Infoabend in Neuhausen

Die andere WG: Senioren gesucht

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Mustafa Baraka, Werner Trommer und Peter Trommer (v.li.) bilden eine Wohngemeinschaft, bei der alle voneinander lernen können und sich gegenseitig unterstützen.

„Wohnen für Hilfe“: Aktuell gibt es 91 Partnerschaften von Senioren, die Hilfe im Alltag benötigen und Platz haben, und jungen Leuten, die Zeit einbringen und dafür günstig wohnen.

Neuhausen – Noch vor Kurzem hätten sich weder Werner (90) und Peter (67) Trommer noch Mustafa Baraka (24) vorstellen können, dass sie heute gemeinsam am Küchentisch der Trommers sitzen, reden, scherzen und Milchreis verspeisen, den der Medizinstudent aus dem Libanon gekocht hat. Aber es ist so, und das ist „Wohnen für Hilfe“ vom Seniorentreff Neuhausen zu verdanken. 

Seit 1996 vermittelt der Verein Wohnpartnerschaften zwischen Senioren, die Platz übrig haben und etwas Hilfe im Alltag benötigen, und jungen Leuten, die Zeit einbringen und dafür günstig wohnen. Das Problem: Es gibt viel mehr Wohnungssuchende als Anbieter. Deshalb lädt der Treff am Dienstag, 10. März, zu einem Infoabend ein (s. Kasten). 

Ursula Schneider-Savage vom Seniorentreff erklärt: „Unsere Wohnraumgeber werden immer älter. Ein Großteil ist bereits über 90 Jahre alt und ‚Wohnen für Hilfe‘ sucht daher dringend neue Senioren, die dafür offen sind.“ So wie Peter Trommer. Der 67-Jährige ist vor einigen Jahren zurück zu seinem Vater nach Neuried gezogen. „Er hat einfach nicht mehr alles alleine geschafft. Und er braucht Gesellschaft und Ansprache“, erklärt er. Als er Ende 2019 einen Bericht über „Wohnen für Hilfe“ las, sagte er sich: „Das ist ein guter Weg, um Leben ins Haus zu bringen.“ Und um selbst etwas Entlastung zu bekommen. „Denn ich kann auch nicht immer da sein.“ 

Wenig später traf er sich mit Mustafa Baraka zum Kennenlernen und war gleich danach davon überzeugt: „Wenn man es nicht probiert, hat man eigentlich schon verloren.“ Einige Wochen später sagt er: „Eine gewisse Offenheit ist nötig. Aber die wird belohnt. Man bekommt etwas dafür. Wir können alle voneinander lernen.“ 

Der 24-Jährige bestätigt das. „Wir sprechen über viele interessante Dinge“, sagt er und erzählt von seinem Vater. „Er ist so alt wie Peter und komplett anders. Aber ich habe die guten Gespräche mit ihm vermisst.“ 2015 hat Baraka sein Studium an der LMU in München begonnen und war seitdem fast immer auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum. Schon 2018 hat er sich bei „Wohnen für Hilfe“ beworben und wartete bis jetzt auf ein Angebot. „Man muss es versuchen. Man kann nur gewinnen.“

Erfolgreiches Modell hilft 18- bis Über-90-Jährigen

„Wohnen für Hilfe“ wurde 1996 im Stadtgebiet als Projekt des Seniorentreffs Neuhausen gestartet und hat sich längst zu einem festen Angebot der Seniorenarbeit in der Stadt und seit 2013 auch im Landkreis München entwickelt. Aktuell gibt es 91 Wohnpartnerschaften, davon 30 in umliegenden Gemeinden. „Die aktuell älteste Wohnraumgeberin ist 92 Jahre, die jüngste 58 Jahre alt und in Frührente“, berichtet Ursula Schneider-Savage, eine der Ansprechpartnerinnen für das Projekt im Treff. 

Die sogenannten Wohnraumnehmer, meist Studierende oder Auszubildende, sind im Alter zwischen 18 und Mitte 50. „Wobei das Gros zwischen 20 und 28 Jahre alt ist“, so Schneider-Savage. 

Eine Warteliste für Wohnungssuchende gibt es nicht. „Wir vermitteln so, dass die Personen zusammenpassen und der Hilfebedarf geleistet werden kann.“ 

Über alle Einzelheiten informiert das „Wohnen für Hilfe“-Team im Seniorentreff Neuhausen am Dienstag, 10. März. Los geht’s um 18 Uhr an der Leonrodstraße 14b. Nähere Informationen gibt es auch im Internet unter www.seniorentreff-neuhausen.de.

ul

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