Warten auf Hilfen vom Staat

Die Nöte der Wirte ‒ Wie hart der Corona-Lockdown die Gastronomie im Viertel trifft

Obermenzings Traditionslokal „Zum alten Wirt“ will wie viele andere Gaststätten mit Mitnahme-Angeboten präsent bleiben.
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Obermenzings Traditionslokal „Zum alten Wirt“ will wie viele andere Gaststätten mit Mitnahme-Angeboten präsent bleiben.

Der verlängerte Corona-Lockdown trifft die Gastronomie besonders hart. Hallo hat bei den Wirten nachgefragt, wie sie die Krise und die Weihnachtszeit bewältigen.

Der Corona-Lockdown geht in die Verlängerung und trifft die Gastronomie besonders hart. Entsprechend gedrückt ist die Stimmung auch bei den Wirten im Münchner Westen. Hallo hat bei einigen Gaststättenchefs nachgefragt.

Renate Schlegl (65), seit 20 Jahren Wirtin in Obermenzings Traditionslokal „Zum alten Wirt“, ärgert sich: „Fahren Sie mit der S-Bahn, U-Bahn, da stehen alle Schulter an Schulter, aber wir müssen schließen. Irgendwas stimmt da nicht mehr.“

Für die 65-Jährige und ihren 70-jährigen Mann bedeutet der Verdienstausfall, dass aus dem eigentlich geplanten Ruhestand so bald nichts wird. „Ich habe 30 Mitarbeiter. Allein für Krankenkassenbeiträge habe ich im November 33 000 Euro bezahlt.“

Geld vom Staat hat sie noch keines gesehen. „Wir haben unser ganzes Erspartes reingesteckt, schon im Frühjahr und jetzt wieder.“ Um präsent zu bleiben, gibt es Speisen zum Mitnehmen. „Aber das ist eher eine Nullrechnung“, so die Wirtin.

Sollte eine kurzzeitige Öffnung Ende Dezember überhaupt möglich sein, kommt das für sie nicht in Betracht: „Das ist nicht zu kalkulieren. Da ist es besser, es bleibt den ganzen Dezember geschlossen.“

Corona-Lockdown für die Gastronomie in München

Geschäftsführerin Susanne Mittermeier wüsste dagegen gerne so bald wie möglich, ob sie zumindest den Hotelbetrieb der „Insel Mühle“ in Untermenzing ab 20. Dezember fortführen kann. Im Moment sind etwa zehn Prozent der 37 Zimmer montags bis freitags mit Handwerkern und Geschäftsreisenden belegt.

Um Weihnachten herum wäre das Hotel gut gebucht. „Die Unsicherheit, wie es weitergeht, ist eine Katastrophe“, sagt die Chefin. Sicher ist, dass das Restaurant Insel Mühle während des Lockdowns zu bleibt und 30 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden mussten.

to go-Angebote um mit den Gästen Kontakt zu halten und auf Corona-Hilfen warten

„Wir tun unser Bestes, dann schauen wir weiter“, sagt Domenico Davola von der Trattoria „Olive“ in Allach. Das bedeutet aktuell: „Wir machen ‚to go‘-Angebote. Wichtig ist, den Kontakt zu den Gästen zu halten.“

„Der Dezember war mit dem Mai immer unser umsatzstärkster Monat“, sagt Inge Schmidtlein, Geschäftsführerin vom „Jagdschloss“ in Obermenzing. Sie hofft nun, dass die Novemberhilfen des Staates schneller ausgezahlt werden als die Unterstützung im Frühjahr. „Es hat ewig gedauert, bis wir das Geld bekamen.“ Schmidtlein geht davon aus, 2020 gar nicht mehr zu öffnen.

Auch in anderen Vierteln leiden Gastronomen unter dem verlängerten Corona-Lockdown. So geht es Restaurant und Gaststätten in München Mitte, Neuhausen-Nymphenburg und im Westen.

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