Klimaschutzbeauftragter für den BA

Viertelpolitiker fürchten Temperaturanstieg durch Neubauten und fordern Kontrolle

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In Freiham befindet sich ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet, das ganz München kühlt.

Die Aubinger Viertelpolitiker fürchten einen Temperaturanstieg in ganz München, weil die Planer der Stadt die örtlichen Gegebenheiten in Freiham vernachlässigen.

Freiham – Deshalb fordern sie, dass jeder Bezirksausschuss künftig einen Klimaschutzbeauftragten bestimmt, der bei Baumaßnahmen auf klimatische Auswirkungen achtet. Der Auslöser: Im zweiten Realisierungsabschnitt befindet sich ein großes und wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet. Es sorge für Abkühlung für den gesamten Münchner Westen, so CSU-Sprecher Jürgen Schrader. 

Durch die Bebauung und Versiegelung des Bodens könnte es zerstört werden und stattdessen Wärmeinseln entstehen. „Derzeit gibt es zwischen dem Zentrum und den Stadträndern oft einen Temperaturunterschied von fünf bis sechs Grad. Dieser Effekt wird wegfallen“, ist sich Schrader sicher. Außerdem könnte durch die massive Bauweise die Durchlüftung der Stadt gestört werden, warnt Schrader. Denn durch das neue Siedlungsgebiet verläuft ein Kaltluftstrom, der kühle Luft ins Stadtinnere bringt. Die neuen Gebäude könnten ihn unterbrechen. 

CSU-Sprecher Jürgen Schrader

Schon 2014 hatte der BA darauf hingewiesen. Im Oktober wollten die Viertelpolitiker nun wissen, was die Stadt gegen diese negativen Auswirkungen unternehmen will. Das Planungsreferat bestätigt, dass Freiham bisher eine sehr hohe klimatische Bedeutung habe. „Bei der Überplanung des Gebiets wird deshalb darauf geachtet, dass die Durchlüftungsfunktion möglichst erhalten wird.“ So seien beispielsweise im ersten Realisierungsabschnitt Grünkorridore von West nach Ost eingeplant worden. „Außerdem soll auf eine angemessene Grünausstattung mit Bäumen, Dach- und Fassadenbegrünung hingewirkt werden.“ 

Dem Bezirksausschuss reicht das nicht

Auf Initiative der Grünen fordert das Gremium nun ein Gutachten, das die Auswirkungen der Bebauung auf das Stadtklima genauer untersuchen soll. Bisher gebe es keine Fakten, nur Thesen. „Die Bebauung wird extrem dicht und hoch sein und einen Riegel bilden. Wie viel bleibt dann vom Kaltluftentstehungsgebiet noch übrig?“, fragt Antragsstellerin Karin Binsteiner (Grüne). 

Zudem müsse bei der Planung von neuen Baugebieten oder Nachverdichtungen ein viel stärkerer Fokus auf die klimatischen Auswirkungen gelegt werden. „Die Stadt baut verstärkt Grünschneisen, wie das Hachinger Tal oder den Eg­garten zu. Wenn aber diese Gebiete umgewidmet und versiegelt werden, nehmen die tropischen Nächte nicht nur in den Innenstadtbereichen zu und die Lebensqualität wird sich massiv verschlechtern“, warnt Johann Sauerer (ÖDP). 

Dem sollen auch die Klimaschutzbeauftragten entgegenwirken: Sie könnten eine Beschattung für bestimmte Plätze oder eine Begrünung von Fassaden anregen. „Durch diese kleineren Maßnahmen könnten sie dazu beitragen, die Temperatur zu senken“, sagt Schrader. 

A. Schwarzbauer

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