Festwoche vom 9. bis 18. Oktober

„Bewegte Zeiten“ in St. Benno – 125-Jahr-Feier soll positives Zeichen für die Zukunft setzen

Die neoromanische Kirche wurde am 13. Oktober 1895 dem Münchner Stadtpatron St. Benno geweiht.
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Die neoromanische Kirche wurde am 13. Oktober 1895 dem Münchner Stadtpatron St. Benno geweiht.

Die Pfarrei am Ferdinand-Miller-Platz feiert am 13. Oktober ihr 125-jähriges Bestehen. Dieses Ereignis soll mit einer Festwoche gefeiert werden. Hallo hat die Organisatoren getroffen...

Neuhausen/Maxvorstadt – „Bewegte Zeiten“ – unter diesem Titel steht das 125-jährige Bestehen der Pfarrkirche St. Benno, das mit einer Festwoche vom 9. bis 18. Oktober (siehe unten) gefeiert wird. Als die Organisatoren Anfang März dieses Motto formulierten, dachten sie in erster Linie an die Vergangenheit.

„Dann wurde ganz aktuell die Gegenwart mit einbezogen“, berichtet Michael Zeller (39). Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats hofft, dass das Jubiläumsfest „gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit“ ein positives Zeichen setzen wird. „Wir wollen zeigen: Ja, es geht weiter. Für die Kirche insgesamt und an diesem Standort besonders.“

Dabei weiß Pfarrer Ludwig Sperrer (52) schon jetzt, dass es nicht genauso weitergehen wird wie bisher. „Man wird die Kirche vor Ort auch in anderen Formen und mit weniger hauptamtlichen Kräften denken müssen“, sagt er mit Hinweis auf die Stellenplanung der Erzdiözese.

Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Michael Zeller, Pfarrer Ludwig Sperrer und Kirchenpfleger Klaus Bachhuber vor einem Kunstwerk, das mit Fisch und Schlüssel St. Bennos Insignien darstellt.

Demnach sind für St. Benno ab 2030 nur noch eine halbe Pfarrerstelle und eine Stelle für einen hauptamtlichen, nicht geweihten Seelsorger vorgesehen – halb so viele wie jetzt. „Wir arbeiten mit einem breit gefächerten Ehrenamt und den Gremien gemeinsam daran, wie wir Christ sein in München heute verwirklichen wollen“, sagt Sperrer.

Und das auch über die Grenzen der eigenen Pfarrei hinweg. So beteiligt sich St. Benno am Kooperationsprojekt „Himmel über Neuhausen“ von fünf katholischen Pfarrgemeinden im Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg (Hallo berichtete).

Offenheit für neue gottesdienstliche Formen und Veranstaltungen gehören seit längerem zum Erfolgskonzept der Pfarrei. Das betont der 39-jährige Pfarrgemeinderatsvorsitzende ebenso wie der 62-jährige Kirchenpfleger Klaus Bachhuber, der seit über 40 Jahren im Benno-Viertel zuhause ist.

Aktuell hat die Pfarrgemeinde rund 7000 Mitglieder

„Für mich ist St. Benno meine Heimat geworden, seitdem ich hier aktiv bin.“ Und das begann bei ihm bereits als Elternbeirat im St.-Benno-Kindergarten. „Ich habe erlebt, wie sich Kirche positiv gewandelt hat. Gremien können nun mitentscheiden“, betont er. In Zukunft, so Zeller, müssten Ehrenamtliche zudem mehr repräsentative Aufgaben übernehmen.

Aktuell hat die Pfarrgemeinde rund 7000 Mitglieder. Die Fluktuation im Viertel ist jedoch relativ hoch, im Jahr werden dort durchschnittlich 250 Kirchenaustritte verzeichnet. Pfarrer Sperrer, der St. Benno seit 2003 leitet, erklärt das unter anderem mit dem hohen Anteil an Studenten-WGs im Einzugsbereich.

Er sagt aber auch: „Viele der Austretenden sehen in der Gesamtkirche kein positives Signal, dass sich etwas ändern könnte.“ Das reiche von „Fragen der Machtstrukturen“ über die Rolle der Frau in der Kirche bis hin zur Einstellung zur Sexualmoral. Themen, die nicht nur die 125 Jahre alte Pfarrei an der Grenze der Stadtteile Neuhausen und Maxvorstadt in den kommenden Jahren mit Sicherheit noch weiter bewegen werden. 

Was die Benno-Kirche mit der Bavaria zu tun hat

Im 19. Jahrhundert stieg Münchens Bevölkerungszahl stark an und damit auch der Bedarf an Gotteshäusern. Um 1880 zählte die Pfarrei St. Bonifaz über 40 000 Seelen. 1882 kündigte das Erzbistum an, in München drei neue Pfarreien samt Kirchen zu errichten.

Die spätere Benno-­Kirche hatte dabei die Nase vorn. Zu verdanken war das vor allem der Familie von Ferdinand von Miller d.Ä. (1813 bis 1887), die den Bauplatz gestiftet hat. Damit wurde eine Art Gelübde erfüllt, das von Miller im Zusammenhang mit der Vollendung der Bavaria-Statue an der Theresienwiese im Jahr 1850 abgelegt hatte.

So wurde 1888 mit dem Kirchenbau am heutigen Ferdinand-Miller-Platz begonnen. In der Kirche erinnert die Millerkapelle an den Stifter.         

Die Millerkapelle in der Kirche soll an den Stifter erinnern.

Die Festwoche vom 9. bis 18. Oktober

Im Mittelpunkt der Festwoche „125 Jahre St. Benno München – bewegte Zeiten“ stehen ein Festgottesdienst mit Kardinal Reinhard Marx am Sonntag, 11. Oktober, ab 10 Uhr (Anmeldung im Pfarrbüro erforderlich), und der Weihetag am Dienstag, 13. Oktober, mit einem Dankgottesdienst ab 8 Uhr, Orgelmusik ab 11 Uhr und dem Taizégebet (19 Uhr).

Weitere besondere Gottesdienste sind das ökumenische Friedens- und Versöhnungsgebet mit der Nagelkreuzgemeinschaft St. Barbara und Pax Christi am Freitag, 9. Oktober, ab 17 Uhr und ein Familiengottesdienst am Sonntag, 18. Oktober, ab 9.30 Uhr.

Wer die Benno-Kirche einmal aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrnehmen möchte, hat dazu gleich mehrfach Gelegenheit: am Samstag, 10. Oktober, 18 Uhr, bei der Kirchenführung „Hinter den Kulissen“, am Sonntag, 11. Oktober, 21 Uhr, bei der Führung

„Glanz der Nacht“, am Freitag, 16. Oktober, um 15 und 16 Uhr bei der Kirchenführung für Kinder und Familien und am Samstag, 17. Oktober, von 15 bis 19 Uhr bei „St. Benno mal anders“.

Zudem hält Franz Schröther von der Geschichtswerkstatt Neuhausen am Freitag, 9. Oktober, ab 18 Uhr im Pfarrzentrum Bennopolis, Kreittmayrstraße 29, einen Vortrag unter dem Titel „Rund um St. Benno – das Neuhauser Kasernenviertel, Kneipen und ein Knast“. Alle Infos zur Festwoche gibt’s unter cms.st-benno-muenchen.de/aktuelles-termine.

ul

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