Mehr als nur Mätresse

Katja Zang (32) verwandelt sich zum Menzing-Jubiläum in Lola Montez

+
Katja Zang in einem Bürgergewand aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diese Tracht trägt sie bei Auftritten des Münchner Hochschul-Tanzkreises.

Sie begeistert sich für Trachten und tanzt gerne, stammt aus Obermenzing und hat lange, dunkle Haare. Mit diesen Eigenschaften kommt Katja Zang zu einer Aufgabe, auf die sie sich nach anfänglichem Zögern jetzt richtig freut: Sie stellt bei einem historischen Festzug zum Jubiläum „1200 Jahre Menzing“ die skandalumwitterte Lola Montez dar.

So kann’s gehen: Bis vor kurzem wusste Katja Zang (32) über Lola Montez (s. Kasten) nur, dass sie eine Geliebte von König Ludwig I. war. Jetzt schlüpft die Obermenzingerin selbst in die Rolle der skandalumwitterten historischen Persönlichkeit, und zwar bei einem Festzug am 23. Juli, den der Heimat- und Volkstrachtenverein „d’Würmtaler Menzing“ zum Jubiläum „1200 Jahre Menzing“ veranstaltet.

Dazu gekommen ist sie über einen Aufruf des Vereins in Hallo München. „Meine Mutter hat’s in der Zeitung gelesen und an mich gedacht, weil ich mich für Trachten und Volkstanz begeistere“, erzählt die Ernährungswissenschaftlerin, die in der Qualitätssicherung arbeitet. Erst zögerte die 32-Jährige. „Lola Montez war ja nicht unbedingt eine Sympathieträgerin“, sagt sie. „Dann dachte ich mir, ‚Es ist schon etwas Besonderes, beim Festzug zum Menzing-Jubiläum mitzuwirken‘, und habe mich doch beworben.“ Mit Erfolg: „Ich habe mich dem Verein vorgestellt und es hat gepasst.“

Kontakt zum Menzinger Vereinsleben hatte Zang bisher nicht, einschlägige Erfahrungen bringt sie trotzdem mit. Seit fünf Jahren wirkt sie im Münchner Hochschul-Tanzkreis mit, der bayerische Volkstänze pflegt. Mit dieser Gruppe trat sie auch schon mehrfach auf, unter anderem auf der „Oiden Wiesn“ und bei verschiedenen Festzügen. „Es ist für mich nicht neu, bei einer Parade mitzugehen, zu lächeln und zu winken“, sagt sie. Diesmal bedarf es allerdings einiger Vorbereitungen: „Jetzt geht’s auf die Suche nach dem richtigen G’wand“. Und mit Lolas Leben will sich Katja Zang auch noch intensiver beschäftigen. „Sie war ja nicht nur Mätresse.“ul

Der Festzug „1200 Jahre Menzing“ findet am Sonntag, 23. Juli, statt. Start ist um 15 Uhr am Festplatz Weinschenkstraße. Der Zug dreht eine Runde durch Obermenzing und endet wieder am Startpunkt. Erwartet werden rund 2000 Teilnehmer in 70 Gruppen, darunter 15 Musikkapellen. Im historischen Teil werden Persönlichkeiten und Begebenheiten aus der Geschichte Menzings dargestellt. Dabei darf Lola Montez nicht fehlen.

Tänzerin und Gräfin 

Lola Montez (17. Februar 1821 bis 17. Januar 1861) hieß eigentlich Elizabeth Rosanna Gilbert und war eine irische Tänzerin. Als Geliebte von König Ludwig I., der sie 1847 zur Gräfin erhob, löste sie einige Skandale aus. 1948 musste sie aus München flüchten und verbrachte eine Nacht in Schloss Blutenburg. Ein Portrait von ihr hängt in der Schönheitengalerie in Schloss Nymphenburg.

Auch interessant:

Meistgelesen

Keine Unterflurcontainer für Untermenzing: BA enttäuscht über „Rückzieher“
Keine Unterflurcontainer für Untermenzing: BA enttäuscht über „Rückzieher“
Suche nach neuem Wirt – Gasthof „Deutsche Eiche“ in Lochhausen hat derzeit geschlossen
Suche nach neuem Wirt – Gasthof „Deutsche Eiche“ in Lochhausen hat derzeit geschlossen
Helferkreis schlägt Alarm – Stadt will Asylunterkunft schließen, um Firmen anzusiedeln
Helferkreis schlägt Alarm – Stadt will Asylunterkunft schließen, um Firmen anzusiedeln
Gastro in Corona-Zeiten: Hirschgarten-Wirt über Ängste und Anstrengungen
Gastro in Corona-Zeiten: Hirschgarten-Wirt über Ängste und Anstrengungen

Kommentare