Nach einer wahren Geschichte

Araber gewähren Rentnern Asyl

Flüchtlingsheim mit Gaststätte verwechselt: Pasingerin verfilmt einen kuriosen Irrtum.

Herbst, irgendwo in Bayern. Ein Rentner-Ehepaar wandert seit Stunden durch die Landschaft, völlig ausgehungert landet es vor einem alten Gasthof. Sie kehren ein. Und werden von Arabern bewirtet. Was sie nicht wissen: Schon längst ist das Wirtshaus keines mehr, sondern ein Flüchtlingsheim.

Diese wahre Geschichte, die sich 2015 ereignete, verfilmen zwei Münchnerinnen gerade: Regisseurin Ysabel Fantou – eine Pasingerin – und Kamera­frau Sanne Kurz (Foto rechts). 50 Flüchtlinge aus München und dem Dachauer Umland haben sie dafür vor die Kamera geholt. Einen Trailer gibt es bereits. Darin zu sehen: Als die Rentner nach der Speisekarte fragen, bricht bei den Syrern und einem Iraner Panik aus: „Sie wollen unseren Pass! Die Aufenthaltsgenehmigung!“

Mit einigem Humor schildern Fantou und Kurz, welche Ängste entstehen, wenn fremde Kulturen aufeinanderprallen. „Wir haben in Deutschland leider ein Klima der Hetze, des Hasses und des Rassismus“, sagt die Kamerafrau aus dem Münchner Osten. „Das ist so traurig, weil wir doch von der Vielfalt profitieren.“ Zum Beispiel, was die Kulinarik betrifft: Im Kurzfilm zaubern die Flüchtlinge in Kürze ein syrisches Menü für das Ehepaar, mit Humus, Auberginencreme und syrischer Marmelade.

Außerdem: „Viele Deutsche haben doch selbst einen Migrationshintergrund“, sagt Fantou. Ihre Eltern etwa sind während des Zweiten Weltkriegs vor Partisanen und Russen vom Balkan geflohen. Da der Vater der Pasingerin auch noch Franzose ist, kennt die 46-Jährige das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören. Gerade deswegen findet sie Gastfreundschaft so wichtig. „Und beim Essen oder Kochen ergibt sich immer eine wunderbare Gelegenheit zu reden“, findet sie. Deswegen haben sie zum Film auch ein syrisch-schwäbisches Kochbuch erstellt: Wer beim Crowdfunding etwas spendet, bekommt die Rezepte.

Denn noch kann der achtminütige Streifen nicht fertiggestellt werden – das Geld fehlt. Zwar hatte der Bayerische Rundfunk den beiden Dozentinnen der Filmhochschule München ein Startbudget zur Verfügung gestellt. „Aber das reicht einfach nicht“, sagt Fantou.

Geplant ist außerdem, die Premiere im nächsten März nicht-öffentlich in der Filmhochschule zu feiern – zusammen mit Filmemachern, Schauspielern, Komparsen und natürlich den Flüchtlingen.

Hanni Kinadeter

Weitere Informationen und Spendemöglichkeiten gibt es im Internet auf www.startnext.com/dieherberge

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