Krach um Kinderfreundlichkeit

Eklat im BA Neuhausen-Nymphenburg: CSU verlässt aus Protest die Sitzung

Der BA Neuhausen-Nymphenburg tagt momentan Corona-bedingt im Backstage.
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Der BA Neuhausen-Nymphenburg tagt momentan Corona-bedingt im Backstage. Dort kam es jetzt zum Eklat.

Krach im BA Neuhausen-Nymphenburg: Die CSU-Fraktion hat aus Protest gegen eine Äußerung von Willi Wermelt (SPD) die jüngste Sitzung vorzeitig verlassen.

  • Eklat im Neuhauser Bezirksausschuss
  • Willi Wermelt wirft CSU vor, nicht kinderfreundlich zu sein
  • CSU protestiert gegen „unsachliche und ehrverletztende“ Äußerung

Neuhausen - Die Stimmung im BA Neuhausen-Nymphenburg hat einen Tiefpunkt erreicht. Aus Protest gegen eine Äußerung von Willi Wermelt (SPD) hat die CSU-Fraktion die jüngste Sitzung geschlossen vorzeitig verlassen. Der Vorsitzende des Unterausschusses Kultur hatte der CSU vorgeworfen, nicht kinderfreundlich zu sein.

Das empfand Fraktionssprecherin Gudrun Piesczek als „unsachlich und ehrverletzend“ und verlangte eine Entschuldigung. Als die ausblieb, gingen die CSU-Mitglieder unter den überraschten Blicken von BA-Chefin Anna Hanusch (Grüne). „Wir sind als CSU immer an einer intensiven Diskussion jedes einzelnen Themas interessiert, allerdings erwarten wir ein gewisses Maß an Professionalität, besonders von einem UA-Vorsitzenden“, so Piesczek in einer anschließend verbreiteten Presseerklärung. „Es darf keinesfalls in persönliche Attacken ausarten sowie zu haltlosen Unterstellungen führen“, sagt sie. 

Streit eskaliert bei Diskussion über BA-Zuschuss

Die Hintergründe: Der Streit eskalierte, als es um einen Zuschuss für ein Online-Märchenprojekt einer Neuhauser Künstlerin (Titel: „Geschichten für unser Stadtviertel“) ging. Zunächst wollte die Künstlerin in Einrichtungen und auf öffentlichen Plätzen im Viertel zu den Kindern und Familien kommen. Das das Corona-bedingt bis auf Weiteres nicht geht, hat sie ein neues Konzept für Online-Angebote entwickelt und den BA dafür erneut um Unterstützung gebeten.

Franziska Velte (CSU) sprach sich jedoch gegen eine Förderung aus. Sie fand, dass die Online-Märchenvariante in erster Linie Kleinkinder ansprechen würde und diese wiederum nicht die ideale Zielgruppe für Podcasts seien. Zudem fehlte ihr bei der digitalen Aktion der Stadtteilbezug. Ihr Vorschlag: Die Geschichtenerzählerin solle wiederkommen, wenn sie ihr ursprüngliches Konzept umsetzen könne.

Wolfgang Schwirz weckt Wermelts Widerspruchsgeist

Willi Wermelt sah das ganz anders. Die Stadtteilverbindung sei da und Kinder das richtige Publikum - auch online. Außerdem hatte er nicht nur wegen Veltes Veto gesagt: „Die SPD ist im Gegensatz zu der CSU kinderfreundlich.“ Das erklärt er jetzt auf Hallo-Anfrage. Schon zu Beginn der Sitzung hatte Wolfgang Schwirz (CSU) Willi Wermelts Widerspruchsgeist geweckt. Anlass bot der Sohn von Anna Leuchtweis (SPD). „Schuschu“, wie der Kleine von allen liebevoll genannt wird, sauste während der Beratung von Verkehrsausschuss-Themen rufend durch die Backstage-Arena, bis Schwirz zur Ruhe aufrief.

Selbstverständlich, dass Frauen ihre Kinder in Sitzungen mitbringen

Willi Wermelt (SPD)

Das fand Wermelt daneben. „So ein lauter Zwischenruf geht nicht. Weder in Anwesenheit des dreijährigen Kindes, noch in der Anwesenheit der Mutter, noch in einer Sitzung, in der die Sitzungsleitung Redebeiträge gestattet und dann eventuell zur Ordnung ruft“, findet der Kulturausschuss-Vorsitzende. Für ihn sei selbstverständlich, „dass Frauen ihre Kinder in Sitzungen mitbringen“ und dass diese „auch mal Krach machen“. 

CSU weist „Polemik und persönliche Angriffe“ zurück

Grund für eine Entschuldigung, wie sie von der CSU noch während der Sitzung eingefordert wurde, sieht der SPD-Mann nicht. „Eine Entschuldigung würde voraussetzten, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich habe scharf formuliert, habe aber an dem Abend die Erkenntnis gehabt, dass die CSU in diesen Punkten kinderunfreundlich ist.“ Die CSU-Fraktion hingegen ist sich einig, „solche Polemik und persönlichen Angriffe, die insbesondere Herr Wermelt immer wieder vorbringt, nicht mehr zu akzeptieren“.

CSU-Sprecherin Gudrun Piesczek kündigt allerdings auch an, dass „die Fraktion selbstverständlich an den nächsten Sitzungen wieder teilnehmen wird, in der Hoffnung, dass eine faire, sachliche und vorurteilsfreie Diskussion dann wieder möglich ist“. Und Wermelt sagt: „Es wird sich sicherlich wieder einrenken.“

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