Späte Ehre für Opfer der NS-Zeit

Ältestenrat des Stadtrats unterstützt Umbenennung der Hilblestraße – CSU und SPD für Kostenentschädigung

Mit einem symbolhaften Schildertausch nahm der BA die Umbenennung 2019 schonmal voraus. Das Gremium protestierte damit auch gegen die jahrelange Verfahrensdauer.
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Mit einem symbolhaften Schildertausch nahm der BA die Umbenennung 2019 schonmal voraus. Das Gremium protestierte damit auch gegen die jahrelange Verfahrensdauer.
  • Ursula Löschau
    vonUrsula Löschau
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Die Hilblestraße in Neuhausen soll bald Maria-Luiko-Straße heißen. Die Pläne für die Umbenennung gibt es schon lange. Welche Gründe dahinter stehen.

Die Hilblestraße soll nicht länger so heißen. Denn damit wird ein Mann gewürdigt, von dem man heute weiß, dass er glühender Anhänger der Nationalsozialisten war und während der NS-Diktatur großes Leid über viele Menschen gebracht hat. Der BA Neuhausen-Nymphenburg, die digitale Kunstinitiative „Memory Gaps“ sowie viele engagierte Bürger verlangen daher seit Jahren die Umbenennung der Straße. Jetzt ist der Ältestenrat des Stadtrats dieser Forderung sowie dem Namensvorschlag des BA – „Maria-Luiko-Straße“ – einstimmig gefolgt.

„Das ist eine würdige neue Namensträgerin“, freut sich Viertel-Chefin Anna Hanusch (Grüne). Maria Luiko war der Künstlername von Marie Luise Kohn. Die 1904 geborene jüdische Malerin und Grafikerin lebte in Neuhausen. 1941 wurde sie von den Nazis deportiert und im litauischen Kaunas ermordet.

Die jüdische Malerin Marie-Luise Kohn wurde von den Nazis ermordet.

Umbenennung der Hilblestraße: Pläne gibt es schon seit Jahren

Die Umbenennung ist aus Hanuschs Sicht „tatsächlich überfällig“. Seit fast zehn Jahren drängt der BA darauf. Auslöser waren damals vor allem Recherchen der Geschichtswerkstatt Neuhausen. Diese brachten zutage, dass der bisherige Namensgeber Friedrich Hilble (1881 bis 1937) in seinem Amt als Leiter des Münchner Wohlfahrts- und Jugendamtes Juden die Sozialhilfe verweigerte sowie Arbeitslose und Fürsorgeempfänger ins KZ Dachau bringen ließ.

Das Stadtarchiv empfahl daher schon 2015 die Umbenennung der Straße. Allerdings war und ist die Hilblestraße nicht der einzige Fall mit einem historisch belasteten Namen. Deshalb gab der Stadtrat eine Studie in Auftrag, um alle Straßennamen in der Stadt daraufhin zu untersuchen – insgesamt rund 6300. Ein abschließendes Ergebnis mit konkreten Empfehlungen dazu gibt es bis heute nicht.

Offenbar hat der öffentliche Druck aus Neuhausen – darunter eine Protestaktion des BA mit einer symbolischen Umbenennung – bei der Hilblestraße jetzt etwas bewirkt. Was allerdings nicht bedeutet, dass sofort Taten folgen werden. „Wie schnell dann tatsächlich die Umsetzung erfolgt, kann ich jetzt nicht absehen“, räumt Anna Hanusch ein und erklärt: „Vom Verfahren ist nach der Befassung im Ältestenrat noch ein formaler Beschluss im Kommunalausschuss der nächste Schritt.“

Maria-Luiko-Straße: Bürokratischer Aufwand enorm hoch

Zudem fordern CSU und SPD, dass die betroffenen Anwohner der rund 500 Meter langen Straße bei den Formalitäten unterstützt werden. „Jeder kann sich vorstellen, dass das mit bürokratischem Aufwand und auch mit Kosten verbunden ist. Dafür müssen die Bürger von der Stadt entschädigt werden, denn sie können ja nichts für die Umbenennung“, sagt Manuel Pretzl, Fraktionschef der CSU im Rathaus. Der Umbenennung selbst stimmt die CSU zu, „weil sie aus historischen Gründen geboten ist“, so Pretzl.

SPD-Stadtrat Christian Köning aus Neuhausen erklärt: „Wenn eine Straße umbenannt werden muss, sollen die Anwohner und Gewerbetreibenden nicht auf den Kosten sitzen bleiben.“ Die SPD schlägt einen Pauschalbetrag für Privatpersonen vor. Firmen könnten laut Köning die Kosten „bis zu einem bestimmten Betrag“ zurückbekommen.

„Wir setzen uns für eine einheitliche Regelung ein, damit wir das nicht in jedem Einzelfall von Neuem entscheiden müssen und die Münchner gleichzeitig Sicherheit haben. Deshalb muss das Kommunalreferat nun schnell eine allgemeinverbindliche Lösung erarbeiten“, so der Stadtrat auf Hallo-Anfrage. Offen bleibt, wie lange das dauern könnte. Laut Studie des Stadtarchivs geht es um etwa 40 Straßennamen, die aufgrund ihres historischen Hintergrunds stark diskussionsbedürftig wären.

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