Jahresvorschau für die Viertel

Das wird neu im Nordwestens Münchens – BA-Chefs exklusiv in Hallo

Am Dreilingsweg ist ein neues Wohngebiet geplant. Die Stadt geht aktuell von rund 950 Wohnungen aus.
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Am Dreilingsweg ist ein neues Wohngebiet geplant. Die Stadt geht aktuell von rund 950 Wohnungen aus.
  • Ursula Löschau
    vonUrsula Löschau
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    Andreas Schwarzbauer
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Bau, Verkehr, Kultur, Umwelt: Was das neue Jahr für die Münchner aus den Vierteln Pasing, Obermenzing, Unternmenzing und Allach bringt.

Große Pläne in Pasing-Obermenzing

Viertelchef Frieder Vogelsgesang (CSU) blickt voraus, welche Entscheidungen heuer für Pasing-Obermenzing fallen. Neben dem Stadtentwicklungsprojekt am Dreilingsweg steht vor allem das Pasinger Zentrum im Fokus.

Frieder Vogelsang von der CSU ist Viertelchef in Pasing Obermenzing.

Dreilingsweg: In der Bevölkerung umstritten ist ein geplantes neues Quartier mit 950 Wohnungen am Dreilingsweg. Dem BA waren die Pläne Anfang 2020 vorgestellt worden. „Wir fordern jetzt eine Öffentlichkeitsbeteiligung. Das Dilemma ist Corona. Ein rein digitales Format grenzt einen Teil der Bürger aus. Ich hoffe, es gibt Hybrid-Möglichkeiten.“

Neubaugebiet an der Paul-Gerhardt-Allee: 320 Wohnungen für rund 800 Menschen werden heuer fertig, so dass am Ende des Jahres mehr als 2000 Bewohner in dem Viertel an der Paul-Gerhardt-Allee leben werden. „Es wird sich zeigen, wie sich der Verkehr entwickelt.“ Dringend benötigt werde ein S-Bahnhof an der Berduxstraße. Der BA-Chef ist überzeugt, dass die Station bereits 2026 stehen könnte. Ihn ärgert, dass die Infrastruktur des Quartiers nicht schon vor oder mit dem Einzug der neuen Bürger fertig war.

Pasinger Zentrum: Die Stadt hat für 2021 einen Workshop zugesagt. Laut Viertel-Chef sind ein Mittelstreifen auf der Kaflerstraße und Tempo 20 im Zentrum nötig. „Wir brauchen zudem ein Parkraummanagement, damit das Kreisverwaltungsreferat vor Ort ist und konsequent Strafzettel verteilt.“

Ambientebeleuchtung: Ab dem Sommer könnten Gleichmann-, Bäcker- und Landsberger Straße in einem neuen Licht erstrahlen: Die Ambientebeleuchtung wird im Frühjahr installiert.

U5-Verlängerung: Das Baureferat hat die Rohbauarbeiten für den ersten Abschnitt ausgeschrieben und wird die Ergebnisse dem Stadtrat 2021 vorlegen.

Gemeinsame Stadtteilwoche soll nachgeholt werden

Eigentlich wollte Pasing-Obermenzing 2020 gemeinsam mit Allach-Untermenzing eine Stadtteilwoche ausrichten. Diese musste wegen Corona ausfallen. Ob sie heuer stattfinden kann, hängt von der weiteren Pandemie-Entwicklung ab. Geplant ist das Viertel-Festival auf jeden Fall. Angepeilter Termin: 25. Juni bis 4. Juli wieder auf der Wiese an der Weinschenkstraße. Das Kulturreferat beginnt jetzt mit den Vorbereitungen. Wie es in einem Schreiben an die Vorsitzenden der Bezirksausschüsse 21 und 23 heißt, wird sich die Stadt bei allen melden, die ihre Teilnahme für 2020 angemeldet hatten. Mit den Vereinen, Gruppen, Künstlern und Einrichtungen, die auch 2021 mitmachen wollen, wird ein Programm zusammengestellt. Zusätzliche Aufrufe sind vorerst nicht geplant. „Wir brauchen ein anderes Konzept. Wenn die Veranstaltungen im Freien stattfinden, kann ich mir das vorstellen. Aber im Festzelt wird es schwierig“, sagt Frieder Vogelsgesang (CSU), BA-Chef in Pasing-Obermenzing. 

Seine Hoffnungen für das Jahr in Allach

Pascal Fuckerieder (SPD) hat den Vorsitz im BA Allach-Untermenzing.

