Rechtlich dünner Grund?

Baubeginn von 51 Wohnungen trotz immensen Anwohnerklagen? 

+
Ein Protest-Zettel am Zaun bezeichnet die Baugenehmigung als rechtswidrig. Demnächst will die Gewofag mit dem Aushub für die umstrittene Wohnanlage beginnen.

Jeden Moment kann der Bau der Wohnen-für-alle-Anlage an der Erwin-Schleich-Straße in Allach losgehen. Hallo hat für Sie die  Pläne der Gewofag, wogegen sich die Anlieger wehren und was der BA kritisiert...

Allach – Die Lage an der Erwin-Schleich-Straße spitzt sich zu: Während die Gewofag gerade die Erd­arbeiten für das dortige Wohnen-für-alle-Projekt vorbereitet, zählen die Anwohner die Stunden bis zur Verhandlung am Verwaltungsgericht München am Mittwoch, 11. Dezember. 

Dann soll über vier Klagen gegen die Baugenehmigung für 51 Wohnungen entschieden werden. Die Gewofag hält trotzdem an ihrem Zeitplan fest. „Gegen die erteilte Baugenehmigung wurde ohne Eilantrag Klage eingereicht. 

Aus Sicht der Gewofag kann hier mit den Baumaßnahmen begonnen werden.

Diese hat keine aufschiebende Wirkung“, erklärt Unternehmenssprecher Frank De Gasperi. Damit bleibe es dabei, dass die Wohnanlage bis Ende 2021 fertig werden soll. 

Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats, stärkt dem Bauherrn den Rücken: „Die Baugenehmigung gilt. Aus unserer Sicht kann gebaut werden.“ 

Cornelia Schwarz-Teuber von der Bürger­initiative „Erhalt Grünfläche Franz-Albert-Straße“ ist ganz anderer Meinung: „Es bestehen weiterhin eklatante und zahlreiche Verstöße gegenüber dem bestehenden Bebauungsplan“, sagt sie und fordert, „dass bis zu einem Gerichtsurteil keine weiteren Baumaßnahmen stattfinden“. 

Cornelia Schwarz-Teuber von der Bürgerinitiative „Erhalt Grünfläche Franz-Albert-Straße“ ist gegen die Baumaßnahmen.

Xaver Finkenzeller, Anwalt der klagenden Anwohner, kündigt dabei jetzt schon an: „Wer am 11. Dezember verliert, wird in die nächste Instanz gehen. Wir wollen es auf jeden Fall wissen, und wenn es bis vors Bundesverwaltungsgericht geht.“ 

Der Hauptvorwurf an die Stadt als Baugenehmigungsbehörde und die Gewofag als städtisches Unternehmen lautet: „Die Baugenehmigung hält sich nicht ansatzweise an den Bebauungsplan, sondern arbeitet mit lauter Befreiungen. 

Bei der eigenen Tochtergesellschaft werden also riesen Ausnahmen gemacht“, so Finkenzeller. Der vorhandene Bebauungsplan von 1994 sieht Doppel- und Reihenhäuser vor, keine Mehrfamilienhäuser (Hallo berichtete). 

Was Maß und Dichte der Nutzung angeht, kann BA-Chefin Heike Kainz (CSU) die Kritik der Anwohner verstehen. „Die Mehrheit des BA hält die Bebauung, so wie sie geplant ist, auch nicht für richtig. 

Ein Protest-Zettel am Zaun bezeichnet die Baugenehmigung als rechtswidrig. Demnächst will die Gewofag mit dem Aushub für die umstrittene Wohnanlage beginnen.

Ein Mittelweg wäre hilfreich gewesen, aber all unsere Kompromissvorschläge wurden abgelehnt“, bedauert sie. 

So hatte der BA angeregt, in einem der Gebäude eine Kindertagesstätte anstelle von Wohnungen einzurichten und einen Teil der Wohnungen für Menschen aus Mangelberufen zu reservieren. 

Erfolg hatte der BA zumindest mit seiner Forderung, die Gebäude zu unterkellern. Bleibt es bei dem genehmigten Plan, entstehen acht zweigeschossige Häuser mit 51 meist familiengerechten Wohnungen und 32 Stellplätzen. 

Zudem wird es einen Gemeinschaftsraum und eine Freifläche für die Bewohner geben. Die Gesamtkosten: 14,5 Millionen Euro.

ul

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten aus den Stadtteilen

Ihr Viertel ist nicht dabei? Eine große Auswahl weiterer Lokalthemen finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Meistgelesen

Stau-Chaos rund um den Romanplatz – Kritik an Planung der Großbaustellen
Stau-Chaos rund um den Romanplatz – Kritik an Planung der Großbaustellen
Polizist erwischt Graffiti-Schmierer zufällig in seiner Mittagspause 
Polizist erwischt Graffiti-Schmierer zufällig in seiner Mittagspause 
Dorfstraße im Stau – Anwohner kämpfen gegen Ampel
Dorfstraße im Stau – Anwohner kämpfen gegen Ampel
Bayerns erste Kultur-Streetworkerin
Bayerns erste Kultur-Streetworkerin

Kommentare