„Es darf kein Gras drüber wachsen“

Alte Helme, Geschirr und Bierträger: Hat ein Münchner Zwangsarbeiterlager aus dem Krieg entdeckt?

Verrostete Militärhelme.
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Gefunden an der Ludwigsfelder Straße: verrostete Militärhelme.

Verrostete Militärhelme und Feuerlöscher, Geschirr sowie Reste von Schubkarren und Schaufeln: Solche Spuren der Vergangenheit hat der Stadtteilhistoriker Peter Lukas bei Bauarbeiten an der Ludwigsfelder Straße im Erdaushub entdeckt... 

Allach – Vieles spricht dafür, dass bei Erdarbeiten der Firma Krauss-Maffei Wegmann an der Ludwigsfelder Straße Reste eines ehemaligen Zwangsarbeiterlagers aus der Zeit der NS-Diktatur gefunden wurden. Historisch interessierte Bürger wie Peter Lukas setzen sich jetzt dafür ein, dass der Ort als Bodendenkmal eingestuft und gekennzeichnet wird.

Hier gibt es alle Fotos von den Fundstücken.

„Man sollte zumindest eine Stele mit einem erläuternden Text dort anbringen“, sagt er und mahnt: „Wir haben die Verpflichtung, die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Es darf kein Gras drüber wachsen.“

Wörtlich genommen ist aber das das Ziel der Bauarbeiten. Krauss-Maffei Wegmann errichtet dort aufgrund einer Behördenauflage eine etwa zwei Hektar große ökologische Ausgleichsfläche. Lukas hat die Erdarbeiten verfolgt und Gegenstände aus dem Aushub gefischt, die für ihn zweifelsfrei auf ein früheres Lager hinweisen.

Auf dem Areal an der Ludwigsfelderstraße hat Lukas einige Gegenstände entdeckt. Für ihn muss hier früher zweifelsfrei ein Zwangsarbeiterlager gewesen sein.

Dazu gehören verrostete Militärhelme, Feuerlöscher, Schaufeln und Schubkarrenräder, aber auch Essgeschirr und ein verbogenes Biertragerl. Ganz zu schweigen von großen Betonbrocken, die Bagger dort zutage gefördert haben.

Hier gibt es alle Fotos von den Fundstücken.

Historisch Informierte wissen zudem, dass KraussMaffei um 1942 mehrere Zwangsarbeiterlager unterhielt, zwei davon an der Ludwigsfelder Straße. Das ist in Veröffentlichungen des Stadtarchivs ebenso nachzulesen wie in der Firmenchronik des Unternehmens.

Die von Lukas und Stadtteilhistoriker Walter Demmel inzwischen informierten Behörden haben aber noch nicht viel unternommen. So bestätigt zwar das Landesamt für Denkmalpflege: „Nach unseren Recherchen handelt sich bei der Fundstelle um das Areal des Kriegsgefangenen-/Arbeitslager II und IV, Krauss-Maffei.“

Stadtteilhistoriker Walter Demmel informierte die Behörden.

Die Sprecherin Juliane Grimm von Wedemeyer räumt aber auch ein: „Die Erdarbeiten wurden im Vorfeld nicht archäologisch begleitet, da die genaue Lage des Lagers nicht bekannt war, beziehungsweise das Gelände nicht als Bodendenkmal angesehen wurde.“

Zuletzt habe ein Mitarbeiter des Amtes „nur mehr die gesprengten Überreste von Fundamentierungen dokumentiert“. Laut Grimm sollen die Fotos nun vom Stadtarchiv ausgewertet werden.

Die Vermutung, dass es dort ein Lager gab, sei „nicht abwegig“.

Dort erklärt Andreas Heusler: „Ohne genauere Prüfung der Fundstücke und ohne präzise Bestimmung der Örtlichkeit kann über den historischen Kontext des Fundes keine belastbare Aussage getroffen werden.“ Die Vermutung, dass es dort ein Lager gab, sei aber „nicht abwegig“.

Firmensprecher Christian Budde von Krauss-Maffei Wegmann sagt auf Hallo-Anfrage: „Uns ist nicht bekannt, dass es dort Funde gab. Wir haben nichts gemeldet bekommen.“ Ausnahmen: eine Weltkriegsbombe, die im Rahmen der Kampfmitteluntersuchung gefunden und entschärft wurde, sowie Betonbrocken. „Das war wohl eine ehemalige Flakstation“, vermutet er.

Hier gibt es alle Fotos von den Fundstücken.

Grimm dagegen berichtet, dass in diesem Bereich nach dem Krieg noch Vertriebene untergebracht worden seien.

ul

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