Viele Bewerber um historisches Objekt

Erinnerung an Widerstandsgruppe: Kommt in diese Viertel bald ein „Weiße-Rose-Zaun“?

Dieser Zaun wurde durch Fotos von Mitgliedern der „Weißen Rose“ berühmt. Auch Sophie Scholl ist abgebildet. Dem Jahrestag ihres 100. Geburtstags widmet Hallo in dieser Ausgabe die Seiten 8 und 9.
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Dieser Zaun wurde durch Fotos von Mitgliedern der „Weißen Rose“ berühmt. Auch Sophie Scholl ist abgebildet. Dem Jahrestag ihres 100. Geburtstags widmet Hallo in dieser Ausgabe die Seiten 8 und 9.
  • Ursula Löschau
    vonUrsula Löschau
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Viele BAs wollen die Erinnerung an die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ wachhalten und haben sich um ein Stück historischen Zaun beworben. Was es damit auf sich hat.

Nymphenburg - Ein bekanntes Foto von Mitgliedern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ entstand am 23. Juli 1942 vor der Verladestation des Ostbahnhofs an der Orleanstraße.

Es zeigt Sophie Scholl, wie sie sich von ihrem Bruder Hans Scholl und Freunden verabschiedet. Im Hintergrund ist ein Metallzaun zu sehen. Dieser steht bis heute dort, wird aber 2023 wegen einer Neubebauung abgebaut.

Seiner historischen Bedeutung sind sich dabei viele bewusst. Sie machen sich schon jetzt Gedanken über dessen weitere Verwendung. So auch die BAs Neuhausen-Nymphenburg und Maxvorstadt: Die Gremien haben sich nun um Teile des etwa 300 Meter langen Zaunes beworben und wollen damit die Erinnerung an die „Weiße Rose“ vor Ort aufrecht erhalten.

In Nymphenburg zum Beispiel würde der BA gerne ein Segment an der Ecke Prinzen-, Winthir-, Renatastraße aufstellen. In einer Villa an der Prinzenstraße 30 trafen sich damals regelmäßig Mitglieder der „Weißen Rose“ (s. unten). Auch Schulen im Stadtbezirk wären aus BA-Sicht geeignete Erinnerungsorte.

In der Maxvorstadt würde der BA gerne am Geschwister-Scholl-Platz vor der Ludwig-Maximilians-Universität ein Segment aufstellen. Dort hat die Widerstandsgruppe zur NS-Zeit regimefeindliche Flugblätter verbreitet. 

„Allen Beteiligten ist größtmögliche Transparenz wichtig.“

Auf diese Idee sind auch schon andere gekommen: „Seit Januar bekommen wir aus ganz Deutschland Zuschriften vor allem von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen“, berichtet Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung.

Man sammle nun diese Bewerbungen und spreche „zu einem späteren Zeitpunkt“ mit verschiedenen Stellen darüber, darunter dem Eigentümer, dem örtlichen BA Au-Haidhausen und dem Kulturreferat.

Dessen Sprecherin Jennifer Becker erklärt: „Ein Segment des Zauns wird in die Sammlung des Stadtmuseums eingehen. Es ist zu begrüßen, dass das Thema Auslöser dafür ist, dass sich Schulen und bürgerschaftliche Initiativen mit der NS-Zeit, Widerstandsbewegungen und der Weißen Rose beschäftigten.

Kronawitter betont: „Allen Beteiligten ist größtmögliche Transparenz wichtig. Es soll ja keinen grauen Markt um die Zaunstücke geben wie bei der Berliner Mauer.“

Villa an der Prinzenstraße wird denkmalgerecht saniert

2018 wurde diese Villa an der Prinzenstraße 30, die einst Treffpunkt der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ war, unter Denkmalschutz gestellt. Damit wurde sie vor dem akut drohenden Abriss bewahrt, den der Eigentümer beantragt hatte, um dort Wohnungen zu bauen.

Die Villa an der Prinzenstraße 30 soll denkmalgerecht saniert werden.

Mittlerweile wird das Bestandsgebäude mit Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde saniert und umgebaut. Diese Maßnahmen erfolgen laut LBK-Sprecher Thorsten Vogel „in enger und eingehender Abstimmung sowohl mit der Unteren Denkmalschutzbehörde als auch dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege“. 

Geschwister-Scholl-Platz vor der LMU

Der Vorplatz der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) westlich der Ludwigstraße wurde 1946 nach den Geschwistern Hans und Sophie Scholl benannt. Am 18. Februar 1943 wurden sie beim Auslegen von Flugblättern an der Universität überrascht und bei der Gestapo denunziert.

Der Volksgerichtshof verurteilte sie am 22. Februar 1943 zum Tod, noch am selben Tage wurden sie im Gefängnis München-Stadelheim mit der Guillotine enthauptet.Vor dem Haupteingang der Universität liegt das Mahnmal für die „Weiße Rose“. Es zeigt eine steinerne Nachbildung der Flugblätter

ul

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