Streit um BA-Pläne

Rotkreuzplatz: Streit im BA – Besonders umstritten: Radspuren und Sperrung der Furt für Autos

Sehr umstritten: die geforderte Sperrung der Furt für den motorisierten Individualverkehr.
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Sehr umstritten: die geforderte Sperrung der Furt für den motorisierten Individualverkehr.

Mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer soll es künftig am Rotkreuzplatz in München-Neuhausen geben – Nun gibt es allerdings Streit um die BA-Pläne...

  • Lokalpolitiker wollen weniger Autos am Rotkreuzplatz in München. 
  • Künftig soll es stattdessen mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer geben. 
  • Nun gibt es im BA jedoch Streit. Forderungen, Alternativvorschläge und Pläne der Stadt...

Update, 9. September

Neuhausen – Für Ärger sorgt ein BA-Antrag unter dem Titel „Mehr Platz für Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr auf dem Rotkreuzplatz“, der im Ferienausschuss des Gremiums im August mit neun zu vier Stimmen beschlossen wurde. 

Die Antragsteller Grüne, SPD, Linke und ÖDP haben damit einen elf Punkte umfassenden Prüfauftrag an die Stadt auf den Weg gebracht. Kritik daran hagelt es von CSU und FDP – besonders an zwei Stellen: 

Die Furt am Rotkreuzplatz soll für ein Jahr probeweise für den motorisierten Individualverkehr gesperrt werden. Und für die Nymphenburger Straße werden zwischen Ro­manstraße und Landshuter Allee beidseitige Radstreifen zulasten der Fahrspuren vorgeschlagen. Für CSU-Fraktionschefin Gudrun Piesczek sind das „radikale Vorschläge“. 

„Wir wollten eine Vertagung.“

Allein durch eine Sperrung der Furt zwischen der Winthir- und der Nymphenburger Straße erwartet sie „einen enormen Schleichverkehr rundherum in allen Nebenstraßen“. Sie ist zudem enttäuscht darüber, dass ein so komplexes Thema im Ferienausschuss (13 Mitglieder) und nicht im kompletten Gremium (41 Mitglieder) behandelt wurde. 

„Wir wollten eine Vertagung. Das hätte die Fairness geboten“, sagt sie. Grünen-Sprecher Niko Lipkowitsch sieht das anders. „Es hat vorher keine Anzeichen gegeben, dass eine Behandlung im August so strittig ist“, sagt er. 

Außerdem sieht er einen engen Zusammenhang mit der geplanten Rad- und Busspur in der Wendl-Dietrich-Straße (s. Kasten) und findet: „Wenn man rund um den Rotkreuzplatz jetzt etwas plant, sollte man es zeitig mit anderen Plänen dort abstimmen.“ 

Das Antragspaket sei zugleich ein Anstoß für eine öffentliche Diskussion. „Der BA will das nicht gegen den Willen der Bürger machen.“ Gegenwind angekündigt hat unter anderem bereits die FDP. 

„Alternativkonzept für den Radverkehr“

Dass Autospuren in der Nymphenburger Straße zugunsten von Radfahrstreifen wegfallen sollen, lehnt BA-Mitglied Felix Meyer entschieden ab. Stattdessen schlägt die FDP-Stadtratsfraktion in einem „Alternativkonzept für den Radverkehr“ verschiedene „Entlastungsstrecken“ vor. 

Gemeint sind Fahrradstraßenrouten durch schwach befahrene Nebenstraßen des Rotkreuzplatzes und der Nymphenburger Straße. Zudem sollen die Rad- und Fußgängerunterführungen unter der Landshuter Allee radl­freundlicher gestaltet werden. 

In der Verwaltung läuft jetzt eine „referatsübergreifende Prüfung“ diverser Anträge, wie Thor­sten Vogel vom Planungsreferat erklärt. Zum Thema Furt teilt MVG-Sprecher Matthias Korte auf Hallo-Anfrage mit: 

„Die Sperrung wird von uns befürwortet, weil dadurch die Verkehrssituation für den Linienbusverkehr und für den Radverkehr maßgeblich verbessert wird.“ 

Pilotversuch Rad- und Busspur

Die Busspur auf der Südseite der Wendl-Dietrich-Straße wird probeweise als „Radfahrstreifen mit Busverkehr frei“ in Fahrtrichtung Rotkreuzplatz angelegt. Sie wird von der Einmündung Renatastraße bis zur Pötschnerstraße am Fahrbahnrand markiert. 

