100 Jahre Maxim: Sigi Daiber betreibt seit 30 Jahren das letzte Lichtspielhaus Neuhausens

Sein Leben – großes Kino

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Sigi Daiber in seinem Vorführraum: Projektor an - Film ab!

NEUHAUSEN Bis zu 16 Kinos hat es in Neuhausen-Nymphenburg früher mal gegeben. Übrig geblieben ist nur eines: das Maxim. Und das auch nur, weil es Siegfried Daiber (Foto) gibt. Der 72-Jährige führt das Kino, das heuer 100 Jahre alt wird, seit über 30 Jahren – im Alleingang. Wie sich das Lichtspielhaus gegen die Konkurrenz moderner Blockbuster-Paläste behauptet, welcher Film zum Jubiläum läuft

100 Jahre Maxim in der Landshuter Allee 33 – das muss gefeiert werden. Und das wird es auch: mit einer Jubiläumsvorstellung des Wim Wenders-Filmes „Im Laufe der Zeit“ am 24. November um 19 Uhr. Das letzte Kino in Neuhausen und zugleich drittälteste Lichtspielhaus in München ist nicht nur wegen seines nostalgischen Charmes und des anspruchsvollen Programmangebotes jenseits des Mainstreams etwas ganz Besonderes. Einzigartig ist vor allem auch das Engagement des Inhabers Siegfried Daiber. Seit 1978 führt der 1940 geborene Filmfan das Kino, seit 1982 als Ein-Mann-Betrieb, an sieben Tagen in der Woche. Sigi Daiber IST das Maxim.


NNA: Herr Daiber, was treibt Sie an, Ihr Leben seit fast 35 Jahren ganz und gar dem Maxim in Neuhausen zu widmen?

Siegfried Daiber: Am Anfang waren wir ja noch zu mehreren und ich war nicht die ganze Zeit über da. Später dann, als ich das Maxim 1982 allein übernommen habe, war es auf jeden Fall die Liebe zum Film und das Interesse, in diesen Zeiten schon schwierigere Filme und nicht so akzeptierte Filme zu zeigen, und zwar weil sie in München sonst so gut wie gar nicht gezeigt wurden. Heute ist die Situation ganz anders geworden, aber damals war es schon so, dass es ein viel stärker selektiertes Kino gab. Warum ich dafür bis heute meine ganze Zeit investiert habe, weiß ich eigentlich auch nicht.


NNA: Sie haben außer in der Sommerpause im August und September täglich geöffnet. Was passiert, wenn Sie mal krank sind?

Daiber: Wenn es nur ein oder zwei Tage sind, kann ich Freunde bitten, dass sie aushelfen. Mann muss schon dazu sagen, dass es immer Freunde gab, die mitgeholfen haben und die ich ansprechen konnte - und immer noch kann, wenn ich mal nicht dazu in der Lage bin, das Kino zu öffnen, sei es wegen Krankheit oder weil irgend ein privater Termin ist, den ich unbedingt wahrnehmen sollte. Aber wenn ich mal wirklich längere Zeit krank wäre, dann wär' halt das Kino in dieser Zeit zu.


NNA: Wollten Sie schon immer Kinobesitzer sein?

Daiber: Nein. Die letzten beiden Jahre vor dem Abitur war ich zwar in einem Kino in einer kleineren Stadt Vorführer. Danach bin ich zum xx-Studium nach München gekommen und hatte eigentlich nicht vor, wieder auf dem Gebiet tätig zu werden. Irgendwann bin ich dann über Bekannte, die sich hier in dem Kino engagiert hatten, halt doch wieder in dieses Fahrwasser geraten.


NNA: Wie oft sitzen Sie selbst in Ihrem Kino, um sich einen Film anzuschauen?

