Dachau erstattet Anzeige

Nach Fund von zwölf Skeletten: Streit um Totenruhe der KZ-Opfer

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Historiker Klaus Mai befürchtet, dass es auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Allach zu einer Störung der Totenruhe gekommen ist. Auf dem Foto steht er vor einer Baracke.

Ludwigsfeld - Bereits im Sommer wurden Gebeine im ehemaligen KZ-Außenlager gefunden. Doch weil sie umgebettet und bestattet wurden, läuft sogar eine Anzeige

Es war ein schrecklicher Fund: Im Sommer kamen auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Allach in Ludwigsfeld die Gebeine von zwölf Opfern des NS-Regimes zutage (Hallo berichtete). Auf der Fläche hatten Grabungen stattgefunden, nachdem Stadtteil-Historiker Klaus Mai dort ein Massengrab vermutet hatte Die Toten sind inzwischen auf dem Waldfriedhof in Dachau bestattet. 

Anzeige gegen Unbekannt erstattet

Abgeschlossen ist die Sache damit aber noch nicht: Die Lagergemeinschaft Dachau hat jetzt Anzeige gegen Unbekannt wegen Störung der Totenruhe erstattet. „Die zwölf Skelette der Opfer hätten vor Ort verbleiben müssen“, erklärt Klaus Mai, der Mitglied in der Lagergemeinschaft ist. Er kritisiert, dass bereits im Sommer die Skelette gefunden wurden, die Information darüber aber erst im Oktober erfolgt sei. „Die sterblichen Überreste der Opfer wurden uns schon in Särgen präsentiert“, sagt er. Zum Reagieren sei keine Zeit mehr gewesen. 

"Opferverbände wurden vor vollendete Tatsachen gestellt"

„Erst nachdem vollendete Tatsachen geschaffen geworden waren, sind die Opferverbände informiert worden“, so Mai. Er denkt, dass finanzielle Gründe dahinter stecken: „Ich vermute, dass es wie immer um viel Geld ging. Auf dem Gelände sollen Wohnungen gebaut werden.“ Mai erhebt dabei auch Vorwürfe gegen die Stiftung Bayerische Gedenkstätten. „Sie wäre eigentlich nach dem Gesetz für den würdigen Schutz der Opfer zuständig gewesen“, sagt er, „hat sich aber nicht an das Gräbergesetz gehalten.“

Stiftung Bayerische Gedenkstätten weist Vorwürfe zurück

Das weist die Stiftung zurück: „Zum Zeitpunkt der Grabungen befand sich kein Friedhof auf dem Gelände“, erklärt Ulrich Fritz von der Stiftung. Somit läge keine Störung der Totenruhe vor. „Nach unseren Kenntnissen des Gräbergesetzes musste eine Wiederbestattung auf einem bestehenden Friedhof erfolgen“, sagt Fritz. Im Rahmen eines Runden Tisches, der die Grabungen begleitete, sei dann besprochen worden, dass die Beisetzung auf dem Waldfriedhof mit einer multireligiösen Feier stattfinden solle. „Diesem Vorgehen hat niemand widersprochen, auch nicht Herr Mai, der als Mitglied der Lagergemeinschaft mit am Tisch saß“, so Fritz. „Niemand will die Opfer deshalb wieder ausgraben“, sagt Klaus Mai. Ihm geht es vor allem darum, aufzuklären, was mit den Funden passiert ist, bevor sie wieder bestattet wurden. „Es geht hier nicht um die Beerdigung selbst, sondern um den Frevel davor.“ Ziel sei, denjenigen zur Rechenschaft zu ziehen, der für das Vorgehen verantwortlich war. 

Wunsch nach Gedenkstätte am Fundort

Zudem wünscht sich Mai, dass beim Fundort eine Gedenkstätte errichtet wird. „Die Geschichte und ihre Opfer dürfen nicht einfach vergessen werden“, sagt er. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie der KZ- Gedenkstätte Dachau und des Münchner Kulturreferats, bei der geprüft wird, welche Möglichkeiten es gibt.

C. Schuri

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