Die dortigen Stellplätze entfallen. Der Radfahrstreifen wird mit einer durchgezogenen Linie von der Fahrspur abgegrenzt. 

Der vorhandene Radweg wird für die Dauer des einjährigen Pilotversuchs dem Gehweg zugeschlagen. Das Baureferat will mit den Arbeiten im November starten und bis Jahresende fertig sein.

ul

Erstmeldung vom 28. August

Neuhausen - Autofahrer, Radler aber auch Fußgänger – sie alle kommen sich am Rotkreuzplatz immer wieder in die Quere. „Wir brauchen dort eine Neuaufteilung des Straßenraums“, findet Niko Lipkowitsch, Fraktionssprecher der Grünen im BA Neuhausen-Nymphenburg. Deshalb fordern Grüne, SPD, ÖDP und Linke jetzt in einem gemeinsamen Antrag, verschiedene Maßnahmen, um vor allem mehr Platz für Fußgänger und Radler am Rotkreuzplatz zu schaffen. 

Rotkreuzplatz in München: Radwege künftig auf der Nymphenburger Straße?

Die Wartebereiche der Fußgänger an Ampeln rund um den Platz seien zu klein, teilweise auch gar nicht vorhanden. „Die Leute stehen manchmal auf den Radwegen“, so Lipkowitsch. Diese Bereiche sollen deshalb künftig vergrößert werden. Der „zu schmale Radweg“ entlang der Nymphenburger Straße soll hingegen als Radstreifen auf die Straße verlegt werden. 

Die Radwege entlang der Nymphenburger Straße sollen künftig auf die Straße verlegt werden - immer wieder kommen sich dort nämlich Radler und Fußgänger in die Quere.

Münchner Rotkreuzplatz: Radstellplätze sollen erhöht werden 

Wo viele Radler unterwegs sind, braucht es auch entsprechende Parkplätze – und so wollen die Lokalpolitiker auch die Fahrradabstellplätze rund um den Platz erhöhen. „Hierfür müssen dann einzelne Pkw-Stellplätze entfallen“, so Lipkowitsch. Vorstellen könne er sich das beispielsweise vor der Gaststätte Jagdschlössl an der Nymphenburger Straße. Lipkowitsch: „An manchen Stellen könnte man außerdem mit einer zweistöckigen Anlage die Stellplätze erhöhen.“ 

Niko Lipkowitsch, Fraktionssprecher der Grünen im Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg.

Maßnahmen für weniger Autos am Rotkreuzplatz

Die geforderten Maßnahmen stehen unter der Devise „weniger Autos wagen“. Hierfür soll die Verkehrsschneise durch den Fußgängerbereich – die sogenannte Furt – für den motorisierten Individualverkehr gesperrt werden. Bedeutet: Künftig dürften dort nur noch Busse, Taxis, Rettungsfahrzeuge und die Müllabfuhr fahren. „Laut einer Verkehrszählung ist dort zu 50 Prozent Durchgangsverkehr unterwegs“, so Lipkowitsch. Der wäre dann weg. Anwohner müssten sich hingegen andere Möglichkeiten suchen. 

Die Furt soll künftig für den motorisierten Individualverkehr gesperrt werden.

Rotkreuzplatz: Mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger

Neu hinzukommen könnte eine Ausstiegshaltestelle der Buslinie 62 am U-Bahn-Aufgang an der Furt. Lipkowitsch: „Dadurch können Fahrgäste zügig in die U-Bahn umsteigen.“ In der Mitte der Furt wäre dann Platz für die Radfahrer. Wie sich die Maßnahmen entwickeln, welche Auswirkungen es gibt – all das soll eine einjährige Testphase zeigen. Der BA hat die Maßnahmen mit einer Zweidrittel-Mehrheit beschlossen. Jetzt muss die Stadtverwaltung Stellung beziehen und ein Konzept erarbeiten. „Und dann werden wir sicherlich auch die Öffentlichkeit miteinbeziehen und Ideen und Feed­back der Anwohner sammeln.“ 

Damit Radfahrer in München während der Corona-Pandemie mehr Platz haben, gibt es jetzt mehrere Pop-Up-Bike-Lanes in der Stadt. Für die Fußgänger hat die Stadt hingegen in der ganzen Stadt Sommerstraßen realisiert. 

Kassandra Fischer

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