Pascal Fuckerieder (SPD) hat vor acht Monaten den Vorsitz im BA Allach-Untermenzing übernommen. Im Hallo-Interview spricht der 44-Jährige über das Arbeitsklima, Corona und seine Ziele für 2021:  

Was hat sich für Sie verändert, seit Sie Viertel-Chef sind?
Ich verhalte mich genauso wie vorher, aber natürlich bin ich jetzt mit viel mehr Bürgern in Kontakt und bekomme noch mehr mit, was im Viertel und drumherum passiert. Und das Themenfeld, mit dem ich mich befasse, ist breiter – dafür aber an der einen oder anderen Stelle nicht mehr so tief. Als Vorsitzender des UA Verkehr war ich da zum Beispiel noch viel intensiver im Thema.
Wie würden Sie das Arbeitsklima im BA beschreiben?
Es ist ein sehr kollegiales Klima, auch wenn es hier und da unterschiedliche Meinungen und Haltungen gibt – was ich auch richtig und bereichernd finde. Gut ist aber, dass die Diskussionen im Wesentlichen in der Sache stattfinden.
Konnten Sie schon den ein oder anderen persönlichen Erfolg verzeichnen?
Es sind die vielen Kleinigkeiten, die man von außen vielleicht gar nicht so wahrnimmt. Wenn ich zum Beispiel die richtigen Personen aus der Stadtverwaltung und dem Stadtteil zusammenbringen und dafür sorgen kann, dass Fragen auf dem direkten Weg besprochen und geklärt werden. Den einen, großen Erfolg gibt es nach der kurzen Zeit noch nicht. Und wenn, sind Erfolge immer eine gemeinsame Sache des Gremiums.
Gab es auch böse Überraschungen, zum Beispiel wegen träger Verwaltungsprozesse?
Nein. Ich war auch als normales BA-Mitglied bereits gut vernetzt und hatte viele Einblicke in Abläufe.
Wie sehr beeinflusst Corona die BA-Arbeit – bisher und in Zukunft?
Vieles war Corona-bedingt leider nicht möglich, zum Beispiel die Bürgerversammlung oder öffentliche Anhörungen. Aber ich bin froh, dass wir zumindest die BA-Sitzungen im weitgehend normalen Rahmen öffentlich stattfinden lassen konnten und können. Schade ist vor allem, dass so viele große wie auch kleine Feste und Veranstaltungen abgesagt werden mussten. Ich hoffe und wünsche mir, dass sich die Situation verbessert und wir viele dieser liebgewonnenen Stadtteil-Feste in diesem Jahr wieder erleben können.
Was möchten Sie 2021 auf jeden Fall erreichen?
Ich habe ganz große Hoffnungen und Erwartungen, dass sich die Bündelung der Mobilitätsthemen im neuen Mobilitätsreferat auch für unseren Stadtbezirk positiv auswirken wird. Wenn auch nicht gleich in konkreten Projekten, dann doch zumindest konzeptionell. Außerdem gehe ich davon aus, dass wir 2021 mehr Klarheit zu großen Entwicklungsprojekten wie dem Kirschgelände bekommen, die jetzt in Vorbereitung sind. Auch zur weiteren Schulplanung erwarte ich im neuen Jahr Erkenntnisse.

Christkindlmarkt in Allach: Wer macht mit?

Einen Christkindlmarkt auf dem Oertelplatz wünscht sich der BA Allach-­Untermenzing. Umgesetzt wird der Plan jetzt vom Fest­ring Allach. „Uns ist es wichtig, einen gemütlichen und für unseren Stadtbezirk authentischen Markt zu organisieren, auf dem man sich gerne trifft und ins Gespräch kommt“, sagt Florian Wimmer, Festringvorsitzender und BA-Mitglied (CSU).

Am Oertelplatz könnte es dieses Jahr einen Christkindlmarkt geben.

Das Konzept: Der Markt soll vom 16. bis 20. Dezember täglich vor dem „Evers“ stattfinden. Als Standlbetreiber lädt der Verein insbesondere Künstler und (Hobby-)Handwerker aus dem Stadtbezirk ein. „Auf einer kleinen Bühne werden zwischendurch immer wieder musikalische Darbietungen oder Kurzgeschichten für Groß und Klein präsentiert“, so Wimmer. Auch ein Info­stand des BA wäre denkbar. Für Glühwein, Bratwurstsemmel und Ähnliches sorgt der Festring.

