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Erste Bürgerreaktionen zu Paketposthalle

"Großartig" oder "Gau"? Hitzige Diskussion über 155-Meter-Türme in Neuhausen

Neben der Paketposthalle in Neuhausen sollen zwei 155-Meter-Hochhäuser entstehen. Was die Anwohner und der Architekt der denkmalgeschützten Paketposthalle dazu sagen...

Darum geht's:

Die rund 18.000 qm große Paketposthalle soll saniert werden und steht der Öffentlichkeit für Kunst-, Kultur- und Sportveranstaltungen zur Verfügung. Das neue Stadtteilzentrum, das auf einer Gesamtfläche von rund 87.000 qm entsteht, wird von der Münchner Büschl Gruppe entwickelt und bietet Raum für Wohnen, Arbeiten, Einkauf und Gastronomie, aber auch soziale Einrichtungen, eine Kita und ein Seniorenheim sowie Grün- und Freiflächen.

So wird die neue PaketPost-Halle

Halle und Türme sollen eine Komposition bilden. © Herzog & de Meuron
Im Untergeschoss der Paketposthalle sollen Kultureinrichtungen großzügige Räume finden. © Herzog & de Meuron
Es soll ein urbaner Mix aus Wohnungen, Gewerbenutzungen und Bildungs- und Sozialeinrichtungen entstehen. © Herzog & de Meuron
Auch Gassen, Gärten und Plätze sind vorgesehen. © Herzog & de Meuron
Die Halle bildet den Mittelpunkt des Areals. © Herzog & de Meuron
Die denkmalgeschützte Paketposthalle soll vielfältig genutzt werden. © Herzog & de Meuron

Das sagen die Münchner:

Nicht nur auf unserer Facebookseite (www.facebook.com/hallomuenchen/) wird fleißig diskutiert, auch auf der Infoveranstaltung im Backstage wurden die Pläne sehr kontrovers aufgenommen.

Angst, Skepsis, Begeisterung – diese Reaktionen wechselten sich ab, als den Neuhausern jetzt die Pläne für das 8,7 Hektar große Areal der Paketposthalle an der Wilhelm-Hale-Straße präsentiert wurde. Etwa 400 Interessierte waren zu einer anberaumten Infoveranstaltung gekommen. Bedenken vor dem Verkehr, den 2500 Bewohner und mehrere tausend Beschäftige erzeugen. Vorbehalte gegenüber zwei 155 Meter hohen Türme. Das Gesamtkonzept, vor allem die geplante kulturelle Nutzung der denkmalgeschützten Halle, kam bei den Bürgern – wie auch bei der Stadtgestaltungskommission – jedoch gut an. 

Längst nicht alle auf dem Bild: Knapp 400 Interessierte kamen zum Infoabend

Herbert Zettel (92), Architekt der Paketposthalle, ist begeistert: „Die Idee, die Halle kulturell zu nutzen, gibt dem Ganzen ein neues Leben. Die Hochhäuser finde ich an dieser Stelle gut.“ 

Die Büschl Unternehmensgruppe will aus der Halle einen überdachten Quartiersplatz mit Kultur- und Veranstaltungsräumen im Untergeschoss machen. Drumherum entstehen sechsgeschossige Hofhäuser mit Gewerbe im Erdgeschoss und Wohnungen darüber. In ein Gebäude sollen ein Seniorenheim und Kindertagesstätten einziehen. Für die Türme, deren Silhouette die Bogenform der Halle aufgreift, ist ein Mix aus Gastronomie, Handel, Büros, Hotel und Wohnen geplant. In dem autofreien Quartier sollen rund 1200 Wohnungen entstehen. 

"100-Meter-Grenze muss überdacht werden"

Investor Ralf Büschl ist überzeugt: „Wir haben hier die Chance, ein Projekt zu entwickeln, das jeden Münchner stolz macht.“ Und er hält es für angebracht, frühere Beschlüsse – wie die 100-Meter-Grenze für Hochhäuser – neu zu überdenken. Das findet auch Projektleiter Robert Hösl vom Architektenteam Herzog & de Meuron: „Die Gesellschaft verändert sich. Da ist es nötig, Entscheidungen immer wieder zu hinterfragen.“ Diese Aufgabe obliegt laut Andreas Uhmann vom Planungsreferat dem Stadtrat. Nach der Sommerpause soll dieser ein Bebauungsplanverfahren einleiten. Büschl rechnet mit bis zu neun Jahren Planungs- und Bauzeit.

