Schüler und Lehrer gedenken ihrer Geschichte

Diese Grundschule war ein KZ-Außenlager

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Wo heute wieder eifrig gelernt wird, waren 1944 Gefangene aus dem KZ-Dachau inhaftiert.

Schwanthalerhöhe - Zwei Jahre lang war die Grundschule an der Bergmannstraße ein Außenlager des KZ Dachau. Jetzt wird daran erinnert

Rektor Friedrich Fichtner vor seiner Schule.

Vier Jahre hat Rektor Friedrich Fichtner dafür gekämpft, dass dem geschichtlichen Hintergrund seiner Schule in der Öffentlichkeit Rechnung getragen wird. Jetzt ist es endlich so weit. Die Grundschule an der Bergmannstraße bekommt eine Gedenktafel am Haupteingang. 

Die Grundschule an der Bergmannstraße früher.

2014 machte ein Bürger aus dem Westend Fichtner darauf aufmerksam, dass das Schulgebäude an der Bergmannstraße zwischen 1944 und 45 ein Außenlager des KZ Dachau war. Kriegsgefangene dreier Nationalitäten hausten dort unter menschenunwürdigen Umständen und verrichteten anfallende Reparaturarbeiten nach Bombenangriffen der Alliierten. „Dieser Geschichtsabschnitt war mit keinem Wort in unserer Schulchronik erwähnt“, erklärt Fichtner. Nachzulesen sei der historische Beleg jedoch in den Aufzeichnungen in Dachau. Einem solchen Tatbestand müsse in Form eines Denkmals Rechnung getragen werden, so Fichtner. 

Deswegen wandte er sich mit seinem Anliegen an den Bezirksausschuss. Es folgten langjährige Diskussionen. Unter anderem darüber, dass es bereits unzählige Gedenktafeln in der ehemaligen „Hauptstadt der Bewegung“ gäbe. Zudem argumentierte der Bezirksausschuss lange Zeit gegen die Belastung der Grundschulkinder mit den Geschehnissen der NS-Vergangenheit. Fichtner hielt dennoch an seiner Idee fest: „Diese unfassbaren Gräueltaten dürfen niemals in Vergessenheit geraten.“ Gerade deshalb müsse bereits an Grundschulen Erinnerungsarbeit geleistet werden. 

Kompromiss zwischen Erinnerung und Kinder nicht verschrecken

Eine weitere Hürde war die Gestaltung der Gedenktafel. Da das Denkmal für alle sichtbar direkt neben dem Haupteingang des Schulgebäudes angebracht werden soll, musste der Text äußerst sensibel formuliert sein. „Die Kinder sollen verstehen, dass sich schlimme Dinge in diesem Gebäude abgespielt haben. Das darf ihnen aber gleichzeitig keine Angst machen“, erklärt Fichtner. 

Für die feierliche Enthüllung des Denkmals, die am Dienstag, den 17. April, stattfinden wird, wünscht sich Fichtner einen geschlossenen Auftritt der Schulfamilie: Lehrer, Elternbeirat und Schüler. „Die Kinder sollen in die Veranstaltung einbezogen werden“, sagt Fichtner. „Deshalb werden sie zur Feier des Tages die Schulhymne singen.“ Auch Bürgermeisterin Christine Strobl und Vertreter der Lokalpolitik werden der Feierlichkeit beiwohnen. 

Rebecca Strohmeier

Die Weiße Rose

Vor der Nutzung als KZ-Außenlager war im heutigen Schulgebäude eine Militär-Medizin-Kompanie kaserniert. Unter den Soldaten befanden sich auch zwei Mitglieder der Weißen Rose. Einer der beiden: Alexander Schmorrel. An der Kazmairstraße gestalteten Schüler der vierten Klassen unter Anleitung einer Künstlerin aus dem Westend im Sommer 2017 deshalb ein Wandgemälde zu Ehren der Untergrundorganisation.

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