Asam-Gemälde in Untermenzing

Sensationeller Fund in Menzinger Kirche – Kunstwerk blieb Jahrhunderte unentdeckt 

Auf dem Bild ist die Himmelfahrt Marias dargestellt.
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Auf dem Bild ist die Himmelfahrt Marias dargestellt.
  • Ursula Löschau
    VonUrsula Löschau
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Bei der Innenrenovierung der Kirche St. Martin wurde eine Sensation gefunden. Zwei Seitenaltar-Bilder sind von einem sehr berühmten Kirchenmaler.

Untermenzing - Um ein aufregendes Kapitel erweitert wird jetzt der Kirchenführer von St. Martin.

Bei der soeben abgeschlossenen Innenrenovierung der rund 520 Jahre alten Untermenziger Kirche stieß ein Restaurator auf eine kunsthistorische Sensation: Die Bilder der beiden Seitenaltäre sind von Hans Georg Asam, Vater und Lehrmeister der berühmten Asam-Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin.

„Das hat kein Mensch geahnt. Und wir wissen bisher auch nicht, wie die Bilder hierher gekommen sind“, sagt Werner Attenberger (75), langjähriger Pfarrgemeinderatsvorsitzender und Bauleiter der jüngsten Arbeiten. Doch die Signaturen ließen keinen Zweifel an der Echtheit. Bei einem Gemälde kam zudem die Jahreszahl 1700 ans Licht.

Das Bild zeigt das Pfingstgeschehen.

Diese aufschlussreichen Details waren bis vor kurzem zusammen mit einer Vielzahl weiterer Einzelheiten in den Motiven der Altarbilder unter einer dicken Schicht Staub und Kerzenruß verborgen gewesen. Ein Schicksal, das die Asam-Bilder zusammen mit dem gesamten Innenraum der Kirche ereilt hatte.

„Wenn man reingekommen ist, war es fast so, als würde man eine Höhle betreten. So dunkel war es“, berichtet Kirchenpflegerin Anne Attenberger. Deshalb sammelten sie und die Kirchengemeinde jahrelang Spenden für die Reinigung des Innenraums. 2019 wurden die Arbeiten ausgeschrieben.

Noch im selben Jahr begannen Restauratoren eines Fachbetriebs zunächst mit dem Altarraum, 2020 kam das Langhaus an die Reihe, dann die Heiligenfiguren und schließlich die Altäre. „Soweit bekannt, wurden die Altarbilder dazu erstmals ausgebaut“, berichtet Attenberger.

Werner Attenberger, langjähriger Pfarrgemeinderatsvorsitzender und Bauleiter der jüngsten Arbeiten.

Und dann die Überraschung: Bei der Arbeit an den Seitenaltar-Bildern - sie zeigen das Pfingstgeschehen und die Himmelfahrt Marias - legten die Fachleute Asams Signatur frei. „Als mich der Restaurator angerufen hat, war er völlig aufgeregt. So etwas hat auch er noch nie erlebt“, freut sich der Untermenzinger.

Über den Wert der Bilder kann er keine Auskunft geben. Die gesamte Innenrenovierung kostete rund 300 000 Euro. Sie machte neben faszinierenden Gemäldedetails unter anderem auch Reste von Wandfresken wieder sichtbar.

Der renovierte Altarraum von St. Martin mit dem Hochaltar von Hans Degler. Auch dort brachte die Restaurierung viele bisher verborgene Details in den Altarbildern wieder ans Licht.

Hans Georg Asam (1649 bis 1711)

Hans Georg Asam wurde 1649 in Rott am Inn geboren und gilt als einer der bedeutendsten Kirchenmaler seiner Zeit im bayerischen Raum. Zu seinen wichtigsten Werken zählen die Fresken in den Klosterkirchen in Benediktbeuern und in Heilig Kreuz in Landshut sowie die Fresken der Pfarrkirche St. Quirinus in Tegernsee.

Er starb 1711 in Sulz­bach-Rosenberg. Seine Söhne Egid Quirin und Cosmas Damian errichteten von 1733 bis 1746 die Asamkirche an der Sendlinger Straße.

Die spätgotische Pfarrkirche St. Martin in Untermenzing.

Die Pfarrkirche St. Martin Untermenzing

Die spätgotische Pfarrkirche St. Martin an der Eversbuschstraße in Untermenzing wurde als letzte der drei Kirchenbauten in der sogenannten Hofmark Menzing unter Herzog Sigismund (nach St. Wolfgang in Pipping und der Schlosskirche Blutenburg) in den Jahren 1499 und 1500 von Ulrich Randeck erbaut. Ein romanischer Vorgängerbau wurde 1315 erstmals urkundlich erwähnt.

Außen wurde das Kirchengebäude nach Auskunft von Werner Attenberger vor rund 15 Jahren saniert, innen fand um 1980 die letzte Renovierung statt. Die jüngste Innenraumreinigung und -renovierung wurde unter anderem erforderlich, nachdem 2018 bei Heiligenfiguren erhebliche Holzwurmschäden entdeckt wurden. Im Lauf der Arbeiten wurde zudem festgestellt, dass einige der Deckenrippen nicht mehr fest auf dem Mauerwerk saßen. „Es war höchste Zeit, etwas zu tun“, so Attenberger. Nicht nur der (wieder)entdeckten Kostbarkeiten wegen!

Für interessierte Gruppen bietet Werner Attenberger, ein ausgewiesener Kenner der Geschichte und Kunstschätze von St. Martin, nach Rücksprache Führungen an. Kontakt kann über das Pfarrbüro an der Pfarrer-Grimm-Straße unter der E-Mail-Adresse st-martin.untermenzing@ebmuc.de hergestellt werden.

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