Nach Überbelegung jetzt Kahlschlag?

Wegen zehn Bäumen: Protest gegen Neubaupläne für Abbruchhaus

+
Zehn Bäume sollen für einen Neubau in der Dr.-Blaich-Straße weichen. Dagegen regt sich jetzt Protest der Nachbarn.

Nach unzumutbaren Zuständen in einem Obermenzinger Abbruchhaus sorgt jetzt der geplante Neubau für Wut. Was die Stadt München und der Bauherr dazu sagen...

  • Neubau für Abbruchhaus in Dr.-Blaich-Straße von Lokalbaukommission genehmigt
  • Anwohner befürchten Kahlschlag und haben sich an OB Reiter gewandt
  • Bauherr sieht sich selbst als Opfer: "Sind es leid, dass auf uns herumgetrampelt wird"

Obermenzing - Erneut gibt es in der Dr.-Blaich-Straße in Obermenzing Aufregung. Für einen Neubau sollen auf einem Grundstück zahlreiche Bäume weichen. 

Vor einigen Monaten sorgte bereits für Ärger, dass die Zimmer des maroden Zweifamilienhauses, das dort noch steht, an mehr als 30 Menschen vermietet worden waren. Die Nachbarn beklagten die unzumutbaren Zustände im Haus, in dem es keine funktionierende Heizung und zu wenige Toiletten gab.

Im Februar hatten Anwohner auf eine massive Überbelegung des Zweifamilienhauses ohne Heizung aufmerksam gemacht.

Zehn große Bäume sollen für den Neubau weichen - Brief an OB Reiter

Nun sorgen die Neubaupläne des Eigentümers für großen Unmut, denn er will zehn große Bäume fällen. Die Lokalbaukommission hat dies bereits genehmigt.

Die Anwohner bitten deshalb OB Dieter Reiter um Hilfe. „Alle betroffenen Nachbarn sind über das Ausmaß des zu errichtenden Wohnhauses mit zehn Wohnungen samt Tiefgaragen-Stellplätzen sowie einer durch die Untere Naturschutzbehörde genehmigten radikalen Abholzung aller großen Bäume an der Grundstücksgrenze entsetzt und absolut verärgert“, schreibt Ute Wastl stellvertretend in einem Brief.

Lokalbaukommission fordert nur vier Ersatzpflanzungen

Die zehn Bäume seien absolut gesund, hätten Stammumfänge von bis zu 189 Zentimetern und seien etwa 50 bis 60 Jahre alt. Sie könne verstehen, dass ein Teil weichen müsse, damit die Baumaschinen Zugang zum Grundstück haben. Aber die komplette Abholzung wolle sie nicht hinnehmen. 

Mit anderen Nachbarn hat sich Ute Wastl (re.) an Oberbürgermeister Dieter Reiter gewandt.

Für Unverständnis sorgt, dass die Lokalbaukommission nur vier Ersatzpflanzungen fordert. Für die übrigen sechs Bäume kann der Bauherr eine Strafzahlung in Höhe von 4500 Euro leisten. „Eine solche Summe wird von einem Bauträger aus der Portokasse bezahlt“, so Wastl. 

Nachbarn hätten Neubaupläne erst nach der Genehmigung gesehen

Kritik gibt es zudem, weil die unmittelbaren Nachbarn die Pläne vorher nicht – wie üblich – gesehen hätten, sondern erst, als alles entschieden war und die Baugenehmigung der Stadt vorlag. 

Der Bauherr sieht allerdings sich als Opfer: „Langsam aber sicher sind wir es leid, immer diejenigen zu sein, auf denen hier herumgetrampelt wird.“ Bei der Vermietung des Hauses sei man einem Betrüger aufgesessen.

Bauherr findet die Kritik ungerechtfertigt - Anwohner könnten vor Gericht gehen

Auch die Kritik am Neubau hält er für ungerechtfertigt. „Direkt in der Nachbarschaft, an der Westseite unseres Gebäudes, ist ein wesentlich größeres Gebäude erstellt worden. Wurde hier auch so ein Aufheben gemacht, als dieses Haus gebaut wurde?“ 

Den Bebauungsplan habe ein Architekturbüro erstellt. „Eine rechtskräftige Bebauung wäre mit Sicherheit nicht erteilt worden, hätte der von uns beauftragte Architekt irgendetwas falsch oder außerhalb des Gesetzes gemacht.“ 

Die Nachbarn sehen das anders und überlegen, ob sie vor das Verwaltungsgericht ziehen.

Auflage: Rücksicht auf Nachbarbäume

Nach Auskunft von Ingo Trömer, Sprecher der Lokalbaukommission (LBK), erfüllt das Bauvorhabenalle rechtlichen Voraussetzungen“ und habe daher genehmigt werden müssen. „In einem solchen Fall muss auch der Baumschutz zurücktreten“, so Trömer. 

Allerdings habe die LBK „eine Umplanung verlangt, die zumindestgrößere Rücksicht auf Nachbarbäume ermöglicht hat“. Zudem habe die Stadt den Bauträger aufgefordert, die versäumte Nachbarbeteiligung nachzuholen. Trömer ergänzt: „Für die Nachbarn steht hinsichtlich der Erteilung von Baugenehmigungen immer der Rechtsweg offen.“

Andreas Schwarzbauer

Auch interessant:

Meistgelesen

Wegen zehn Bäumen: Protest gegen Neubaupläne für Abbruchhaus
Wegen zehn Bäumen: Protest gegen Neubaupläne für Abbruchhaus
Neues Wohn- und Pflegeheim für Allach: So soll die Einrichtung an der Franz-Nißl-Straße aussehen
Neues Wohn- und Pflegeheim für Allach: So soll die Einrichtung an der Franz-Nißl-Straße aussehen
Ehemaliger Mitbewohner tritt Tür ein – Was folgt ist gefährliche Körperverletzung mit Brecheisen und Hammer
Ehemaliger Mitbewohner tritt Tür ein – Was folgt ist gefährliche Körperverletzung mit Brecheisen und Hammer
In der Aubinger Moosschwaige: Leben in München wieder Wildkatzen?
In der Aubinger Moosschwaige: Leben in München wieder Wildkatzen?

Kommentare