Viel Interesse im Viertel

Unterwegs mit offenen Augen

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Als Dienstkleidung tragen die Ehrenamtlichen Johann Scherer (2.v.li.), Christoph Renner (Mitte) und Peter Rickheit (2.v.re.) dunkelblaue Jacken mit Reflektoren und der Aufschrift Sicherheitswacht; rechts Neuhausens Polizeichef Thomas Vieweg, links Thomas Sorgalla von der PI 42.

Nach dem Start der Sicherheitswacht in Neuhausen-Nymphenburg geben die Beteiligten einen ersten Erfahrungsbericht ab.

Sie freuen sich, wenn sie auf der Straße angesprochen werden. Das zeigt ihnen, dass sie wahrgenommen werden und die Leute im Viertel Interesse an ihrem Einsatz haben. Die Rede ist von den sechs Mitgliedern der Sicherheitswacht, die seit rund drei Monaten im Auftrag der Polizei in Neuhausen und Nymphenburg unterwegs sind. Ein erstes Fazit: „Ich tue etwas Gutes, was mir Spaß macht. Und wenn nur einer dadurch ein sicher­eres Gefühl hat, bin ich schon zufrieden“, sagt Peter Rickheit (58) aus Neuhausen.

Der Projektleiter bei einem großen Münchner Autokonzern hat sich für die Sicherheitswacht beworben, weil er anfing, sich Sorgen zu machen, wenn sich seine Tochter abends verspätete. „Mein Sicherheitsgefühl hatte gelitten, und ich habe mich gefragt, wie ich mich als Bürger beteiligen kann“, erklärt er. Christoph Renner (39) hatte ähnliche Gründe. „München ist nicht umsonst die sicherste Großstadt Deutschlands. Aber auch hier kriegt man mit, dass Leute sich nicht mehr so sicher fühlen“, erklärt der Reiseverkehrskaufmann aus Gern seine Motivation.

Wann und wo sie und ihre Kollegen eingesetzt werden, steuert Thomas Sorgalla von der Polizeiinspektion Neuhausen (PI 42). Miteinander kommen die sechs Bürger im Schnitt auf 20 Stunden pro Woche, meist spätnachmittags und abends – nach Feierabend. Unterwegs sind sie vor allem rund um belebte Orte wie den Rotkreuz-, Roman- und Leonrod­platz, an der Donnersbergerbrücke, im Hirschgarten und rund um die großen Krankenhäuser. Dort gilt es dann, „hinzuschauen, wo andere wegschauen“, wie Rickheit zusammenfasst. „Die Leute fragen nach dem Weg oder wo’s die besten Hendl gibt. Und wenn man durch einen dunklen Park geht, strahlt man etwas mehr an Sicherheit aus“, sagt er. Es gab aber auch schon andere Herausforderungen: Zwei Mitglieder der Sicherheitswacht waren bei einem tödlichen Unfall auf der Nymphenburger Straße Mitte Oktober als Ersthelfer vor Ort.

Auf ihren Einsatz vorbereitet wurden die Ehrenamtlichen in einem 40-stündigen Kurs. „Eine der Grundregeln lautet: Die eigene Sicherheit geht immer vor“, sagt Christoph Renner. Zusätzlich werden nun regelmäßig Weiterbildungen angeboten. Außerdem tauschen sich die Helfer vor und nach jedem Einsatz mit ihren Ansprechpartnern bei der PI 42 aus. „Das hat einfach Hand und Fuß“, sagt Johann Scherer (42), Verwaltungsbeamter aus Neuhausen und Mitglied der neuen Truppe. Im Zweifelsfall können die Bürger auf Streife mit ihrem Diensthandy jederzeit die Polizei rufen. „Der Unterschied zwischen dem engagierten Bürger und der Polizei ist uns sehr wichtig“, sagt PI-Chef Thomas Vieweg. „Die Sicherheitswacht ist keine Hilfspolizei und kein Ersatz für die Polizei“, betont er. „Das sind Leute, die sich für ihre Mitbürger engagieren. Nicht mehr und nicht weniger.“ul

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