Kulturforum München-West lädt ein

Familie Marcus – ein Schicksal

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Dieses Bild von 1912 zeigt die Familie von Prof. Dr. Louis Harry Marcus. Der jüdischstämmige Arzt musste wegen der Nazis aus Pasing fliehen, kehrte aber später wieder zurück.

Kulturforum lädt zum Gedenken an verfolgte Juden aus Pasing ein.

Obwohl er sein Zuhause verlassen musste, hatte er noch Glück im Unglück: Der Pasinger Medizinprofessor Louis Harry Marcus war zwar Christ, hatte aber jüdische Eltern, und musste deshalb zu Nazi-Zeiten um sein Leben fürchten. Doch er überlebte den Holocaust. Marcus’ Lebenslauf wird nun als einer von mehreren bei einem Gedenk-Akt des Kulturforums München-West vorgestellt. Im Unterschied zu vielen anderen Verfolgten entrann Marcus dem Tod – durch die Flucht nach Bolivien.

„Von der Welt hatte er schon vorher einiges gesehen“, sagt Angela Scheibe-Jaeger. Die stellvertretende Chefin des Kulturforums hat die Geschichte des Mannes nachgezeichnet. „Er wuchs in Ägypten auf, wo er 1880 geboren worden war, weil sein Vater dort als Geschäftsmann arbeitete“, erzählt sie. „Später zogen seine Eltern mit ihm nach Hamburg, der Ausbildungsmöglichkeiten wegen. Harry studierte Medizin, heiratete 1900 Margarethe Boyer. Das Paar hatte sieben Kinder.“ Auch beruflich ging es für Marcus voran.

1915 wurde er Anatomie-Professor – in München, an der Ludwig-Maximilians-Universität. Später kaufte er ein Haus in Pasing: in der damaligen Exterstraße 36. Dann kam das Jahr 1935.

„Damals wurde er zwangsweise in den Ruhestand versetzt“, berichtet Scheibe-Jaeger. In der Reichskristallnacht durchsuchte die Gestapo dann Marcus’ Haus; er selbst war da jedoch gerade in Florenz und kam wegen diverser Warnungen nicht nach Deutschland zurück. Stattdessen organisierte er für sich und seine Familie die Flucht nach Bolivien, wohin der jüngste Sohn Ulrich bereits einige Jahre zuvor geflohen war. Dort wurde Marcus Publizist und Insektenforscher – aber nicht glücklich.

„Nachdem seine Frau 1953 gestorben war, kam er 1954 wieder nach Pasing in sein Haus zurück“, erzählt Scheibe-Jaeger. „Dort lebte Marcus dann mit seinen Kindern und Enkeln bis zu seinem Tode 1976 – froh, wieder heimgekehrt zu sein. Nachfahren seiner Familie leben übrigens bis heute in Pasing.“ Christopher Beschnitt

Das Kulturforum München-West lädt zu einem Gedenk-Akt für verfolgte Juden ein. Er findet am Totensonntag, 20. November, ab 11 Uhr am Pasinger Rathaus, Eingang Rathausgasse, statt. Es werden Namen und Lebenswege von Opfern verlesen.

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