Innovatives Wohnprojekt

Großer Ärger um kleine Häuser im Gleisdreieck Pasing

Felicia Rief will ihr Tiny House zeigen und dort auch verschiedene Workshops, zum Beispiel zum Thema Urban Gardening, abhalten. 
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Felicia Rief will ihr Tiny House zeigen und dort auch verschiedene Workshops, zum Beispiel zum Thema Urban Gardening, abhalten. 

Münchner stellen in Pasing „Tiny Houses“ auf, um neue Wohnform vorzustellen – allerdings gibt es ein Problem

Pasing - Eigentlich wollten sie Aufmerksamkeit für die neue Wohnform „Tiny Houses“ schaffen. Doch dann gerieten Felicia Rief und ihre drei Mitstreiter zwischen die Fronten. 

Tiny Houses im Gleisdreick

Lange suchten sie nach einem geeigneten Standort, auf dem sie ihre beiden, etwa 18 Quadratmeter großen Holzhäuschen aufstellen und zeigen konnten. Schließlich wurden sie fündig: Ein Investor erlaubte ihnen die „Tiny Houses“ auf seinem Grundstück im Gleisdreieck Pasing aufzustellen. 

Beim Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing sorgte dies für Unmut. Die Viertelpolitiker fürchteten, dass der Eigentümer dort vollendete Tatsachen geschaffen und illegal Wohnbebauung errichtet habe. „Die Stadt muss dringend dagegen vorgehen“, forderte Sven Wackermann (CSU). 

Fehlende Genehmigung für das Projekt

Rief zeigte sich von dem Gegenwind überrascht. „Hier war eine Brachfläche, die niemand wollte.“ Zudem wohnten sie nicht in den Häusern, sie dienten nur als Anschauungsobjekt. Die vier wollen die „Tiny Houses“ als „eine von vielen nötigen Lösungen für bezahlbaren Wohnraum“ bekannter machen. Denn: „Die Stadt hat das Thema gar nicht auf dem Schirm. Wir wollen Vertreter aus Politik und Stadtplanung einladen, damit sie sich ein Bild von den Häusern machen können“, sagt Rief. „Wir machen keinen Profit damit.“ 

Dennoch hätten sie eine Genehmigung benötigt, teilt das Planungsreferat mit. Da die Häuser aber nicht bewohnt sind, sei der Fall nicht so gravierend und sie müssten nicht sofort weichen. Die Lokalbaukommission werde die Lage aber weiter beobachten. 

Auch BA-Chef Frieder Vogelsgesang (CSU) zeigte sich versöhnlich. Der Eigentümer der Flächen versuche schon länger, mit allen Mittel Gewinn zu machen. Deshalb sei der BA hier besonders sensibilisiert. Aber: „Wenn die Häuser nur temporär stehen, habe ich kein Problem damit.“ 

Viele Ärger mit dem Investor

Viele Flächen im Gleisdreieck sind an Kleingärtner verpachtet. Der Eigentümer liegt mit ihnen im Dauerstreit. Er will ihnen kündigen, um die Flächen gegen ein Grundstück des der Tennisabteilung des ESV München an der Haberlandstraße zu tauschen. Dort will er Wohnungen bauen. Doch eine Kündigung ist nicht so einfach. 

Die Kleingartenanlage gehörte früher der Bahn. Als sie das Gelände verkaufte, musste der neue Eigentümer den Pachtvertrag übernehmen. Die Kleingärtner beklagen nun zahlreiche Schikanen des neuen Eigentümers: zugeschüttete Entwässerungsgräben, das Abladen von Müll neben den Gärten. Ihre Vermutung: „Der Eigentümer will uns vertreiben."

Streit um Tennisanlage

Dann könnte sich dort der ESV München ansiedeln, denn der Investor will dem Verein die Fläche im Tausch gegen sein Grundstück an der Haberlandstraße überlassen. Während der Hauptverein darüber nachdenkt, lehnt dies die Tennisabteilung rundherum ab. 

Zwischen den Tennisspielern und dem Investor kommt es seitdem immer wieder zu Streitigkeiten. So ließ der Investor 2017 sein Grundstück vermessen und kam zu dem Ergebnis, dass ein 3,50 Meter breiter Streifen eigentlich ihm gehört. Diese "Grenzstreitigkeiten" konnten bisher nicht gelöst werden. Vor einigen Monaten forderte er, einen Zaun zurückzubauen. Als der Verein nicht reagierte, riss er ihn selbst gewaltsam ein. Die Tennisabteilung erstattete Anzeige wegen Vandalismus.

Der Zaun um die Tennisanlage an der Haberlandstraße wurde gewaltsam eingerissen. 

Bezirksausschuss stellt sich hinter Kleingärtner und Tennisspieler

Der Bezirksausschuss unterstützt in diesem Streit die Kleingärtner und die Tennisabteilung. Beide müssten an ihrem derzeitigen Standort erhalten bleiben, so lautete schon mehrfach das einmütige Votum des Stadtviertelgremium. Die Stadt wiederum verweist auf den Flächenutzungsplan. Dort ist das Gelände an der Haberlandstraße nicht als Bauland, sondern als Grünzug und Sportanlage ausgewiesen. Dies soll sich laut Stadt auch nicht ändern. 

Andreas Schwarzbauer

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