Marodes Zimmer – 600 Euro, kalt

Nachbarn schlagen Alarm – 31 Menschen in Zweifamilienhaus!

Alarm in Obermenzing: Überbelegung und Mängel wie eine kaputte Heizung in abbruchreifem Haus.
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Alarm in Obermenzing: Überbelegung und Mängel wie eine kaputte Heizung in abbruchreifem Haus.

Alarm in Obermenzing. In einem Haus, das eigentlich schon zum Abriss bereitstand, leben nun 31 Menschen. Warum sich der Eigentümer ebenfalls als Opfer sieht und warum die Behörden nichts tun können...

Obermenzing – Keine funktionierende Heizung, kein warmes Wasser, drei Toiletten für mehr als 30 Menschen – wegen dieser Zustände in einem Haus an der Dr.-Blaich-Straße in Obermenzing schlagen Nachbarn nun Alarm. 

Im September zogen in das Zweifamilienhaus nach und nach zehn Familien mit Kindern ein. Das Privathaus sollte eigentlich abgerissen werden und scheint nun zum Spielball eines Betrügers geworden zu sein. 

„Die Zustände dort sind unzumutbar“, kritisiert Nachbarin Annette Fürst. Schon länger sei nichts mehr repariert worden. Hinzu kommt, dass es für so viele Bewohner zu klein sei. Es gibt nur drei Toiletten. 

„Außerdem sind die Ratten und Mäuse gekommen“

„Wir haben die Kinder schon mehrfach beobachtet, wie sie ihre Notdurft im Garten verrichten“, berichtet Ute Wastl, die gegenüber wohnt. Die Bewohner müssten pro Zimmer zwischen 450 und 600 Euro zahlen, so die Nachbarinnen. 

„Das ist Wucher. Mir tun sie einfach nur leid“, sagt Fürst. Doch auch für die Nachbarn sei die Situation schwierig. Weil die Mülltonne abbestellt war, stapelten sich im Garten Abfallsäcke. „Es war eine Geruchsbelästigung. Außerdem sind die Ratten und Mäuse gekommen“, sagt Wastl. Darüber hinaus sei es sehr laut. „Es ist ein wahnsinniges Geschrei, aber das ist klar, wenn dort mehr als 30 Leute wohnen.“ 

Dass dort 31 Menschen untergebracht sind, kritisieren Ute Wastl (rechts) und Annette Fürst.

Eines Tages klingelte ein Bewohner bei Annette Fürst und bat um Hilfe. Er wohne im Keller, sein Zimmer sei feucht und schimmelig. Fürst und Wastl alarmierten deshalb Ende Oktober die Behörden. 

Doch seither ist aus ihrer Sicht nicht viel passiert. Zwar gibt es inzwischen eine Mülltonne, aber die sei viel zu klein. „Wir haben überall um Hilfe gebeten, niemand hat sich zuständig gefühlt“, kritisiert Fürst. Vor allem der Eigentümer müsse zur Verantwortung gezogen werden. 

Doch der Besitzer, ein Münchner Bauentwickler, sieht sich ebenfalls als Opfer. Man habe das Haus an eine andere Firma (Name der Redaktion bekannt) vermietet, die es vorübergehend als Wohnheim für acht bis zehn Arbeiter nutzen wollte. 

Sie habe bisher keinerlei Miete bezahlt. „Wir haben bis heute auch keinen Cent Geld gesehen.“ Ihre Telefonnummer sei inzwischen abgeschaltet, so ein Vertreter des Bauentwicklers. Auch Hallo erreichte das Unternehmen nicht. 

Auch die Behörden sehen keine Möglichkeit, etwas zu unternehmen. 

Der Bauentwickler befürchtet, einem Betrüger aufgesessen zu sein und habe deshalb Strafanzeige gestellt. Weil die 31 Bewohner gültige Mietverträge hätten, habe er keine Handhabe, das Haus zu räumen. Auch die Behörden sehen keine Möglichkeit, etwas zu unternehmen. 

Die Lokalbaukommission habe bei einer Begehung keine Verstöße gegen die Brandschutzverordnung festgestellt. Das Sozialreferat teilt mit, dass es geprüft habe, ob die Stadt die Heizung abgestellt habe. 

Das sei jedoch nicht der Fall: „Sollte es sich um eine Funktionsstörung handeln, muss sich der Vermieter kümmern.“ Die Familie aus dem Keller habe man in einem städtischen Notquartier untergebracht. Für die restlichen Bewohner könne man nichts tun, weil es kein Gesetz mehr gebe, das Mindeststandards für ein Mietobjekt vorschreibt.

Darum sieht der Mieterverein wenig Möglichkeiten

Zwar könnten die Mieter wegen des Zustandes des Hauses Zivilklage einreichen. Allerdings sei dies aufwändig und langwierig, so der Geschäftsführer des Mietervereins München, Volker Rastätter. 

„Besser wäre es, wenn die Stadt München in solchen Fällen schnell eingreifen könnte. Dafür wäre es extrem wichtig, dass die bayerische Regierung endlich wieder ein Wohnungsaufsichtsgesetz erlässt. 

Dann könnte die Stadt Vermieter zwingen, einen ordnungsgemäßen Zustand herzustellen.“ Ein solches Gesetz, das Mindeststandards vorschrieb, wurde 2004 abgeschafft. Gegen Mietwucher könne man vorgehen, wenn die ortsübliche Vergleichsmiete um mehr als 50 Prozent überschritten wird und der Vermieter eine Zwangslage ausnutzt. 

Gerichte entschieden aber häufig, dass auf dem Wohnungsmarkt keine Zwangslage vorliege. Der Mieterverein fordert, diese Auslegung zu beenden.

Andreas Schwarzbauer

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