Corona schadet Sozialbetrieben

diakonia in Not: Secondhandladen muss schließen – Kurzarbeit rettet Stellen, doch Nachbesetzungen unmöglich

Auch die diakonia-Läden bieten derzeit „Click & Collect“ an. Dem „Kinder-
kleidsam“ hilft das nichts. Dort ist laut Julia Boiger im Sommer Schluss.
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Auch die diakonia-Läden bieten derzeit „Click & Collect“ an. Dem „Kinder-kleidsam“ hilft das nichts. Dort ist laut Julia Boiger im Sommer Schluss.
  • Ursula Löschau
    vonUrsula Löschau
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Durch den Lockdown haben auch die Münchner Sozialbetriebe weniger Geld. Die diakonie muss ihre ersten Läden schließen. Wie es weitergehen könnte.

Ein Gebrauchtwaren-Kaufhaus mit allem, was Kinder benötigen – Tipps für Eltern inklusive: Das ist der Traum von Julia Boiger. Doch der ist infolge der Corona-Pandemie bis auf Weiteres geplatzt. Und nicht nur der: Ohne Aussicht auf Umsetzung dieses Projekts ist auch das Aus für das „kleidsam“ für Kinder besiegelt. Der Laden ist einer von mehreren Sozialbetrieben der diakonia unter dem Dach der Inneren Mission. Der Mietvertrag für die bisherigen Räume an der Blutenburgstraße 112 läuft im Sommer aus und eine Alternative ist nicht in Sicht. Das Problem: „Wir können jetzt keine neuen, größeren Räume anmieten. Uns fehlt das Geld aus dem ersten und zweiten Lockdown.“

Voraussichtlich im Mai wird das Geschäft nach über zwölfjähriger Erfolgsgeschichte daher schließen. „Das ist furchtbar schade“, bedauert Boiger, die die Secondhand-Betriebe der diakonia leitet, darunter das „kleidsam“ für Damenmode (Blutenburgstraße 65), das „Stoffwechsel“ (Donnersbergerstraße 32) und das diakonia Kaufhaus (Dachauer Straße 192). Überall werden gespendete Waren in gutem Zustand preisgünstig angeboten.

Wegen Lockdown in der Krise: Sozialbetrieben geht das Geld aus

Allein im Verkauf sind dort über 100 Mitarbeiter tätig – Menschen mit Behinderung oder in schwierigen Lebenslagen wie Langzeitarbeitslose. Die diakonia bietet ihnen verschiedene Maßnahmen und Beschäftigungsformen an, die vom Jobcenter oder vom Bezirk Oberbayern gefördert werden. Aber wenn die Läden zu sind, ist kaum Arbeit für sie da. „Wir geben uns alle Mühe, keine Arbeitsplätze zu streichen, unter anderem durch Kurzarbeit“, sagt Boiger. Neueinstellungen oder Nachbesetzungen könnten aber nicht stattfinden.

Doch Boiger hofft auf die Zeit danach und sucht schon jetzt Kooperationspartner, die „Gutes tun und über den Tellerrand hinausschauen“ möchten. So hofft sie auf Hilfe bei der Erstellung digitaler Präsentationsformen für die diakonia-Angebote und Betriebe, die ihren Mitarbeitern Praktika ermöglichen.

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