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Stehen Aubings Projekte hinten an? ‒ BA sieht Vorhaben im Stadtbezirk in Gefahr

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Von: Andreas Schwarzbauer

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In der Baracke 05 soll eine Ausstellung über die Geschichte des Lagers entstehen.
Noch ist offen, ob die Umgestaltung des Areals an der Ehrenbürgstraße 2023 starten kann. © Andreas Schwarzbauer

Der Bezirksausschuss Aubing schlägt Alarm, weil mehrere wichtige Projekte im Stadtbezirk im Haushaltsentwurf der Stadt für 2023 fehlen.

Aubing - Die Außenstelle des NS-Dokuzentrums in Neuaubing, die Aufwertung des Grünzugs zwischen der S4-Trasse und der Bodenseestraße sowie der Stadtteilmanager und die Präventionskette in Freiham – gleich mehrere wichtige Projekte für den Stadtbezirk Aubing-Lochhausen-Langwied haben in einem ersten Entwurf für den Haushalt 2023, dem sogenannten Eckdatenbeschluss, keine Berücksichtigung gefunden.

BA kritisiert Stadt München: Projekte in Aubing nicht im Entwurf für den Haushalt 2023 berücksichtigt

Für BA-Chef Sebastian Kriesel (CSU) ist das ein Unding: „Es sind essenzielle Maßnahmen, die nicht zurückgestellt werden dürfen. Ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass sie nicht geschoben werden.“ Unterstützung erhält er durch den gesamten Bezirksausschuss, der in vier interfraktionellen Anträgen die Berücksichtigung der Projekte für 2023 fordert.

Eines ist das ehemalige Zwangsarbeiterlager an der Ehrenbürg­straße, das bis 2025 eine Erinnerungsstätte und Zweigstelle des NS-Dokuzentrums werden soll. Heuer ist der Gestaltungswettbewerb entschieden worden, kommendes Jahr sollten eigentlich die Arbeiten beginnen.

Kriesel fürchtet, dass bei einer Verschiebung das ganze Projekt auf der Kippe stehen könnte. Denn dafür sind auch Mittel der Städtebauförderung eingeplant, die allerdings nur noch bis 2028 läuft. „„Das ist nicht viel Zeit, denn die Gestaltung muss bis dahin abgeschlossen und das Geld abgerechnet worden sein. Ansonsten war alles für die Katz.“ Es sei aber extrem wichtig, an die Zwangseinsätze im Ausbesserungswerk der Reichsbahn in Neuaubing zu erinnern, sagt Kriesel. Zudem könnte sich die Freifläche zwischen Neuaubing und Freiham zu einem Treffpunkt von Alteingesessenen und Neubürgern entwickeln. 

Das federführende Kulturreferat macht sich dagegen keine Sorgen. „Es ist weiterhin geplant, die Dependance des NS-Dokumentationszentrums in Neuaubing auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers 2025 zu eröffnen“, sagt Sprecherin Jennifer Becker. Der Stadtrat werde 2022 eine entsprechende Beschlussvorlage erhalten. Diese könnte eine Veränderung des Eckdatenbeschlusses bewirken.

Entwurf für Haushalt 2023: BA Aubing sieht Projekte im Stadtbezirk in Gefahr

Mit der Präventionskette und dem Stadtteilmanager sind zudem zwei wichtige Ansprechpartner und Berater für die neuen Bewohner in Freiham gefährdet. Ersteres ist ein Netzwerk aus 80 Fachkräften aus dem Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich sowie Mitgliedern der Stadtverwaltung, das Familien berät und Angebote entwickelt. Das Hauptaugenmerk liege darauf, dass bei Kindern und Jugendlichen der Übergang in die nächste Entwicklungsphase beispielsweise von der Kita in die Grundschule gelinge. Für manche – vor allem ärmere – Familien sei dies eine zu große Herausforderung, die das Wohnbefinden aller Mitglieder beeinträchtige, teilt das Gesundheitsreferat mit.

Der Stadtverwaltung sei die Fortführung sehr wichtig. Daher hätten die drei beteiligten Referate die dauerhafte Finanzierung des Projektes für den Haushalt 2023 vorgeschlagen. Die Verhandlungen liefen aber noch.

Auch die Stelle vom Freihamer Stadtteilmanager, Reinhold Petrich, steht auf der Kippe. „Gerade jetzt geht das Quartier aber in eine neue Phase, denn die großen Bauprojekte werden nun nach und nach bezogen“, sagt Petrich. Er ist als Stadtteilmanager der Ansprechpartner für die neuen Bürger und erklärt, wie diese einen Kita-Platz bekommen, wann Einkaufsmöglichkeiten fertiggestellt werden oder wie die neuen Mobilitätsformen funktionieren. Zudem helfe er, dass sich die Nachbarn untereinander vernetzen und ehrenamtliche Projekte ins Leben rufen. „Wir haben die Fäden aufgenommen und müssen jetzt ein stabiles Netz darauf knüpfen“, sagt er. 

Auch die Aufwertung des „Grünzug L“ in Neuaubing fand keine Berücksichtigung. „Es ziehen immer mehr Menschen in den Stadtbezirk und der Naherholungsdruck steigt“, sagt BA-Chef Kriesel. Deshalb seien zusätzliche Freizeitangebote wichtig. Grundsätzlich könne nicht nur Wohnraum ohne die nötige Infrastruktur gebaut werden.

Die Fraktionschefs von SPD und Grünen im Stadtrat, Christian Müller und Anna Hanusch, verstehen die Aufregung nicht und verweisen darauf, dass der Haushalt erst im Dezember beschlossen werde. „Dass Projekte jetzt von der Kämmerei nicht als zwingend eingeschätzt wurden, bedeutet nicht, dass sie nicht kommen“, sagt Hanusch.

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