Die „Horror-Baustelle“ in Hadern

Stiftsbogen-Anwohner erheben schwere Vorwürfe gegen Baufirma

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Bauarbeiter, die ohne Helm werkeln, überstehende Paletten auf dem Dach (links oben), unvorhergesehene Stromausfälle.

Hadern - „Wie viel Schlimmes muss passieren, bevor gehandelt wird?“ - Derzeit wird die Anlage nachverdichtet, die Nachbarn leben mit einer großen Baustelle. Welche Vorwürfe sie erheben und was die Stadt dazu sagt

Mit der Fällung von 40 Bäumen im Januar fing der Ärger für die Bewohner des Stiftsbogens in Hadern an (Hallo berichtete). Zu der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) waren rund zehn Nachbarn der Anlage gekommen und beschwerten sich massiv über die Zustände der dortigen Baustelle – diesmal wurden Vorwürfe über Fahrlässigkeit laut. 

Derzeit wird am Stiftsbogen nachverdichtet, es entstehen 32 neue Wohnungen, ein privater Kindergarten sowie eine Tiefgarage. Das Ehepaar König lebt seit 14 Jahren in der Anlage. „Vor Kurzem ist uns ein Container in die Balkonbrüstung geflogen. Hätte ich dort gestanden, wär’s das mit mir gewesen“, schimpft Birgit König. „Auf Nachfrage sagte der Bauleiter, dass der Arbeiter gar nicht zur Kranführung berechtigt war und der eigentlich Befugte gerade auf der Toilette war.“ 

Den Anwohnern am Stiftsbogen, darunter das Ehepaar König, ist die Baustelle nicht geheuer.

Zustände wie diese, werden auch von weiteren Nachbarn beschrieben, die „Horror-Baustelle“ wäre für die Bewohner „nicht mal annähernd erträglich“. Es war die Rede von Stromabschaltungen bis zu zehn Stunden, da ein Bauarbeiter ein Kabel durchgeschlagen hätte, von nicht begehbaren Wegen, unzugänglichen Feuerwehreinfahrten, ungesichertem Baumaterial, Rissen in den Wohnungen und falsch abgeleitetem Wasser. „Die Bauleute tragen keine Helme. Wenn sich jemand nicht mal um seine eigene Sicherheit sorgt, wieso sollte ihm dann die Sicherheit anderer wichtig sein?“, fragt König. 

Besonders pikant: Anfang des Jahres starb der Hausinstallateur der Anlage auf der Baustelle. „Es hieß, er sei über den Zaun geklettert und in die Baugrube gefallen. Es gibt viele Gerüchte“, erzählt König und weist außerdem auf Jugendliche hin, die nachts ohne Probleme in die unzureichend gesicherte Baustelle eindringen und auf Dächer klettern könnten. 

Was die Bewohner außerdem stört: „Wir fühlen uns uninformiert. Der zuständige Ansprechpartner bei der Hausverwaltung ist nie zu erreichen“, klagt König. Eine zugesicherte schriftliche Stellungnahme der Hausverwaltung „Gegenfurtner“ traf bei Hallo bis Redaktionsschluss nicht ein. Bauherr ist die „F. M. S. Immobilienbeteiligungsgesellschaft GmbH & Co. Grundbesitz KG“. Der Haderner Rechtsanwalt Maximilian Stürzer, Geschäftsführer der als Bauherrin agierenden Immobilien-GmbH, war bis Redaktionsschluss ebenfalls nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Bei der zuständigen Baufirma handelt es sich um die „Riebel GU AG Sankt Gallen Niederlassung Deutschland“, welche nicht zu erreichen ist. 

Die Firma „Riebel Generalunternehmer GmbH und Co. KG“, ansässig in der Elsenheimer Straße, betont auf Hallo-Nachfrage, dass sie sie mit dem Bauvorhaben nichts zu tun hätten und es keine Geschäftsbeziehung mit der Schweizer Firma gäbe. Allerdings bestätigt man, dass aufgrund der Namensgleichheit bereits mehrere Beschwerden bei ihnen eingegangen seien. Der BA-Vorsitzende Johann Stadler (CSU) erklärte, dass sich der Bauauschuss um die Angelgenheit kümmern werde. Auf Nachfrage erklärt Ingo Trömer vom Planungsreferat: „Diese Vorgänge waren uns bislang nicht bekannt und werden nun von der Lokalbaukommission untersucht.“

dbo

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