Unterversorgung im Stadtbezirk

Viertelpolitiker fordern mehr Kinderärzte in Aubing

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Einige Aubinger bekommen bei den Kinderärzten vor Ort keine Termine mehr.

Aufnahmestopp für neue Patienten, lange Wartezeiten - Aubings Kinderärzte arbeiten am Limit. Der örtliche Bezirksausschuss fordert deshalb den Modus der Zulassung zu ändern. Was die Stadt dazu sagt ...

Aubing: Einen Termin für sein krankes Kind zu bekommen, ist in Aubing, Lochhausen oder Langwied eine Herausforderung. Denn am westlichen Stadtrand fehlen Kinderärzte. „Wir haben zur Zeit einen Aufnahmestopp und nehmen nur noch Geschwisterkinder oder Neugeborene als neue Patienten auf. Für andere haben wir einfach keine Kapazitäten mehr“, teilt die Praxis von Dr. Peter Feiereisen mit. 

Aubinger Kinderärzte am Limit

Er ist einer von nur vier Kinderärzten für die fast 50 000 Einwohner des Stadtbezirks. Auch seine Kollegin Dr. Sylvia Döpfer sagt: „Wir arbeiten in Aubing am Limit.“ Der örtliche Bezirks­ausschuss will das ändern. Bereits 2016 forderten die Viertelpolitiker, in ihrem Stadtbezirk mehr Praxen zuzulassen. Doch bisher sei nichts passiert. Deshalb erneuern sie nun ihren Antrag. „Gerade Kinder sind oft sehr sensible Patienten. Darum ist es umso wichtiger, dass diese in nächster Umgebung auch einen behandelnden Arzt haben“, kritisiert BA-Chef Sebastian Kriesel (CSU). 

Doch es besteht wenig Grund zur Hoffnung. Denn das gesamte Stadtgebiet München bekomme eine bestimmte Zahl an Ärzten zugewiesen. „Eine kleinräumige Planung auf Ebene der Stadtbezirke findet nicht statt“, teilt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, Martin Eulitz, mit. Und die Stadt sei ausreichend mit Kinderärzten versorgt. 

Allerdings seien die Praxen ungleich verteilt, kritisiert Döpfer: „Im Zentrum sitzen sehr viele Kollegen aufeinander und im Westen wird es immer dünner, je näher man an die Stadtgrenze kommt.“ Das Problem sei, dass es dort viele Kassen- und wenige Privatpatienten gebe. Doch Letztere seien für die Ärzte lukrativ. 

Bezirksausschuss fordert neuen Vergabemodus

Der Bezirksausschuss will das nicht hinnehmen: „Die ärztliche Versorgung muss in der Großstadt in allen Stadtteilen sichergestellt sein. Ich fordere die Stadt München auf, zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung für das Großstadtgebiet von München einen neuen Vergabemodus zu entwickeln“, sagt Kriesel. Dafür müssten sich die gesetzlichen Vorgaben ändern, meint Eulitz von der Kassenärztlichen Vereinigung. 

Das Referat für Umwelt und Gesundheit sieht dafür keinen Grund. „Insgesamt gilt die Stadt München als ausreichend versorgt“, teilt Sprecherin Karolina Bosnjak mit. Der Versorgungsgrad betrage 107 Prozent. Auch in Aubing gebe es keinen dringenden Handlungsbedarf: Dort kämen 2167 Kinder und Jugendliche auf einem Kinderarzt, „was in München einem durchschnittlichen Wert entspricht“.

Probleme mit Öffnung einer Filialpraxis

Kriesel kann diese Haltung nicht nachvollziehen. Und auch in anderen Stadtbezirken ist man mit der Zahl der Kinderärzte unzufrieden. In der Messestadt Riem wollte Norbert Blesch, Geschäftsführer der gemeinnützigen Stiftung „Startstark“, deshalb eine Filialpraxis eröffnen. „Startstark“ wollte Kinderärzten aus anderen Stadtteilen in Riem Räume und Ausstattung kostenlos zur Verfügung stellen. Die Mediziner hätten dort im Wechsel tageweise arbeiten können. 

Allerdings stoppten Probleme mit der Gemeinnützigkeit das Projekt. „Wir stehen mit der Stadt und der Kassenärztlichen Vereinigung im Gespräch, um eine Lösung zu finden. Davon könnten auch andere Stadtteile profitieren“, sagt Blesch. Vom Referat für Gesundheit ging bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme ein. 

Andreas Schwarzbauer

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