Wie sich Münchner für mehr Sauberkeit einsetzen und was die Stadt gegen Schmutzfinken unternimmt

Kampf gegen Kippen und Kaugummis

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Ein origineller Versuch: Hans Wagner hat am Gehweg vor seiner Wohnung diesen Aschenbecher angebracht.

Unachtsam weggeworfene Zigaretten sind Hans Wagner (Foto) ein Gräuel. Der Münchner sagt Kippen den Kampf an – und die Stadt macht mit. Mehr auf lesen Sie hier.

Achtlos weggeworfene Papiertaschentücher und Pappbecher, Hundekottüten, Zigarettenkippen und Kaugummi­s – ein Ärgernis für viele Bürger. So auch für Hans Wagner aus Neuhausen, den besonders die Kippen stören. „Die sind nicht nur ein ästhetisches Problem. Sie vergiften auch unser Grundwasser“, erklärt der 72-Jährige und wird aktiv: An einem Schildermast am Gehweg vor seiner Wohnung hat er einen Aschenbecher in Form einer Zigarettenkippe angebracht. „Ich hoffe, das fällt auf, und animiert dazu, ihn auch zu benutzen.“ Außerdem hat er bei der Bürgerversammlung für Neuhausen-Nymphenburg beantragt, dass die Stadt „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ gegen den Kippenmüll vorgehen soll. Als ersten Schritt schlägt er eine Aufklärungskampagne vor.

Beim Bauausschuss des Stadtrats rennt Wagner damit offene Türen ein. Der hat erst kürzlich beschlossen, die Kampagne „Rein. Und Sauber. München. Unsere Stadt.“ erneut zu starten (s. u.). Grund: das Bevölkerungswachstum und Trends wie To-Go-Lebensmittel sowie das Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden. Seitdem Raucher vor die Tür gehen müssen, werden laut Baureferat mehr Kippen auf den Boden geworfen.

Diesen Eindruck hat auch Chris Engel. Er beantragte bei der Laimer Bürgerversammlung „erhebliche Strafen für absichtliche Wegebeschmutzung“. Als Vorbild könnte er sich Singapur vorstellen, wo sogar ausgespuckte Kaugummis geahndet werden. „Wenn man 500 Euro für das Wegwerfen von Müll zahlt, tut das richtig weh“, sagt er und fordert, dass die Stadt eine Vorreiterrolle einnehmen sollte. Die Mehrheit lehnte das zwar ab. Es wäre aber auch gar nicht möglich, denn Bußgelder sind landesweit gleich. „In der Regel sind 15 bis 75 Euro fällig“, sagt Dagmar Rümenapf vom Baureferat.

Jedes Jahr verhängt die Behörde rund 160 Bußgeldbescheide wegen des Liegenlassens von Hundehaufen oder von Abfall. Kontrolleure, die sich aktiv auf die Suche nach Schmutzfinken machen, gibt es aber nicht. Das Aufsichtspersonal in Grünanlagen und die Wachdienste haben nicht die Befugnis, die Täter zu stellen. Nur Polizisten dürfen die Personalien aufnehmen – und ohne diese können keine Strafen verhängt werden. Ursula Löschau/Claudia Schuri

Hallo München-Service

Rund 35 Millionen Euro gibt die Stadt München pro Jahr für die Reinigung von Straßen und Grünanlagen aus. Etwa 450 Beschäftigte halten mit mehr als 250 Reinigungsfahrzeugen den öffentlichen Raum im Bereich des Vollanschlussgebiets sauber. Dazu gehören die Viertel innerhalb des Mittleren Rings und der Kernbereich von Pasing. 2015 sind dort insgesamt 6500 Tonnen Kehricht angefallen. Allein in der Fußgängerzone kommen jeden Tag drei Tonnen Abfall zusammen. „Generell ist das Abfallaufkommen an Orten mit hoher Fußgängerfrequenz besonders hoch“, erklärt Vanessa Assmann, Sprecherin des Baureferats. Grundsätzlich bestimme der Bedarf den Aufwand. „Die Straßenreinigung reagiert flexibel. Wo mehr Müll anfällt, wird öfter gereinigt. Deshalb gilt München ja auch als eine der saubersten Städte Deutschlands“, sagt Assmann.

Damit das so bleibt, soll im Frühjahr eine weitere Sauberkeits-Kampagne starten. Dabei möchte die Stadt mit Plakaten und anderem das Servicetelefon gegen Vermüllung (Nummer 23 39 62 96) bewerben. ul

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