1. hallo-muenchen-de
  2. München
  3. München West

München: Familien verzweifelt auf Wohnungssuche - eine Mutter mit fünf Kindern berichtet über ihr Schicksal

Erstellt:

Von: Ursula Löschau

Kommentare

Vor allem für ihre Kinder, wie den zehnjährigen Baran, wünscht sich Jasmina Kara nichts mehr als eine eigene Wohnung. Seit acht Jahren lebt die Familie mit gepackten Taschen in Notunterkünften.
Vor allem für ihre Kinder, wie den zehnjährigen Baran, wünscht sich Jasmina Kara nichts mehr als eine eigene Wohnung. Seit acht Jahren lebt die Familie mit gepackten Taschen in Notunterkünften. © Ursula Löschau

Eine Mutter mit fünf Kindern muss seit acht Jahren in Notunterkünften leben und erzählt von ihren Erfahrungen mit der Wohnungssuche in München.

Nymphenburg - „Lieber fünf Hunde als fünf Kinder.“ Solche Sprüche von Maklern bekommt Jasmina Kara (46) zu hören, wenn sie sich auf Wohnungsanzeigen bewirbt. Andere Vermieter würden abwinken, sobald die alleinerziehende Mutter erwähnt, dass das Jobcenter die Miete zahlt. Das berichtet die gelernte Friseurin, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeitsfähig ist.

Die Folge: Seit acht Jahren ist Kara mit ihren Kindern im Alter zwischen zehn und 20 Jahren wohnungslos, wurde seitdem in sieben verschiedenen Notunterkünften untergebracht, jetzt seit nunmehr zweieinhalb Jahren im Flexiheim an der Wotanstraße 88. Dort kennt man das Dilemma: „Für Haushalte ab fünf Personen ist die Wohnungssuche extrem schwierig“, weiß Leiter Julian Bodesheim (s. Kasten).

Hallo München
*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Verzweifelt auf Wohnungssuche in München: Mutter mit fünf Kindern berichtet über ihr Schicksal

Dabei versucht Jasmina Kara alles. Sie antwortet auf jedes Angebot, das sie findet, und setzt auf Hilfe vom Wohnungsamt. „Es ist die pure Verzweiflung, auch bei den Kindern. Sie würden gerne mal Freunde mitbringen, aber sie schämen sich“, sagt die Mutter. Gleichzeitig lebt sie ständig in der Angst, wieder in eine andere Notunterkunft umziehen zu müssen.

Das könnte zum Beispiel passieren, wenn ihre älteste Tochter auszieht. Dann würde das Drei-Zimmer-Apartment im Flexiheim für sechs bis acht Personen ihrer Familie nicht mehr zustehen. „Wir wurden schon so oft von einer Ecke in die andere geschickt, die Kinder mussten die Schulen wechseln“, berichtet Kara. „Überall sind gepackte Taschen und Kartons. Sie erinnern uns jeden Tag an die Situation“, ergänzt die gebürtige Bosnierin, die 1990 als Kriegsflüchtling nach München gekommen ist.

Julian Bodesheim bestätigt: „Eigentlich haben wir die Zielsetzung, die Haushalte innerhalb von sechs Monaten zu vermitteln, was in der Praxis meist nicht möglich ist.“ Von den 44 Familien in der Einrichtung an der Wotanstraße – 227 Personen, davon 138 Minderjährige – leben etwa 30 dort seit der Eröffnung Ende 2019. Sein Appell: „Wir suchen soziale Vermieter und beraten auf Wunsch auch nach dem Umzug.“

Zahlen zu Betroffenen

In München sind nach Auskunft von Julian Bodesheim derzeit etwa 7500 Menschen wohnungslos, darunter 1700 Kinder und Jugendliche in knapp 800 Haushalten. Besonders betroffen: rund 100 Familien mit sechs oder mehr Personen. 15 Prozent von ihnen leben im Schnitt fünf bis zehn Jahre lang in Notunterkünften, während etwa die Hälfte der obdachlosen Drei-Personen-Haushalte im ersten Jahr in eine Wohnung vermittelt werden kann. Die Kosten für einen Bettplatz in der Sofortunterbringung variieren je nach Einkommen der Familie, liegen laut Bodesheim aber bei „mehreren hundert Euro“ pro Monat.

Mit dem Hallo München-Newsletter täglich zum Feierabend über die wichtigsten Geschichten aus der Isar-Metropole informiert

Auch interessant

Kommentare