Angst vor Helferfrust

Schulweghelfer in der Krise - Immer mehr Arbeit für weniger Geld

Melanie Mikic koordiniert 23 Schulweghelfer rund um die Grundschule an der Pfarrer-Grimm-Straße.
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Melanie Mikic koordiniert 23 Schulweghelfer rund um die Grundschule an der Pfarrer-Grimm-Straße.

Das Ehrenamt der Schulweghelfer in München wird immer unattraktiver. Mehr Arbeit und weniger Aufwandsentschädigung seitens der Stadt verschärft die Situation.

„Ich kann nur hoffen, dass keine Helfer abspringen“, sagt Melanie Mikic (36). Sie hat Angst, dass zur Eindämmung der Corona-Pandemie wieder mehr Unterricht im Schichtbetrieb gehalten wird. Das könnte bedeuten, dass sie und ihr Team von 23 Schulweghelfern nicht mehr zu allen Zeiten alle Straßenübergänge im Umfeld der Pfarrer-Grimm-Grundschule besetzen könnten.

„Unter den Helfern sind selbst viele Risikopatienten“, weiß Mikic, die die Dienste koordiniert und auch selbst seit Jahren Kinder sicher über die Straße geleitet. Dazu kommt, dass die Stadt das Abrechnungssystem für dieses Ehrenamt just in diesem Jahr umgestellt hat.

Schulweghelfer in München: Neues Abrechnungssystem von Stadt eingeführt

Die Aufwandsentschädigung wird jetzt pro Stunde und nicht mehr pro „Steheinheit“ berechnet. Das bedeutet laut Mikic vielfach weniger Geld für mehr Arbeit. Konkret: Normalerweise hat sie 130 Dienste pro Woche zu besetzen, während des Corona-Schichtbetriebs waren es 170 Dienste.

„Auch wenn es niemand des Geldes wegen macht, war es unfair, das System gerade da umzustellen und uns vorher nicht einmal darüber zu informieren“, ärgert sich die Schulweghelferin. In einem Brief an den BA und die Stadtverwaltung fordert sie deshalb jetzt die Rückkehr zum bisherigen Abrechnungssystem und mehr aktive Werbung für dieses Ehrenamt seitens der Stadt. Ihre Befürchtung: „Man verprellt die alten Schulweghelfer und sorgt in keiner Weise für neue.“ Die Stadt dagegen hält ihr Vorgehen für richtig.

Was die Stadt dazu sagt

Über die neue Abrechnung hat das KVR die Schulweghelfer Mitte August mit einem Serienbrief informiert. Darin erklärt KVR-Chef Thomas Böhle: „Im Zusammenhang mit den ungewohnten, Corona-­bedingten Einsatzzeiten haben uns einige Beschwerden zur Abrechnung der Aufwandsentschädigungen erreicht.“ Aufgrund dieser Kritik habe das KVR das Verfahren umgestellt.

Böhle weiter: „Es ist mir bewusst, dass die neue Regelung – wie bei jeder Veränderung – nicht für alle die gleichen Vor- oder Nachteile mit sich bringen wird. Dazu sind die individuellen Einsatzmodelle bei den rund 570 Ehrenamtlichen im Schulwegdienst einfach zu unterschiedlich. Trotzdem ist es insgesamt sicherlich gerechter.“ Für die Akquise von Schulweghelfern sind laut Stadt die Grundschulen sowie Elternbeiräte zuständig.

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