Andreas Uhmann, Planungsreferat:
"Das Thema Höhenentwicklung wird eine der Aufgaben des weiteren Planungsprozesses sein. Wir wollen hier nichts im Wildwuchs entstehen lassen, sondern auf der Grundlage eines neuen Bebauungsplans und einer aktualisierten Hochhausstudie. Die bisherige ist sogar älter als das Bürgerbegehren vor 15 Jahren mit der 100-Meter-Grenze für Hochhäuser. Darüber muss der Stadtrat neu entscheiden. Verkehr: Natürlich muss der Verkehr bewältigt werden. Es werden Gutachten erstellt, die in Prognosen über einen Zeitraum von zehn Jahren aufzeigen, wie der Verkehr bewältigt werden kann."

Anna Hanusch, Grünen-Stadträtin und BA-Vorsitzende Neuhausen-Nymphenburg:
Die Hochhaus-Frage ist ein sehr wichtiges Thema. Wir haben Bürgerentscheide, die natürlich sehr ernstgenommen werden. Wir sollten aber auch darüber nachdenken, ob man diese Hochhausgrenze an manchen Punkten in München nicht doch überschreiten kann. Wir müssen in der Stadtgesellschaft darüber diskutieren, ob wir an bestimmten Stellen nicht doch über 100 Meter gehen können. Dieser Entwurf hat es verdient, dass man darüber diskutiert. Zur Halle: Ich glaube schon, dass das kulturelle Nutzungskonzept für die Halle funktioniert. Es ist eine Herausforderung, diesen öffentlichen Raum für alle erlebbar zu gestalten und zu halten. Es ist Teil der Planung, in allen Verfahrensschritten immer wieder mit der Bevölkerung zu sprechen und den Bürgern die Möglichkeit zu bieten, Ideen einzubringen.

Herbert Zettel, Architekt der Paketposthalle:
Ich freue mich, dass für diese Halle, die einmal als reiner Industriebau gedacht war, jetzt auf einmal eine neue Idee entsteht, die Halle kulturell zu nutzen. Das gibt dem Ganzen ein neues Leben. Auch die Hochhäuser finde ich an dieser Stelle gut. Ich glaube nicht, dass die Türme die Halle in den Schatten stellen werden. Sie stehen so an der Ecke, dass sie das Ganze eher aufwerten. Im Großen und Ganzen ist das eine Bereicherung für den Stadtteil Neuhausen.

Die Planungen im Detail:

„Die Hochhäuser und die Paketposthalle sind plastisch und räumlich als eine zusammenhängende architektonische Figur konzipiert. Die Integration von Bestand und Neuem und die Schaffung von öffentlichem Raum sind die beiden idealen Bedingungen für das Leben in der Stadt des 21. Jahrhunderts“, erklärt Jacques Herzog, Partner der renommierten Schweizer Architektur-Büros Herzog & de Meuron. 

Unzugängliches Monument soll Ort der Begegnung werden

„Die außergewöhnliche Architektur der Paketposthalle hat das Potenzial, das pulsierende Zentrum eines neuen Stadtteils zu werden. Aus dem bisher unzugänglichen Monument soll ein attraktiver öffentlicher Ort der Begegnung und des Austauschs werden, der vielfältige kulturelle Nutzungen aufnehmen kann und als großer überdeckter Platz auch dem Alltagsleben eine Bühne bietet“, ergänzt Pierre de Meuron. 

So sieht die Paketposthalle heute aus

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Post nutzt die Halle noch bis 2023

"Sinnstiftender Mittelpunkt" des Areals soll die in den 1960er-Jahren gebaute, ehemalige Paketposthalle sein. Lange Zeit die größte freitragende Halle der Welt aus Betonfertigteilen. Sie steht als prägender Industriebau dieser Zeit unter Denkmalschutz. Bis 2023 nutzt die Post die Halle. Dann wird sie restauriert und bietet Platz für feste kulturelle Einrichtungen, aber auch wechselnde künstlerische und sportliche Events sowie Märkte. 

Die weithin sichtbare, geschwungene Hallenform sei der architektonische Referenzpunkt für die zwei Hochhäuser. Sie entstehen gemeinsam mit anderen Gebäuden im sogenannten PaketPost-Areal, das direkt am S-Bahn-Haltepunkt Hirschgarten liegt. 

Die beiden Hochhäuser spiegeln in extrem spannender Weise die geschwungene Bogenform des Hallendachs wider und fügen sich gerade durch diese Markanz sehr gut in die Münchner Stadtsilhouette ein, heißt es seitens der Planer. Gemeinsam mit einem städtischen Begleitgremium wurde seit der ersten Vorstellung dieser städtebaulichen Vision im Januar 2019 ein Masterplan entwickelt. Dieser Masterplan wurde jetzt der Münchner Stadtgestaltungskommission vorgestellt. 

hm/lit/ul

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