Pasinger Rolli-Fahrerin stürzt in Kanal – ihr Hund holt Hilfe

Georgy, der Lebensretter

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Fürs Bild wollte Retriever Georgy nicht wirklich posieren, sein Stöckchen fand er spannender. Doch wenn’s drauf ankommt, ist auf den Hund Verlass: Er hat seinem Frauchen Deborah Kiepe das Leben gerettet, nachdem sie samt Rollstuhl in den Pasinger Kanal (Hintergrund) gestürzt war.

Was für ein Drama am Bergengruenweg: Die Pasingerin Deborah Kiepe ist dort mit ihrem Rollstuhl erst ins Rutschen gekommen und dann die Böschung hinunter in den Pasinger Kanal gerast. Zehn Minuten musste die 23-Jährige im eiskalten Wasser ausharren. Wie ihr Retriever-Mischling Georgy sie gerettet hat, lesen Sie hier.

Es ist ein grauer Novembertag, an dem Deborah Kiepe fast ihr Leben verliert und ihr Hund Georgy sich unsterblich macht. Die 23-jährige Pasingerin geht mit dem Retriever-Mischling Gassi – er läuft auf seinen vier Pfoten, sie fährt nebenher im Rollstuhl, in dem sie wegen einer unheilbaren Nervenkrankheit sitzt. Als dann das Unglück passiert, ist das Duo gerade von der Theodor-Storm-Straße in den Bergengruenweg abgebogen, einen Pfad, der parallel zum Pasinger Kanal verläuft.

Plötzlich kommt Kiepe vom Weg ab, vermutlich, weil sie die Kurve zu scharf genommen hat. Ihr schwerer Elektroroll­stuhl rutscht zur Seite, rast in Sekundenschnelle die Böschung hinab ins Wasser. Darin kippt er dann auch noch um, macht zum Glück aber keinen Überschlag. „Ich steckte bis zur Brust im Kanal, konnte den Kopf aber über Wasser halten“, erinnert sich die junge Frau an das, was sie erlebt hat. Dass sie darüber nun bis auf ein paar blaue Flecken unversehrt sprechen kann, das verdankt sie Georgy.

„Nachdem ich ins Wasser gestürzt war, schrie ich ununterbrochen, ich weiß gar nicht mehr, was“, erzählt Kiepe. „Mich hat aber niemand gehört, weil der Verkehr so laut war.“ Georgy verfolgt das Drama einige Augenblicke lang aufmerksam, dann entschließt er sich, zu handeln: Er rennt von seinem Frauchen weg, das Ufer hoch zur Straße, und beginnt dort wie von Sinnen zu bellen.

„Als Erste wurde eine ältere Dame auf ihn und dadurch auf mich aufmerksam“, berichtet Kiepe. „Sie kam herbei, konnte mich aber nicht aus dem Kanal holen, weil sie selbst zu gebrechlich war.“ Kurz darauf habe Georgy dann einen Mann alarmiert. „Der ist sofort mit Klamotten ins Wasser gesprungen und hat mich aus dem Rollstuhl gezogen. Zusammen mit einem anderen Herrn hat er den Rolli später auch noch an Land gehievt.“

Ganze zehn Minuten vergingen bis zu dieser Rettung. „Todesangst hatte ich währenddessen nicht wirklich“, sagt Kiepe. „Dazu war ich viel zu geschockt – von dem Unglück an sich und auch, weil das Wasser so saukalt war.“ Eine Unterkühlung hat Kiepe sich deshalb geholt, nach einigen Stunden im Krankenhaus durfte sie aber noch am Abend des Vorfalls wieder nach Hause fahren. Nach Hause, wo Georgy ihr eine riesige Hilfe ist.

„Er ist ja nicht einfach nur ein Haustier, sondern wird zurzeit zum Assistenzhund ausgebildet“, erklärt Kiepe. „Er kann schon vieles: Er bringt mir zum Beispiel die Wäsche aus der Maschine, knipst das Licht an und aus oder drückt für mich die Tasten im Fahrstuhl.“

Kiepe stockt. Dann sagt sie: „Allein schon wegen dieser Unterstützung im Alltag bin ich Georgy super dankbar.“ Sie blickt vom Bergengruenweg hinab zum Kanal. „Aber seit er mich daraus gerettet hat, bin ich das natürlich umso mehr.“ Dann beobachtet sie den Hund, wie er zufrieden auf einem Stock kaut. Kiepe lächelt selig. Um sie herum mag alles novembergrau sein wie schon am Tag des Unfalls – doch mit Georgy hat Kiepe einen ständigen Sonnenschein an ihrer Seite. Christopher Beschnitt

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