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Ein Neustart zum 50. Geburtstag

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Das Aquarium in Pasing feiert seinen 50. Geburtstag. © Aquarium

Die Leiter des Jugendzentrums sprechen über die Herausforderungen damals und heute

Mit lautem Geschrei und großen Kissen in den Händen jagen sich mehrere Jungs durch den Flur. Aus zwei Boxen dröhnt Hip-Hop-Musik. Einige Mädels sitzen an einem Tisch und zeichnen. Einen Raum weiter spielen zwei Jugendliche Billard und im Keller entsteht in einem Tonstudio gerade die Radiosendung „Störfunk“. Im Jugendzentrum „Aquarium“ in Pasing ist einiges geboten. Und das seit inzwischen einem halben Jahrhundert, denn das Aquarium feiert am Freitag, 23. Juni, seinen 50. Geburtstag. 

Aquarium sucht Bewerber für FSJ-Stelle

Alle freuen sich darauf. Doch einen Wermutstropfen gibt es derzeit für Leiter Jiri Kadlec. Für die Freiwilliges Soziales Jahr-Stelle im September gibt es immer noch keinen Bewerber. „Dabei haben wir sowieso nur alle drei Jahre einen Freiwilligen, weil der Kreisjugendring die FSJler vermittelt und in seinen Einrichtungen abwechseln muss“, beklagt Kadlec. „Früher hatten wir jedes Jahr einen Zivildienstleistenden.“

Ehemaliger Leiter erinnert sich an Rocker-Gang

 An früher erinnert sich auch der ehemalige Leiter Rolf „Olaf“ Poppinga: Als er das Aquarium 1972 übernahm, beherrschte eine jugendliche Rocker-Gruppe das Haus. Sie hätten nur ihre Freunde hineingelassen und es habe ständig Ärger mit den Anwohnern gegeben. „Die Jugendlichen konnten machen, was sie wollten“, sagt Poppinga. Der Kreisjugendring, damals wie heute Träger, rief Poppinga zur Hilfe. Der griff durch und warf die Rocker hinaus. „Wir haben das Zentrum ganz neu aufgebaut“, berichtet er. Gemeinsam mit den neuen Besuchern richtete er eine Disko ein. Dort veranstaltete das Aquarium Partys. Mit den Einnahmen finanzierte man zahlreiche Ausflüge. Poppinga sagt: „Wir haben dabei gezielt Jugendliche angesprochen, die finanziell nicht so gut aufgestellt waren.“ 

Das sei auch noch heute so, bestätigt Betreuer Oliver Künzner. Er sagt: „Die Jugendlichen brauchen gerade in München nicht-kommerzielle Angebote, die sich jeder leisten kann, unabhängig davon, wie viel die Eltern verdienen.“ 

Die Einrichtung ist inzwischen fest im Stadtteil verankert. Durchschnittlich kommen derzeit am Tag rund 50 Jugendliche im Alter zwischen zehn und 18 Jahren zum offenen Betrieb des Zentrums. „Das Haus ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Jugendliche aus dem Stadtteil“, sagt Künzner. Rund um die Uhr ist mindestens einer aus dem sechsköpfigen Mitarbeiterteam als Ansprechpartner vor Ort. Zusätzlich bieten viele Betreuer verschiedene Projekte an, wie das afk-Radioprojekt. 

Zusammenarbeit mit Förderzentrum München West

 Künzner arbeitet inzwischen seit 21 Jahren im Aquarium. Innerhalb dieser Zeit habe sich einiges verändert. Es gebe immer mehr Besucher aus anderen Stadtvierteln, sagt der Sozialpädagoge. Außerdem habe die Kooperation mit den benachbarten Schulen eine immer größere Bedeutung. So arbeitet das Aquarium seit einigen Jahren mit dem Sonderpädagogischen Förderzentrum München West zusammen und bietet für dessen Schüler eine Mittagsbetreuung an. 

Die größte Veränderung steht allerdings im nächsten Jahr an. Das Gebäude an der Alois-Wunder-Straße ist nämlich in die Jahre gekommen. Deshalb will der Stadtrat 2018 ein neues Haus bauen (Hallo berichtete). In Keller und Erdgeschoss wird weiterhin das Aquarium beheimatet sein und im ersten und zweiten Stock will die Stadt eine Mittagsbetreuung für Schüler einrichten. Doch vorher wird doch noch gefeiert. 

Andreas Schwarzbauer

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