Daiber: Ich glaube, die wenigsten Kinobetreiber tun das. Denn da gibt es immer was zu tun. Irgendwas ist immer nicht ganz in Ordnung, und da muss man dann ständig rein und raus rennen. Also im eigenen Kino einen Film zu sehen, ist für mich keine Möglichkeit, einen Film wirklich mit Genuss anzusehen.


NNA: Schauen Sie sich dann in anderen Kinos ab und zu mal einen Film in Ruhe an?

Daiber: Ja, vor allem bei Festivals und Veranstaltungen anderer Art.


NNA: Ihr Programm ist anders als die große Masse. Wie wählen Sie Ihre Filme aus? Können Sie komplett selbst entscheiden oder schreiben Ihnen die Filmverleiher auch das eine oder andere vor?

Daiber: Die Filmverleiher geben mir hier nichts vor, denn dieses Kino ist für nahezu alle Verleiher ökonomisch uninteressant. Und es gibt in München immer noch ausreichend andere Alternativen, die man buchen kann und die zentraler gelegen sind. München ist gerade auf Kinos bezogen schon eine ziemlich zentrierte Stadt. Die meisten Leute gehen doch lieber in der Innenstadt ins Kino, als dass sie bei der Donnersbergerbrücke aus der S-Bahn steigen und ins Maxim gehen würden.


NNA: Das gibt Ihnen aber zugleich die Möglichkeit, Ihr Programm völlig frei zu gestalten?

Daiber: Ja, das ist schon so. Und das ist auch gut so.


NNA: Stellen Sie sich vor, Sie würden am Wochenende eine Million Euro im Lotto gewinnen würden. Was würden Sie damit machen?

Daiber: Ich würde endlich mal diese Kinositze renovieren. Von offiziell 94 Plätzen sind nämlich nur noch etwa 80 Sitze zu gebrauchen.


NNA: Also alles ins Kino stecken?

Daiber: (lacht) Na, alles nicht... und so viel wird es hoffentlich auch nicht kosten, denn ich werde wahrscheinlich keine Million im Lotto gewinnen und will es trotzdem irgendwann mal gerichtet haben.


NNA: Und ohne die Million - wie sehen Ihre Zukunftspläne für sich und das Maxim aus?

Daiber: Ja mei - noch lebt es. Und ich denk mir halt immer: Ein Kino ist etwas, was auch weiterhin eine Zukunft haben sollte. Und zwar ein Kino, und nicht ein Durchlauferhitzer für neu erscheinende Filme.

Das Interview führte Ursula Löschau



Das Programm zum 100-Jährigen

Mit „Im Laufe der Zeit“ von Wim Wenders feiert das MAXIM Kino am 24. November seinen 100. Geburtstag. „Im Lauf der Zeit“ entstand 1976 mit Rüdiger Vogler als Bruno und Hanns Zischler als Robert. Das Roadmovie erzählt die Geschichte des suizidgefährdeten Robert, der seinen Käfer mit Vollgas in die Elbe setzt. Eine Sandbank vereitelt allerdings den halbherzigen Selbstmordversuch. Bei Bruno, der in Kleinstadtkinos Projektoren repariert, findet Robert nicht nur trockene Kleider, sondern durch dessen Freundschaft auch einen Neubeginn. Auf ihrer Reise in Brunos altem Möbelwagen entlang der deutsch-deutschen Grenze reden sie über Sehnsüchte, Frauen, Einsamkeit und Jugenderinnerungen. Sie erkennen – im Lauf der Zeit – welche Möglichkeiten noch vor Ihnen liegen. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt kostet 7 Euro.

Beim Jubiläum gibt es zur Begrüßung Sekt und Grußworte. Im Vorprogramm läuft der achtminütige Kurzfilm „Und mehr bedarf es nicht“, ein filmisches Porträt des MAXIM Kinos, das ein Team der Journalistenakademie 2009 drehte. Dann folgen als Jubiläumsfilm Wim Wenders „Im Laufe der Zeit“ – und nach dem Film interessante Gespräche.

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