Interessierte Künstler und Handwerker können sich bis Ende März bei der BA-Geschäftsstelle melden unter: bag-west.dir@muenchen.de.

Altenheim in Allach: Genehmigung bis Herbst?

An der Franz-Nißl-Straße errichtet die Münchenstift ein Senioren- und Pflegeheim mit 202 Pflegeplätzen sowie 17 Appartements für selbständiges Wohnen für Senioren. Im März will der Bauherr den Bauantrag einreichen, so Geschäftsführer Siegfried Benker. „Wir hoffen auf eine Genehmigung bis zum Herbst, dann wäre zumindest die Baustelleneinrichtung noch 2021 möglich“, sagt Benker. Mit dem Baubeginn rechnet er aber nicht vor 2022. Fertig sein wird der rund 56 Millionen Euro teure Neubau dann voraussichtlich Ende 2023 oder Anfang 2024.

Grundlagen für 1530 Wohnungen in Allach-Untermenzing

Rund 1300 Wohnungen auf dem Kirschgelände und 233 in der sogenannten Hirmerei: Wenn für beide Projekte in diesem Jahr das Bebauungsplanverfahren reibungslos über die Bühne geht, wächst der Stadtbezirk Allach-Untermenzing bis 2025 nochmal um mehr als 1500 Wohnungen. Im Diamaltpark, in dem die ersten Wohnungen an der Georg-Reismüller-Straße schon bezogen sind, sollen nach Informationen von Viertel-Chef Pascal Fuckerieder (SPD) heuer die Kindertageseinrichtungen an die Stadt übergeben werden. Bis Ende 2022 soll laut Projektentwickler Isaria das gesamte Quartier mit über 750 Wohnungen bezugsfertig sein.

Im Diamalt Park sind die ersten Wohnungen schon bezogen worden.

Dann ist dort vollzogen, was dem Kirschgelände noch bevorsteht: die Wandlung vom Gewerbe- zum Wohngebiet ohne Schwerlastverkehr. Neben Wohnraum für rund 3000 Menschen sollen auf dem zwölf Hektar großen Areal eine Grundschule mit einem „Haus für Kinder“ plus Sporthalle sowie vier Kindertagesstätten und eine temporäre Kita entstehen.

Zudem wird es mehrere Grünflächen geben: einen Landschaftspark an der Kirschstraße und einen „Stadtgarten“ im südlichen Bereich mit Anwohnertreff, Gastronomie und kleinen Geschäften. So sieht es der Siegerentwurf eines städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs vor, den die „Eckpfeiler Immobilien Gruppe“ und die Büschl Unternehmensgruppe zusammen mit der Stadt München ausgeschrieben hatten.

Noch prägen vor allem Logistikunternehmen das Kirschgelände. Das soll sich ändern.

Für den daraus hervorgegangenen Entwurf will das Planungsreferat im Februar/März dieses Jahres die sogenannte „frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit“ vornehmen. „Eine digitale Erörterungsveranstaltung soll im Februar stattfinden“, teilt Referats-Sprecher Ingo Trömer mit.

Ein zentrales Thema wird dabei die Verkehrserschließung sein. Die Anwohner kritisieren, dass diese nicht annähernd geklärt sei. Der BA fordert unter anderem eine Bus- und Radweganbindung des neuen Quartiers. „Auch das wird 2021 diskutiert und konzeptioniert werden“, sagt BA-Chef Pascal Fuckerieder. Der Bauherr will heuer zudem mit dem Abriss der ersten Bestandsgebäude beginnen.

Für die Hirmerei startet gerade das Bebauungsplanverfahren. Erster Verfahrensschritt ist ein Aufstellungsbeschluss. Dieser ist laut Ingo Trömer „für Frühjahr 2021 vorgesehen“.

Einzugstermin im Streitobjekt

Wenn alles nach den Vorstellungen der Gewofag weiterläuft, könnten bereits Ende dieses Jahres die Mieter der neuen Wohnanlage an der Erwin-Schleich-Straße einziehen. Dort entstehen 51 Wohnungen in acht Baukörpern. „Die Bauarbeiten schreiten zügig voran, was auch an der innovativen Holzhy­bridbauweise liegt“, sagt Unternehmens-Sprecher Frank De Gasperi.

Diese „Wohnen-für-alle“-Anlage der Gewofag soll bis Jahresende bezugsfertig sein.

