Am 14. November ist Welt-Diabetes-Tag

Über ihre Krankheit gibt es ein Museum

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Die 24-jährige Anja Neumann ist seit ihrem 20. Lebensmonat diabeteskrank. Sie trägt rund um die Uhr eine Insulinpumpe am Körper.

Der Vater von Anja Neumann hat in Pasing die bundesweit einzige private Ausstellung über Diabetes gegründet.

Von außen sieht es aus wie ein normales Reihenhaus, innen drin aber ist das Gebäude alles andere als gewöhnlich: Denn die Adresse Veldener Straße 136 beherbergt Deutschlands wohl einziges privates Diabetes-Museum. Und das ist nicht nur zum bevorstehenden Welt-Diabetes-Tag am 14. November einen Besuch wert. Denn in der Ausstellung gibt’s unter anderem eine Sache zu sehen, die zwar alle Menschen in sich tragen – die die meisten aber normalerweise niemals zu Gesicht bekommen. 

„Museumsdirektor“ Werner Neumann zeigt eine echte plastinierte Bauchspeicheldrüse.

Eine Bauchspeicheldrüse nämlich. „Die habe ich Gunther von Hagens von den ‚Körperwelten‘-Ausstellungen abgekauft“, sagt Werner Neumann. Der 56-Jährige ist der „Direktor“ des Diabetes-Museums. Vor 15 Jahren begann er, dafür Dinge zu sammeln – etwa die Drüse. Wieso dieses Organ so wichtig für den menschlichen Stoffwechsel ist (siehe Info unten), das musste Neumann lernen, als seine Tochter Anja krank wurde.

Die heute 24-Jährige war erst 20 Monate alt, als bei ihr Diabetes Typ 1 ausbrach.

„Binnen einer Woche verlor sie ein Drittel ihres Gewichts, wurde apathisch und selbst zwei Windeln übereinander reichten nicht aus, um sie trocken zu halten, weil sie ständig so viel Wasser lassen musste“, erinnert sich Werner Neumann. „Wir wussten ja gar nichts von der Krankheit, das war was völlig Neues für uns. Deshalb habe ich mich mit der Zeit immer mehr damit beschäftigt und mich immer mehr von der Geschichte und den Behandlungsmöglichkeiten des Diabetes faszinieren lassen.“ So sehr, dass er schließlich ein Museum daraus machte.

Denn so kann Neumann sein Wissen weitergeben. „Es kommen Interessierte aus aller Welt, Betroffene zum Beispiel oder auch Forscher.“ Ihnen zeigt er dann die beiden Räume seines Wohnhauses, die er als Museum hergerichtet hat.

Auf insgesamt 23 Quadratmetern stehen, hängen und liegen dort tausende Ausstellungsstücke, allesamt dicht aneinandergedrängt. Zum Beispiel Spritzen und Briefmarken, Telefonkarten und Autogramme von diabeteskranken Prominenten wie dem Gewichtheber Matthias Steiner und außerdem auch uralte Bücher – eines davon ist das älteste Exponat überhaupt. „Das Werk ,Abhandlung des Diabetes Mellitus oder der zuckerartigen Harnruhr‘ ist von 1801“, sagt Werner Neumann und blättert vorsichtig durch die mürben Seiten. Seine Tochter, die neben ihm steht, hält indes moderne Technologie in den Händen.

„Das ist meine Insulinpumpe, die ich praktisch rund um die Uhr anhabe. Nur zum Duschen ziehe ich sie mal kurz ab“, erklärt Anja Neumann, die neben der Pumpe auch noch ein Glukosemessgerät permanent am Körper trägt – beides durch eine Nadel in der Haut befestigt. Sie habe dadurch zwar keine besonderen Einschränkungen im Leben, sagt Neumann. Und doch: „Wenn Diabetes irgendwann heilbar wäre, wäre ich natürlich glücklich.“ Dann wäre ihre Krankheit auch für sie endlich, was sie für ihren Vater schon ist: ein Fall fürs Museum. Christopher Beschnitt

Besuche im Diabetes-Museum sind nach Anmeldung per Mail an neumann@diabetesmuseum. de möglich. Eintritt frei. Infos auf: www.diabetesmuseum.de.

Diabetes 1

Typ-1-Diabetes ist laut Diabetesinformationsdienst München die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Dabei zerstört das Immunsystem jene Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Hormon Insulin produzieren, das den Blutzuckerspiegel reguliert. Symp­tome sind unter anderem starker Durst, verstärkter Harndrang, Gewichtsabnahme, Muskelschwäche und Müdigkeit. Die Folgen können Ohnmacht und später Nieren-, Nerven- und Augenschäden sein. Als mögliche Ursachen gelten Umweltfaktoren und die Ernährung im Säuglingsalter.

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