Der Pfarrband geht nach draußen

Open-Air-Seelsorge

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Noch sitzt Pfarrer Ralph Regensburger am Bordstein – nächste Woche wird er auf den Kirchenbänken Platz nehmen, die am Laimer Anger aufgestellt werden.

Laim - Immer weniger Münchner gehen regelmäßig in die Kirche. Jetzt dreht Pfarrer Ralph Regensburger den Spieß einfach um - und kommt zu den Gläubigen seiner Gemeinde

Zwei direkt hintereinanderliegende Türen muss Pfarrer Ralph Regensburger aufschließen, um in das Zimmer im Pfarrheim St. Ulrich zu gelangen, in dem das Gespräch mit Hallo stattfindet. „Die Kirche ist ein Hochsicherheitstrakt. Weil meine Zunft immer weniger wird, müssen sie mich einschließen“, witzelt Regensburger und legt den großen Schlüsselbund auf den Tisch. „Aber auch immer weniger Menschen kommen zu uns. Daher muss die Kirche sich kreative Methoden ausdenken, um die Menschen zu erreichen“, erzählt der 42-Jährige.

Eines dieser kreativen Projekte, das der Pfarrverband Laim umsetzen will, startet jetzt: Von Dienstag, 3. Juli, bis Samstag, 7. Juli, werden zwei alte Kirchenbänke mitten auf dem Laimer Anger aufgestellt. Jeweils von 12 bis 14 Uhr und von 18 bis 20 Uhr werden dort Seelsorger Platz nehmen – und abwarten was passiert. „Vielleicht werden manche sich zu uns setzen und Kritik an der Kirche üben, vielleicht klagt jemand über einen Verlust und erhofft sich Beistand – ich weiß es nicht“, sagt Regensburger. Mehr Gedanken darüber, was passieren könnte, möchte er sich aber auch noch gar nicht machen: „Zum einen möchte ich nichts vorweg nehmen, zum anderen kann man so auch nicht enttäuscht werden.“

Die Ursprungsidee des Experiments kam von einer ehemaligen Kollegin die mittlerweile nicht mehr im Pfarrverband Laim ist, das zehnköpfige Seelsorgerteam hatte das Projekt weiterentwickelt. „Wir wollten etwas Verrücktes machen. Verrückt, im Sinne von eine andere Position einnehmen. Und wir wollten ein Zeichen setzen, dass Kirche ansprechbar ist“, erzählt Regensburger.

Seit 2013 ist er im Pfarrverband Laim tätig. Es gibt Monate, da unterschreibt Regensburger 30 Kirchenaustritte. Dass immer weniger Menschen in die Kirche kommen merkt auch er: „Dass hat natürlich mit der Demographie zu tun. Die älteren Leute sterben und ihr Platz bleibt dann frei, niemand rückt nach“. Auf „Seelenfang“ geht Regensburger deswegen aber nicht. „Das entspricht mir nicht. Ich möchte nur Räume schaffen, in denen Menschen sich begegnen können“, sagt er.

Für Regensburger ist das kommende Projekt auch eine persönliche Herausforderung: „Ich mag eigentlich keine Überraschungen“. Er sei ein strukturierter Mensch, plane gerne alles im Voraus. „Ich sehe das jetzt auch für mich als Chance“, sagt er. Als das Gespräch vorbei ist, verschließt Regensburger wieder sämtliche Türen - alles muss seine Ordnung haben. 

dbo

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