Podiumsdiskussion

Stadtbaurätin diskutiert mit Aubingern über Freihamer Verkehrsplanung

+
: Auf dem Podium diskutierten (von links) Stadtplaner Wulf Hahn, Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Jürgen Müller von der Bürgervereinigung.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk erklärt Positionen der Stadt bei U5-Verlängerung, A99, Umgehungsstraße und S-Bahn-Ausbau. Vor allem bei einem Thema bekommt sie starken Gegenwind...

Aubing – Scharf kritisieren die Aubinger Bürger die Planungen für Freiham. Es gebe bisher kein plausibles und realisierbares Verkehrskonzept für den neuen Stadtteil. Die Stadt nehme derzeit billigend in Kauf, dass Aubing im Verkehr ersticke. Nun konnte Stadtbaurätin Elisabeth Merk zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Die Bürgervereinigung Aubing hatte zu einer Podiumsdiskussion geladen.

Der Fahrplan für die U-Bahn

Merk räumte ein, dass die Stadt mit der Verkehrsplanung etwas hintendran sei. Aber: „Das Verkehrskonzept muss wegen veränderter Bevölkerungsprognosen und dem U-Bahn-Anschluss grundsätzlich neu berechnet werden. Wir müssen tragfähige Lösungen finden.“ Das dauere seine Zeit, aber viele Dinge seien bereits auf dem Weg. So arbeite das Baureferat derzeit an der Vorplanung für die Verlängerung der U-Bahn nach Freiham. 2020 solle es einen Stadtratsbeschluss geben und 2021 sollten die Arbeiten ausgeschrieben werden. „Baubeginn 2030 ist realistisch“, so Merk.

Kritik an Autobahnanschluss

Für die Bürgervereinigung sind allerdings die Planungen für den Autoverkehr „das kritischste Thema“. Der stellvertretende Vorsitzende Jürgen Müller beanstandete den mehrspurigen Autobahnanschluss Freihams. 

Der Autobahnanschluss von Freiham ist umstritten

„Auf der Autobahn steht der Verkehr. Gleichzeitig leite ich den Schleichverkehr zweispurig in den Stadtbezirk.“ Merk entgegnete, dass man dadurch die Bewohner Freihams schnell auf die Autobahn bringen wolle, ohne dass sie erst durch die Wohngebiete in Aubing und Lochhausen fahren müssen.

Verkehrsanbindung an Aubing wird immer noch untersucht

Gegenwind erhielt Merk auch wegen der Anbindung des neuen Stadtviertels an Aubing. Die derzeit favorisierte Variante der Stadt ende an der Eichenauer Straße und damit in einer 30er-Zone, moniert Müller. Auch Stadtplaner Wulf Hahn, der als Experte ebenfalls auf dem Podium stand, sagte: „Ich kann die Umfahrung doch nicht an ein untergeordnetes Straßennetz anbinden.“ Er plädierte dafür, die Straße entlang der Tunneleinhausung weiter zur Lochhausener Straße zu führen. Merk entgegnete, dass derzeit verschiedene Varianten vertieft untersucht würden. Die Ergebnisse gebe es im ersten Quartal 2020. Müller forderte daraufhin, das Untersuchungsgebiet zu vergrößern, um auch die Auswirkungen auf Straßen wie die Fabrikstraße, die Aubing-Ost-Straße oder die Aubinger Straße zu betrachten.

Derzeit lässt die Stadt eine Umgehungsstraße näher untersuchen, die in der Eichenauer Straße enden würde

Verkehrsplaner Hahn riet dazu, die Autobahnumfahrung durch Tempolimits und verstärkte Verkehrskontrollen unattraktiv zu machen. Zudem betonte Müller nochmal die große Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs: „Es muss so attraktiv sein, dass die Freihamer sagen, heute lasse ich mein Auto stehen, weil die S-Bahn viel bequemer ist.“

Soll Planung für Freiham weitergehen?

Aber gerade das scheint derzeit unwahrscheinlich. Die S4 sei bereits völlig überlastet, die S8 kurz vor der Kapazitätsgrenze. Nach dem Bau der Zweiten Stammstrecke komme für Aubing und Freiham nur noch ein 15-Minuten-Takt. „Das wäre eine Kapazitätsverminderung“, ärgert sich Müller. Auch Verkehrsplaner Wulf kann das nicht nachvollziehen: „Man muss die S-Bahn-Achsen ausbauen, die neue Express-S-Bahn muss für den neuen Stadtteil nutzbar sein und es muss eine Tram geben. Wenn das nicht gegeben ist, kann ich nur abraten, jetzt schon den zweiten Realisierungsabschnitt zu bauen.“ Auch die Bürgervereinigung fordert eine Wohnungsbau-Pause.

Die Stadtbaurätin entgegnete: „Ein grundsätzlicher Zehn-Minuten-Takt für die S-Bahnen ist eines unserer Ziele. Aber die S-Bahn-Planungen haben wir nicht in der eigenen Hand.“ Sie warb dafür, dass die Planungen für den zweiten Realisierungsabschnitt weitergehen müssten. „Wenn ich keinen Aufstellungsbeschluss dafür bekomme, habe ich keinen Motor, um Verbesserungen zu fordern und beispielsweise bei Freistaat und Bund weiter Druck zu machen wegen der Mittel für die U5.“

Gute Nachrichten für Aubinger Bahnhof

Zum Aubinger Bahnhof dagegen waren sich alle einig. 

Dass der Aubinger Bahnhof barrierefrei werden muss, darüber herrscht Einigkeit.

Wie von der Bürgervereinigung gefordert, gibt es einen städtebaulichen Wettbewerb für die Gestaltung des Bahnhofsumfeldes. Dadurch würde sich normalerweise auch der barrierefreie Ausbau der Haltestelle weiter verzögern. Merk kündigte aber an:„Der Zeitraum ist zu lang. Wir brauchen vorher einen barrierefreien Zugang - wenn auch nur provisorisch und nicht so schön.“

A. Schwarzbauer

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten aus den Stadtteilen 

Ihr Viertel ist nicht dabei? Eine große Auswahl weiterer Lokalthemen finden Sie in unserer Übersicht.

Auch interessant:

Meistgelesen

In Pasing: Münchens erster genossenschaftlich organisierter Unverpackt-Laden wird eröffnet
In Pasing: Münchens erster genossenschaftlich organisierter Unverpackt-Laden wird eröffnet
Wegen zehn Bäumen: Protest gegen Neubaupläne für Abbruchhaus
Wegen zehn Bäumen: Protest gegen Neubaupläne für Abbruchhaus
Neues Wohn- und Pflegeheim für Allach: So soll die Einrichtung an der Franz-Nißl-Straße aussehen
Neues Wohn- und Pflegeheim für Allach: So soll die Einrichtung an der Franz-Nißl-Straße aussehen
Ehemaliger Mitbewohner tritt Tür ein – Was folgt ist gefährliche Körperverletzung mit Brecheisen und Hammer
Ehemaliger Mitbewohner tritt Tür ein – Was folgt ist gefährliche Körperverletzung mit Brecheisen und Hammer

Kommentare