Wieso manche Federtiere uns gerade im Winter besuchen

Gefiederte Exoten fliegen nach München ein

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Der Seidenschwanz: kein Pestvogel.Mal in Scharen, mal nur sehr spärlich: Wie viele Seidenschwänze im Winter zu uns fliegen, hängt davon ab, wie gut das Nahrungsangebot im Brutgebiet in Russland und Nordskandinavien ist, und wie viele Artgenossen darum konkurrieren. Wenn zu viele hungrige Schnäbel sich um die begehrten Vogelbeeren streiten, kommt es zu Wanderbewegungen, die manche Schwärme bis zu uns treiben. Im Mittelalter dachte man irrtümlich, der Vogel komme, um die Pest zu bringen.
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Der Bergfink lässt Äste abbrechen: Bergfinken brüten in Skandinavien und Nordost-Europa, verbringen den Winter aber in Mitteleuropa. In Wäldern und auf Äckern suchen sie dann nach Bucheckern, Sämereien, Getreide und Nüssen. In Jahren mit vielen Bucheckern können sich abends lautstarke Schwärme von mehreren Hunderttausend Vögeln sammeln. Manchmal treten Bergfinken sogar in solchen Massen auf, dass unter ihrem Gewicht Äste abbrechen können.
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Der Kopf verrät etwas bei Schwanzmeisen: Gut, mit neun Zentimetern ist ihr Schwanz deutlich länger als ihr Körper, daher heißt die Schwanzmeise ja auch so. Aber eigentlich kommt’s bei ihr auf das Köpfchen an – zumindest, wenn man ihre Herkunft erkennen will. Denn die bei uns heimischen Vertreter haben ein schwarz-weißes Haupt, ihre Artgenossen aus Skandinavien und Russland, die als Wintergäste zu uns kommen, ein rein weißes. Für beide Erscheinungsformen gilt: Mit den bekannteren Kohl- und Blaumeisen sind sie nur entfernt verwandt, auch wenn die Tiere alle „Meise“ heißen. Jetzt im Winter sieht man Schwanzmeisen meist in Gruppen von Baum zu Baum oder auch zu Futterstellen wandern. Dort picken die Vögel das Fettfutter heraus – gern kopfüber, denn ihr langer Schwanz macht sie zu wahren Balancierkünstlern.
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Der Erlenzeisig ist niemals still: Erlenzeisige brüten bei uns nur spärlich, im Sommer sind sie daher selten zu sehen. Im Winter bekommen sie aber in manchen Jahren Verstärkung von Artgenossen aus dem hohen Norden Europas und auch aus Zentralasien. Dann flattern die gelb-grünlichen Vögel in kleinen Schwärmen durch Parks und Gärten, wo sie Erlen- und Birkensamen fressen. Dabei halten sie mit leisen „Tetteret“-Rufen ständig Kontakt zueinander.
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Der Silberreiher gibt Rätsel auf: Noch vor wenigen Jahren war ein hierzulande gesichteter Silberreiher eine Sensation. Denn die Vögel kamen in Europa lange Zeit nur weit im Osten vor. Heute aber lassen sich Silberreiher auch bei uns beobachten, vor allem jetzt im Winter und hauptsächlich in Gewässernähe. Der Grund dafür ist selbst Experten rätselhaft. „Womöglich liegt es daran, dass die Populationen der Tiere in Osteuropa in der Vergangenheit deutlich gewachsen sind und nun insbesondere Jungvögel ungerichtet in neue Gefilde vorstoßen“, meint Dr. Sophia Engel vom LBV über den auffallend weißen Vogel.
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Wacholderdrosseln spritzen mit Kot: Die Wacholderdrossel ist in Bayern oft zu beobachten, und zwar aus zweifachem Grund: Einerseits brütet sie in München und im übrigen Freistaat öfter als anderswo in Deutschland, andererseits kommen im Winter viele der Vögel aus dem Norden Europas hierher. Übrigens: Wacholderdrosseln vertreiben Greifvögel, Katzen und Marder durch Flug­angriffe, bei denen sie Kot auf den Kopf des Gegners spritzen.
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Dr. Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV)

Trotz der sibirischen Temperaturen der vergangenen Wochen sind zahlreiche gefiederte Exoten aus dem Norden zu uns eingeflogen – wie der Seidenschwanz. Warum sie sich bei uns so wohlfühlen, wo in Pasing man sie jetzt besonders gut beobachten kann, erfahren Sie hier.

Dr. Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV)

In München ist es kalt und matschig – und dennoch flattern gerade jetzt bunte Besucher durch unsere Stadt: Vögel wie der Bergfink und all die anderen, die wir hier zeigen.

Den Grund dafür erklärt Dr. So­phia Engel (Foto) vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV): „Diese Arten kommen aus Skandinavien und Sibirien, wo der Winter härter und die Nahrung daher knapper ist als bei uns.“ Beobachten könne man die Tiere zum Beispiel sehr gut im Pasinger Stadtpark und an der Würm. Und apropos Nahrung: „Wer jetzt ein Futterhaus betreibt“, sagt Engel, „sollte es trocken und sauber halten und frei aufstellen, damit die Vögel Katzen rechtzeitig bemerken.“ Engel ergänzt: „Die beste Winterfütterung sind indes naturnahe Gärten mit heimischen Beerensträuchern wie Schlehe oder Holunder.“
Christopher Beschnitt

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