Ein Film soll an ihr Leid erinnern

Machbarkeitsstudie für Erinnerungsort: Freiluft-Ausstellung zum Gedenken?

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Im KZ-Außenlager Allach waren von 1943 bis 1945 tausende Häftlinge untergebracht, die als Zwangsarbeiter schuften mussten

Ludwigsfeld - Es waren grausame Szenen, die sich im KZ-Außenlager Allach abspielten: Eine Machbarkeitsstudie zeigt jetzt Möglichkeiten auf, wie daran angemessen erinnert werden kann: Hallo stellt die Ergebnisse vorab exklusiv vor

Es ist eine lange Liste, die Stadtteilhistoriker Klaus Mai erstellt hat: Er hat die Namen von 1400 NS-Opfern ausfindig gemacht, deren Tod direkt mit dem KZ-Außenlager Allach in Verbindung steht. Dazu geht er von mindestens 300 weiteren unbekannten Toten aus. 

Der Stadtteilhistoriker Klaus Mai hat die Namen von 1400 NS-Opfern ausfindig gemacht, deren Tod direkt mit dem KZ-Außenlager Allach in Verbindung steht.

Zu der Frage, wie man ihrer würdig gedenkt, liegen jetzt die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie (Hallo berichtete) vor, die die Stadt München in Auftrag gegeben hat. Dabei wurde unter anderem untersucht, ob es möglich ist, in Ludwigsfeld eine große KZ-Gedenkstätte zu errichten. Das wird jedoch kritisch gesehen: Die Verkehrsinfrastruktur sei für viele Touristen nicht geeignet, außerdem fehle es an Räumen, die mit angemessenem Aufwand umgestaltet werden könnten und das Besucherpotential sei zu gering. „Diesen KZ-Tourismus wollen wir hier nicht“, sagt auch Mai. Ihm ist es wichtig, dass die so genannte Sanitärbaracke, in der derzeit noch die Kabinen des TSV Ludwigsfeld sind, erhalten bleibt, wenn der Verein demnächst auszieht. Außerdem müsse es einen Hinweis auf die Geschichte des Ortes geben.

Im KZ-Außenlager Allach mussten KZ-Häftlinge für BMW schuften.

Auch in der Studie werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, damit die Schicksale der Häftlinge nicht in Vergessenheit geraten. Eine Idee ist, eine Freiluft-Ausstellung zu errichten. Auf Tafeln sollen Informationen zum KZ-Außenlager Allach und zur neuen Wohnsiedlung Ludwigsfeld aufbereitet werden. Die Darstellung der Nachkriegsgeschichte soll dabei deutlich von der NS-Zeit getrennt sein. Die Dokumentation könnte durch eine Wechselausstellung ergänzt werden, die von der KZ-Gedenkstätte Dachau, der Stadt München und der BMW-Group erstellt wird. 

Die Studie geht von insgesamt 30 Ausstellungstafeln und einem Platzbedarf zwischen 300 und 400 Quadratmetern aus. Es werden mehrere Standorte diskutiert. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass es am besten sei, die Dokumentationsplattform westlich der ehemaligen Sanitärbaracken anzusiedeln. Die Baracken müssten in ihren Ursprungszustand zurückgebaut und ihr Erhalt gesichert werden. Eine dauerhafte Nutzung ist in der Studie nicht vorgesehen – im Gegensatz zu den Vorstellungen von Klaus Mai, der sich dort zum Beispiel einen Bürgertreff vorstellen könnte.

Die Studie empfiehlt zudem, auf dem ehemaligen KZ-Friedhof, wo 2017 zwölf Skelette gefunden wurden, ein Gedenkstelle oder Ähnliches zu installieren. Außerdem müsse es mehr Informationen über das KZ-Außenlager Allach geben, zum Beispiel über Broschüren oder einen Dokumentarfilm. Claudia Schuri

Die gesamte Studie ist ab Donnerstag, 7. Juni, online unter www.muenchen.de/stadtgeschichte abrufbar.

Allacher KZ-Außenlager

Im KZ-Außenlager Allach waren von 1943 bis 1945 KZ-Häftlinge untergebracht, die als Zwangsarbeiter für BMW und die Organisation Todt schuften mussten. Laut dem Stadtteilhistoriker Klaus Mai durchliefen rund 32 500 Häftlinge aus ganz Europa den Lagerkomplex. Viele starben an den Folgen von Zwangsarbeit und der Misshandlungen.

Dort, wo das Lager war, entstand Anfang der 50er-Jahre die „Neue Wohnsiedlung Ludwigsfeld“. In der KZ-Baracke 7, einer ehemaligen Sanitärbaracke, sind derzeit Kabinen des TSV Ludwigsfeld, der aber ein neues Betriebsgebäude bekommen soll. In den 50er-Jahren wurde ein Anbau an die Baracke geschaffen, der zunächst als Speisesaal für ein „Bundesauswandererlager“ diente und später unter anderem als Kino, für Veranstaltungen und für eine Gaststätte genutzt wurde. Beide Gebäudeteile stehen unter Denkmalschutz.

Auf einem Grundstück an der Granatstraße 12 fanden vor kurzem Ausgrabungen statt, da es den Verdacht gab, dass sich dort ein Massengrab für Häftlinge befinden könnte. Dabei wurden zwölf Skelette gefunden.

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