Gewerbe geht vor Integration

Helferkreis schlägt Alarm – Stadt will Asylunterkunft schließen, um Firmen anzusiedeln

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Die meisten Bewohner der Unterkunft hätten sich vorbildlich im Stadtteil integriert.

Eine Flüchtlingsunterkunft in Freiham soll nun schließen. Stattdessen will die Stadt dort Gewerbe ansiedeln. Nun schlägt der Helferkreis Alarm. Wie es nun weitergeht und was die Stadt dazu sagt...

Freiham – 264 Flüchtlinge aus Freiham brauchen ein neues Zuhause, weil die Stadt ihre Unterkunft schließt und dort stattdessen Gewerbe ansiedelt. Der Helferkreis schlägt Alarm, denn die Bewohner seien vorbildlich im Stadtteil integriert. 

„Sie sind gut im Münchner Westen vernetzt“, sagt Heinz Hirschhäuser vom Helferkreis. Er und seine Mitstreiter waren schockiert, als die Regierung von Oberbayern, die das Grundstück von der Stadt gemietet hat, mitteilte, dass die Bewohner seit Anfang Februar nach und nach verlegt werden.

„Fast 100 Kinder werden aus den Schulen und Kindergärten gerissen und müssen innerhalb des Schuljahrs wechseln“, sagt Marianne Maier vom Helferkreis (Name von Redaktion geändert). Aber auch für die Erwachsenen sei der Umzug eine Katastrophe. 

Der Helferkreis schlägt Alarm, denn die Bewohner seien vorbildlich im Stadtteil integriert. „Sie sind gut im Münchner Westen vernetzt“, sagt Heinz Hirschhäuser (2. v. l.).

„Circa 45 haben einen Job oder eine Lehrstelle in der Umgebung. Wenn sie jetzt beispielsweise nach Bad Tölz kommen, können sie ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen.“ Etwa die Hälfte der Bewohner sei noch nicht anerkannt und dürfe die Unterkunft deshalb nicht verlassen. 

„Sie haben kein Widerspruchsrecht und müssen akzeptieren, wo sie hin verfrachtet werden“, so Maier. Die anderen 50 Prozent seien sogenannte Fehlbeleger, das heißt sie sind anerkannt und dürften sich eine eigene Wohnung suchen. 

„Das ist doch schon für Deutsche schwer. Die Flüchtlinge haben am freien Wohnungsmarkt keine Chance“, weiß Maier. Sie hofft bei der Wohnungssuche auf die Unterstützung der Stadt. Denn die Bewohner hätten gerade wieder Fuß gefasst. 

„Dann verlieren sie alles, was sie sich erarbeitet haben“

Jetzt sollen sie aus der vertrauten Umgebung gerissen werden und könnten in ganz Oberbayern verlegt werden. „Dann verlieren sie alles, was sie sich erarbeitet haben. Das würde mir in der Seele wehtun“, kritisiert Maier. 

Immerhin etwas Entwarnung kann die Regierung von Oberbayern geben: „Die neuen Unterkünfte lagen bezüglich der bisherigen Umverteilungen bis auf zwei Ausnahmen im Stadtgebiet München“, teilt Sprecherin Verena Groß mit. 

Kommunalreferat: Vermietung war von vornherein bis Ende 2020 befristet

Die individuelle Situation der Bewohner – vor allem bestehende Arbeitsverhältnisse – würden berücksichtigt. Groß teilt zudem mit, dass die Stadt den Mietvertrag nicht verlängern wollte.

 Das zuständige Kommunalreferat teilt auf Hallo-Nachfrage nur mit, dass die Vermietung von vornherein bis Ende 2020 befristet war. „Das Grundstück wird nach Rückgabe entsprechend der Festsetzung des Bebauungsplans gewerblich genutzt“, so Sprecherin Birgit Unterhuber. 

Der Helferkreis hofft, dass die Unterkunft einige Monate länger erhalten bleibt, damit ein Teil der Bewohner mehr Zeit hat, sich eine Wohnung zu suchen. Der Bezirksausschuss unterstützt dies einstimmig.

A. Schwarzbauer

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