Schranke 46 Minuten pro Stunde geschlossen.

Die Anwohner fürchten allerdings bei einer Unterführung an der Brunhamstraße erheblich mehr Verkehr. „Es wäre dann eine attraktive Querverbindung von der A96 nach Lochhausen, wenn der Aubinger Tunnel dicht ist“, sagt Sprecher Jürgen Pfister. Selbst eine Verkehrsuntersuchung der Stadt kommt zu dem Ergebnis, dass bei einer Unterführung der Verkehr um mehr als 50 Prozent zunehmen könnte.

Lastwagen ins Industriegebiet könnten unmittelbar an Häusern vorbeibrausen

Mehr Sorgen machen der IG allerdings die Lastwagen, die Waren in das Areal der ehemaligen Schlafwagenfabrik östlich der Brunhamstraße liefern. Dort befinden sich Autowerkstätten, Möbelgeschäfte und ein Gemüsehändler. Derzeit beeinträchtigt der Lieferverkehr die Anwohner kaum, denn er biegt unmittelbar nach der Schranke in das Industriegebiet ab.

Kurz vor dem ersten Wohngebäude, dem gelben Haus, biegt der Lieferverkehr in das Industriegebiet ab.

Bei einer Unterführung müsste die Brunhamstraße allerdings mehrere Meter tiefergelegt werden. Dadurch wäre die bisherige Zufahrt nicht mehr nutzbar. Auch die Grundstücke der Anwohner wären nicht mehr direkt über die Brunhamstraße erreichbar. Die Stadt plant eine parallele, einspurige Anliegerstraße, die nah an den Häusern verläuft. Die Anwohner befürchten, dass sie auch vom Lieferverkehr genutzt wird. „Die Lastwagen fahren dann direkt vor unserer Nase. Da helfen weder Lärmschutzfenster noch andere Maßnahmen“, so Pfister.

„Die Lastwagen fahren dann direkt vor unserer Nase.“

Jürgen Pfister

Stadt sieht Alternativ-Vorschlag der Anwohner kritisch

Die IG ärgert vor allem, dass es eine Alternative gäbe: Der Bahnübergang wird für den Autoverkehr geschlossen, die Brunhamstraße über eine neue Verbindung parallel zu den Bahngleisen an die Unterführung am Gleisdreieck angeschlossen. „Technisch ist das machbar. Die Flächen, auf denen die Straße verlaufen könnte, gehörten fast alle der Bahn. Dort sind nur ungenutzte Schienen und ein Grünstreifen“, sagt Pfister. Doch die Stadt lehnt diese Option wegen fehlender Grundstücke ab. Zudem müssten Autofahrer, die Richtung Aubing, Freiham oder A99 wollen, einen Umweg von 1,6 Kilometern machen. Die Stadt plant aber noch ein Treffen mit dem Bezirksausschuss, der Deutschen Bahn und den Grundstückseigentümern, um offene Fragen zu klären.

Unterstützung erhalten die Anwohner von der Bürgervereinigung Aubing und der Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing (IGG). Beide befürchten aufgrund der Unterführung erheblich mehr Verkehr in Aubing und Lochham. Zudem müssten wegen zusätzlicher Abbiegespuren auf der Bodenseestraße zahlreiche Bäume weichen. Während der Bauarbeiten käme es zu massiven Beeinträchtigungen auf der Bodenseestraße. Der Verkehr müsste durch die angrenzenden Wohnviertel umgeleitet werden. Dies hatte auch schon ein Anwohner, der von dieser zusätzlichen Verkehrsbelastung betroffen wäre, scharf kritisiert.

Gemeinderat Gräfelfing fordert weitere Untersuchungen

Auch der Gemeinderat Gräfelfing sieht eine Unterführung an der Brunhamstraße ebenfalls kritisch. Das Gremium beantragte dass ein Ingenieurbüro untersuchen soll, ob die voraussichtliche Verlängerung der Wartezeiten am Bahnübergang durch modernere Zugtechnik und eine angepasste Fahrplangestaltung reduziert werden könnte. Ebenfalls geprüft werden soll, ob das Lkw-Verbot in der Aubinger Straße bei allen diskutierten Varianten aufrechterhalten werden kann. Und wie sich die vorgesehene Unterführung an der Brunhamstraße schalltechnisch auf die Lochhamer Wohngebiete auswirken würde.

Auf Antrag der Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing (IGG), die auch im Gemeinderat sitzt, soll zudem die Bevölkerung mit einer Online-Veranstaltung über den problematischen Bahnübergang informiert werden. „Das Thema ist sehr folgenreich für uns, deswegen sollten die Lochhamer wissen, was in ihrer Umgebung passiert und die Möglichkeit haben, ihre Sorgen zu äußern“, so Fraktionssprecher Mathias Pollok. Wie genau die Veranstaltung aussehen könnte, ist noch unklar. Die Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing schlägt vor, dass sich Interessierte erst anmelden müssen, bevor sie einen Link zur Veranstaltung bekommen.

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