Offensive gegen illegale Schuh- und Textilsammler

Kampf gegen die Kleidercontainer-Mafia

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Wollen gegen die illegal aufgestellten Sammelcontainer vorgehen (v.li.): Karl-Heinz Wittmann (BA), Josef Schwab (Schlösserverwaltung), Willy Schneider (BA) und Sonja Haider (BA).

Obermenzing: Sie nutzten dreist die Hilfsbereitschaft der Bürger aus: Immer mehr illegale Schuh- und Textilsammler bereichern sich an Kleiderspenden. Jetzt sagt ihnen eine Offensive den Kampf an.

Er ist orange, wie die Sammelcontainer des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) für Altkleider und -schuhe. „Und mit den Kindern drauf denkt man an etwas Soziales“, sagt Sonja Haider, ÖDP-Stadträtin und Mitglied des Bezirksausschusses (BA) Pasing-Obermenzing. Tatsächlich aber profitieren davon unbekannte Gauner. Der Sammelcontainer an der Frauendorferstraße bei der Bushaltestelle „Durchblick“ wurde illegal auf einer Fläche der Bayerischen Schlösserverwaltung aufgestellt, und das jetzt schon zum wiederholten Mal.

Lokalpolitiker wünschen sich „Container-Ramadama“

„Das muss ein Ende haben. Die Dinger gehören beseitigt und verschrottet“, sagt BA-Mitglied Karl-Heinz Wittmann (FW). „Alle Einnahmen, die an die Altkleider-Mafia gehen, fehlen der Stadt.“ Ganz abgesehen davon, dass die Übeltäter „die Hilfsbereitschaft der Leute ausnutzen“ und die Container das Stadtbild verschandeln würden. Die Lokalpolitiker aus Obermenzing planen nun eine Offensive, die von ihrem Stadtteil in die ganze Stadt ausstrahlen soll. Denn die fiesen Tricks der illegalen Kleidersammler sorgen in vielen Vierteln für Ärger. Haider wünscht sich eine Art „Contai­ner-Ramadama“ mit Beteiligung aller BAs. „Alle sollten mehr auf diese illegalen Container achten und Fälle melden“, sagt Wittmann. Mit Anträgen im BA und im Stadtrat wollen er und Haider die Initiative in Gang bringen.

Josef Schwab, Leiter der Schlösserverwaltung Nymphenburg, begrüßt das. „Es ist eine Frechheit, sich so auf fremdem Boden zu bereichern“, sagt er. Den Behälter an der Frauendorferstraße wird die Schlösserverwaltung beseitigen.

Wie der Abfallwirtschaftsbetrieb gegen die Gauner vorgeht

So sehen die regulären AWM-Container aus.

Auf öffentlichem Grund dürfen nur die AWM-Container aufgestellt werden. Auf Privatgrund brauchen die Aufsteller eine Genehmigung vom Referat für Gesundheit und Umwelt und vom Grundstückseigentümer. 2017 wurden 215 illegale Altkleidercontainer auf öffentlichem Grund gemeldet und angemahnt, 2016 waren es sogar 865. Besonders häufig betroffen waren nach Auskunft von AWM-Sprecherin Evi Thiermann (kl. Foto) die Stadtbezirke Neuhausen-Nymphenburg, Sendling und Ramersdorf-Perlach. 

Illegale Container werden entfernt

Die Beseitigung von städtischem Grund läuft immer gleich ab: „Der AWM beklebt den Container mit einem Abzugsverweis. Meistens entfernt der Aufsteller dann den Container. Ist das nicht der Fall, entfernt ein vom AWM beauftragtes Unternehmen den Container nach zwei Wochen“, so Thiermann. Wird der Behälter nach weiteren vier Wochen in Verwahrung nicht vom Eigentümer abgeholt, wird der Container verschrottet. Allerdings sei die Chance, den Aufsteller zu ermitteln, „gleich null“. Falls es doch gelingt, drohen Bußgelder von 1000 bis 2500 Euro.

Gemeinnützige Organisationen müssen auf transparente Kleidungsverwertung achten

Genehmigte Sammelbehälter auf privatem Grund stammen laut AWM meist von gemeinnützigen Organisationen wie dem Bayerischen Roten Kreuz, Diakonia, Malteser Hilfsdienst oder Aktion Hoffnung. Diese müssen unter anderem „eine korrekte und transparente Verwertung“ der Altkleider und -schuhe nachweisen. Für die vom AWM gesammelten Textilien gilt: Die Hälfte wird im In- und Ausland wiederverwendet, die andere Hälfte zum Beispiel als Dämmstoffe oder zur Fasergewinnung wiederverwertet. „Die mit den Altkleidern erzielten Erlöse fließen in den Gebührenhaushalt ein“, sagt Evi Thiermann.

Ursula Löschau

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