Keine passende Räume für Ärzte

Dramatischer Ärztemangel droht – Räumlichkeiten für Praxen fehlen in Freiham

Zwei Ärztinnen stehen in einer Praxis für Allgemeinmedizin.
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Tanja Goldbrunner (links) und Meike Tissen sind verzweifelt auf der Suche nach Praxisräumen.

Obwohl in Freiham fleißig gebaut wird, fehlen Räumlichkeiten für Praxen im Stadtbezirk. Zwei Ärztinnen berichten von ihrer misslichen Lage und der Suche nach passenden Räumen für eine Praxis...

Neuaubing – In Freiham entsteht ein komplett neues Stadtviertel, trotzdem finden die beiden Haus­ärztinnen Tanja Goldbrunner und Meike Tissen keine neuen Räume für eine Praxis. Ihren derzeitigen Standort, das Ladenzentrum an der Wiesentfelser Straße 68 an der Grenze zu Freiham, müssen sie Ende 2021 verlassen, weil der Gebäudekomplex der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG abgerissen wird.

Dann droht Neuaubing ein dramatischer Ärztemangel, denn das Ladenzentrum beherbergt außerdem eine weitere Allgemein­ärztin, zwei Zahnarztpraxen, eine Physiotherapeutin und eine Apotheke. Darüber hinaus müssen an der Riesenburgstraße 40 ein Kinderarzt und ein Internist ihre Praxen verlassen.

In Freiham entsteht vor allem Wohnraum. Ein einziger privater Bauherr konnte Tissen und Goldbrunner überhaupt Räume anbieten, die groß genug für ihre Praxis – aber nicht passend – waren. Die beiden städtischen Wohnungsbaugesellschaften, die in Freiham großflächig bauen, konnten gar nicht helfen: Die GWG bot ihnen nur eine 37 Quadratmeter große Fläche an, nötig seien aber 250 Quadratmeter.

Unterversorgung im Stadtbezirk – Viertelpolitiker fordern mehr Kinderärzte in Aubing

Somit bleiben derzeit nur weiter entfernte Standorte wie das Gesundheitszentrum am Freihamer Bahnhof oder das Westkreuz. Aber:

„Unsere Praxis hat überdurchschnittlich alte Patienten. Diese können nicht mehr so weit fahren. Wenn wir weiter weg ziehen, müssten sie sich andere Praxen im Viertel suchen“

Ärztin Meike Tissen

Allerdings sei fraglich, ob die anderen Ärzte alle Patienten aufnehmen können, denn der Stadtbezirk ist schon jetzt mit Hausärzten unterversorgt. Außerdem würde es Goldbrunner und Tissen schmerzen, das Viertel zu verlassen: „Wir haben ein Vertrauensverhältnis zu den Patienten aufgebaut und würden ungern woanders hin.“

Sie hätten sich bereits 2016 an das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) gewandt. Dabei hätten sie auch angeboten, an einem Betreuungskonzept für Freiham mitzuarbeiten. „Aber es bestand kein Interesse“, so Goldbrunner.

Nun befürchten sie, dass in Freiham dieselben Fehler gemacht werden wie in der Messestadt Riem. Dort gebe es erhebliche Schwierigkeiten bei der medizinischen Versorgung.

Freiham braucht 70 neue Ärzte

Auch die Bürgervereinigung Aubing ist besorgt. Sie hat errechnet, dass Freiham 70 neue Ärzte benötigt, um den durchschnittlichen Versorgungsgrad der Stadt zu erreichen. „Ich frage mich, wo sie herkommen sollen“, sagt Egbert Scherello.

Die Stadt räumt ein, dass die Situation nicht ideal ist. Allerdings herrsche Niederlassungsfreiheit. „Eine direkte Einflussnahme auf die Niederlassung von Ärzten in bestimmten Stadtbezirken ist daher nicht möglich.

Zu dieser Thematik führt das RGU bereits seit längerem Gespräche mit dem Gesundheitsministerium und der Kassenärztlichen Vereinigung“, teilt RGU-Sprecherin Karolina Bosnjak mit. Sie kündigt zudem einen runden Tisch mit Planungs- und Kommunalreferat sowie den Wohnungsbaugesellschaften an. Tissen und Goldbrunner hoffen, dass GWG oder Gewofag dort Wohnflächen für Praxisräume zur Verfügung stellen.

A. Schwarzbauer

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