„Wir brauchen dringend eine Perspektive.“

Für Breitensport wird’s brenzlig ‒ Wie Münchens größter Sport-Verein mit dem Corona-Lockdown kämpft

Der Sport-Verein ESV in Nymphenburg.
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Der Sport-Verein ESV in Nymphenburg.

Zwangspause wegen Corona: Das geht an Münchens größtem Breitensportverein, dem ESV in Nymphenburg, nicht spurlos vorbei. Wie der Verein um Arbeitsplätze und Angebote kämpft.

  • Der größte Breitensportverein in München im Corona-Lockdown.
  • Viele Sport-Vereine fürchten einen Mitgliederschwund.
  • Wie der ESV in Nymphenburg um Angebot und Mitarbeiter kämpft.

Mit rund 8000 Mitgliedern ist der ESV München als größter Breitensportverein der Stadt ins Jahr 2020 gestartet. Bis zum Jahresende rechnet Geschäftsführerin Pia Kraske jedoch mit rund 20 Prozent Austritten – die Hälfte davon, rund 800, Corona-bedingt.

Zum Vergleich: In normalen Zeiten kündigen ihren Erfahrungen zufolge pro Jahr im Schnitt etwa zehn Prozent der Mitglieder. In der Regel wird diese Fluktuation durch Neueintritte leicht wieder ausgeglichen. Doch auch das ist diesmal anders: „Das schlimmste Problem für alle Großsportvereine ist der Rückgang bei den Neueintritten“, weiß Kraske.

Die größten Breitensportvereine Bayerns mit zusammen 90 000 Mitgliedern haben deshalb jetzt einen Hilferuf an Ministerpräsident Markus Söder geschickt, darunter auch der ESV.

Der Breitensportverein ESV in München - Ein Kampf um Angebot und Mitarbeiter im Corona-Lockdown

„In diesem Jahr kommen wir noch mit einem blauen Auge davon. Das dicke Ende kommt dann aber 2021, wenn die Mitgliedsbeiträge, die heuer noch da sind, fehlen“, erklärt die Geschäftsführerin des Vereins mit insgesamt 50 Mitarbeitern.

ESV-Geschäftsführerin Pia Kraske.

Dennoch lautet ihr Ziel: „Wir haben festangestelltes Personal, das sofort verfügbar sein muss, wenn die Sportanlage wieder geöffnet wird. Kündigungen kommen daher nicht in Betracht.“

Der Verein nutzt dazu die Kurzarbeit. Diese habe sowohl während der ersten Schließung als auch jetzt im November Arbeitsplätze gerettet, während fixe Ausgaben wie Unterhaltskosten und die Tilgungsdienste für den Erweiterungsbau weitergelaufen sind.

Gleichzeitig habe der Verein noch in den Ausbau seiner Online-Angebote investiert. „Diese sind sehr personal- und kostenintensiv“, sagt Pia Kraske. „Man muss sich auf diese Trainingsangebote völlig neu vorbereiten und auch die technischen Voraussetzungen dafür schaffen.“ Aktuell könnten damit viele Mitglieder erreicht werden.

Von einem Ersatz will Kraske aber nicht sprechen: „Die soziale Interaktion fällt einfach flach. Wegen eines Online-Angebots tritt niemand ein.“

Rund 800 Corona-bedingte Austritte beim ESV München – Vereine befürchten Einbrüche in 2021

Daher sagt Kraske im Namen aller großen Breitensportvereine: „Wir brauchen dringend eine Perspektive.“ Neben der Forderung nach finanzieller Unterstützung bieten die Sportler in ihrem Schreiben an die Staatsregierung auch ihr Expertenwissen aus dem Vereinsalltag an.

„Wir wissen, was organisatorisch machbar ist“, sagt Kraske. Sie wünscht sich eine „Ampelregelung auch für den Breitensport“. „Wir hatten bisher nur vier Corona-Fälle im ganzen ESV. Das zeigt doch, dass Raum für Differenzierungen da sein müsste“, so die Geschäftsführerin.

Ihre Devise lautet: „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand.“ Das vereinseigene Ferienprogramm „Kibelino“ soll in den Weihnachtsferien sogar umfangreicher ausfallen als sonst. Vorbehaltlich der Finanzsituation, werden Bauprojekte wie neue Allwettertennis- und Padel-Plätze vorbereitet.

Auch das Online-Angebot soll weiter ausgedehnt werden, inklusive Schulungen für Mitglieder, die damit bisher weniger vertraut sind. Zudem will Kraske künftig mehr „hybride“ Veranstaltungen ins Programm aufnehmen, also Angebote, die es sowohl vor Ort als auch online gibt. „Damit haben wir im September und Oktober begonnen und viele waren dankbar dafür. Das könnte man als Idee aus der Corona-Zeit für später mitnehmen.“

Fit trotz Corona: Sport-Clubs im Münchner Westen und Osten haben ihr Angebot auf Online-Programme umgestellt.

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