In der Nachbarschaft hat man sich mit dem „Wohnen für Alle“-Projekt dabei noch längst nicht abgefunden. Die Bürger­initiative, die sich den Erhalt der „Grünfläche Franz-Albert-Straße“ zum Ziel gesetzt hatte, ist nach wie vor aktiv. Was die Gewofag aber nicht aus dem Konzept bringt. „Der Widerstand in der ersten Instanz wurde klar zu unseren Gunsten entschieden, zur Zeit lässt die Gegenseite die Zulassung einer Berufung prüfen“, so der Konzern-Sprecher.

Die Bürger sind der Ansicht, dass die Baugenehmigung rechtswidrig ist. Unter anderem sei ein Artenschutzgutachten nicht oder nur unzureichend berücksichtigt worden. Zudem würden die Art der Nutzung und das bauliche Ausmaß der Anlage den Vorgaben aus dem Bebauungsplan an vielen Stellen widersprechen, begründen die Anwohner ihren anhaltenden Widerstand.

Alternativen zur Erdbeerwiese

Für viel Unmut in Ober- und Untermenzing sorgten 2020 die Pläne der Stadt, auf der Fläche an der Weinschenkstraße, der sogenannten Erdbeerwiese, eine Realschule und eine Feuerwache zu bauen. Die Bezirksausschüsse 21 und 23 zweifeln an, dass es dazu keine Alternativen gibt. „Die Stadt muss noch Hausaufgaben machen. Es existieren noch andere mögliche Standorte und ich will wissen, warum sie nicht geeignet sind“, so Frieder Vogelsgesang (CSU), Vorsitzender des BA Pasing-Obermenzing.

Darin ist er sich mit Pascal Fuckerieder (SPD), Viertel-Chef in Allach-Untermenzing, einig. „Wir haben konkrete Prüfaufträge an die Stadt geschickt. Wenn die Antworten da sind, soll das Konzept bald auch öffentlich erörtert werden“, kündigt Fuckerieder an, ohne jedoch schon einen genauen Zeitpunkt nennen zu können.

Folgende Alternativ-Standorte soll die Stadt im Auftrag der BAs jetzt erneut und „vertieft“ untersuchen: Für die Feuerwache schlagen die Viertelpolitiker eine Fläche an der Mühlangerstraße vor. Als Schulstandort würde sich aus BA-Sicht ein Areal an der Angerlohstraße im südlichen Bereich des Industriegebiets eignen oder alternativ eine Erweiterung der Realschule an der Blutenburg plus Neubau einer Realschule an der Franz-Nißl-Straße.

Die Stadt hat allerdings angekündigt, bereits Anfang 2021 digital über ihre Pläne für die Erdbeerwiese informieren zu wollen. „Ziel ist dabei, die Gründe für die Standortwahl zu erläutern“, so das Planungsreferat. Nicht zuletzt hat der Neubau für die Carl-Spitzweg-Realschule auch großen Einfluss darauf, wie es mit dem Schulzentrum an der Pfarrer-Grimm-Straße und der Mittelschule an der Franz-Nißl-Straße weitergehen soll.

Pavillonbau für die Manzoschule

Andernorts in Allach-Untermenzing ist man mit dem Schulbau schon weiter: Die Pläne für eine Erweiterung der Grundschule an der Manzostraße sollen heuer Fortschritte machen. Um die Raumnot bis zu einem Baubeginn zu überbrücken, wird dort dieses Jahr ein Pavillon mit zehn Klassenzimmern errichtet. Laut Referat für Bildung und Sport ist im Frühjahr Baubeginn und Einzug dann voraussichtlich im Herbst 2021. Kosten: 6,5 Millionen Euro.

Weitergebaut wird die neue Grundschule an der Theodor-Fischer-Straße. Diese soll zum Schuljahr 2022/23 in Betrieb gehen.

Junkersgelände: Straßenbau startet

Mitte 2021 will die Stadt mit dem Bau der Verbindungsstraße zwischen der Ludwigsfelder und der Pasteurstraße durchs Junkersgelände beginnen. Aktuell laufen noch die ökologischen Vorarbeiten auf dem Baufeld. Diese sollen laut Baureferat „bis zum Frühjahr 2021 abgeschlossen sein“. Kosten wird das Ganze rund 6,5 Millionen Euro. Nach Fertigstellung der neuen Verbindung wird die Schöll- von der Pasteurstraße abgehängt.

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