Besorgt um Aubinger Lohe

Besserer Schutz für die Lohe gefordert: Aubinger empört über Baumfällungen

Heinz Sedlmeier vom LBV hofft, dass Stadtwälder künftig nicht bewirtschaftet werden und es keine großen Fällaktion wie derzeit mehr gibt.
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Heinz Sedlmeier vom LBV hofft, dass Stadtwälder künftig nicht bewirtschaftet werden und es keine großen Fällaktion wie derzeit mehr gibt.

Ein Aubinger ist entsetzt über die Baumfällungen in der Aubinger Lohe. Das sagt der zuständige Forstbetriebsleiter und der Landesbund für Vogelschutz dazu...

Aubing – Heinz Hirschhäuser ist enttäuscht und wütend. In der Aubinger Lohe werden derzeit mindestens 180 Bäume gefällt. Alle paar Meter gehen große Schneisen in den Wald hinein. Auf diesen sogenannten Rückegassen fahren die schweren Maschinen zu markierten Bäumen, fällen und zersägen sie. „Es ist eine einzige Katastrophe“, sagt der Aubinger, der dort regelmäßig spazieren geht.

Seit er Ende Januar bei einem Spaziergang die entsprechenden Markierungen an den Bäumen entdeckt hatte, kämpft er darum, die Fällaktion der Bayerischen Staatsforsten zu verhindern. Vergeblich. Ihn ärgert, dass es sich bei den Bäumen, die weichen müssen, größtenteils um gesunde Laubbäume handle.

„Ich könnte nachvollziehen, wenn sie den Wald sukzessive umbauen und Nadelbäume rausholen, die sowieso nicht für diesen Standort geeignet sind. Aber wieso sie große und gesunde Laubbäume fällen, verstehe ich nicht.“

Aubinger sorgt sich um Pflanzen am Waldboden

Die ausgewählten Bäume würden auch keine anderen Bäume beeinträchtigen. „Sie stehen hier doch total locker und mit großem Abstand.“ Hirschhäuser befürchtet, dass durch die Fällungen der Waldboden austrocknet: „Wenn ich alles freiräume, scheint die pralle Sonne auf die Bodenvegetation und die kleinen Pflänzchen dörren aus.“

Viele kaputte Bäume würden die Staatsforsten dagegen stehenlassen, meint Hirschhäuser. „Da kann man nur den Kopf schütteln.“

Der zuständige Forstbetriebsleiter Wilhelm Seerieder verweist darauf, dass regelmäßige Fällungen notwendig seien, um die Vitalität des Waldes zu erhalten. Bei dieser sogenannten Auslesedurchforstung sucht der Förster Bäume aus, die sich voraussichtlich am besten entfalten werden.

Heinz Hirschhäuser ist empört über die vielen Baumrodungen in der Lohe.

Alle anderen Bäume, die diesen das Licht nehmen, markiert er zur Fällung. Ohne diese Maßnahme könnten sich die Baumkronen nicht ausbreiten und die Stämme würden nicht stärker entwickeln. „Wir wägen ständig zwischen Erholung, Klimaschutz, Ökologie und Produktion heimischer Rohstoffe ab“, ergänzt Philipp Gloning vom zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Heinz Sedlmeier vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) will das nicht in Abrede stellen: „Wir zweifeln nicht daran, dass die Staatsforsten nach besten fachlichen Standards arbeiten, aber sie wollen einen Holzertrag erzielen.“ Sedlmeier würde sich aber wünschen, dass sie in den Münchner Stadtwäldern auf die Bewirtschaftung verzichten.

„Bäume haben eine wichtige Klimafunktion: Sie befeuchten und reinigen die Luft. Aber in München gibt es nur noch vier Prozent Wald, 50 Prozent der Flächen sind versiegelt“, sagt er. Deshalb sei der verbliebene Wald umso wertvoller. „Er hat hier einen ganz anderen Status als im ländlichen Raum oder dem Umland.“ Den Verlust, den die Staatsforsten ohne die Holzgewinnung haben, sollten der Freistaat oder die Stadt ersetzen.

Schwere Maschinen fahren zu den markierten Bäumen, fällen und zersägen sie.

„Man muss den Wald aber nicht wie einen Nationalpark behandeln“, sagt Sedlmeier. Kranke Bäume, die an einem Weg stehen und drohen umzufallen, sollten natürlich entfernt werden. Wertvolle Bäume wie beispielsweise Eichen, sollten nicht von anderen Bäumen überwuchtert werden, damit sie nicht kaputtgehen. Aber größere Fällaktionen soll es künftig nicht mehr geben.

A. Schwarzbauer

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