Anfrage an Schule des OEZ-Attentäters sorgt für Ärger im Gremium

Nach Amoklauf: Eklat im BA!

Nima Lirawi

Gemobbt, geschlagen und gedemütigt worden sei der Amokschütze vom OEZ. Ob das die Lehrer der Alfonsschule gewusst hätten, fragte nun Nima Lirawi, Jugendbeauftragter des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg, die Rektorin per Brief. Gremiumskollegen wie Willi Wermelt sind darüber verärgert. Was sie Lirawi vorwerfen, lesen Sie hier.

Willi Wermelt (kleines Foto rechts) ist stinksauer. „Sich auf solch eine Art und Weise wichtig zu machen, nach solch einer Tat und bei so einem sensiblen Thema, ist über das Ziel hinausgeschossen“, sagt der SPDler, Mitglied der Bezirksauschusses (BA) Neuhausen-Nymphenburg. „Er hat Rücksprache mit uns zu halten!“

Willi Wermelt

Stein des Anstoßes ist ein Schreiben seines Bezirksausschuss-Kollegen Nima Lirawi (fraktionslos/großes Foto) an die Mittelschule an der Alfonsstraße – die Institution, an der der Amokschütze vom OEZ, Ali David Sonboly, eingeschrieben war. Als Mitglied und Jugendbeauftragter des BA Neuhausen-Nymphenburg spricht Lirawi zuerst dem Lehrerkollegium sein Beileid aus, bevor er zu folgendem Satz übergeht: „Das Ereignis berührt die Münchner. Viele Politiker rufen nun nach verstärkten Sicherheitskonzepten und mehr Polizisten. Wir sollten jedoch den Blick auf das Thema richten, welches der Schlüsselpunkt ist, um die Motive des jungen Amokläufers zu verstehen. Und aus dem Ereignis endlich Konsequenzen ziehen und mehr präventiv gegen Mobbing vorzugehen.“

Im Anschluss bittet Lirawi die Rektorin um Auskunft über Fragen wie: „Ist es dem Lehrerkollegium der Alfonsschule aufgefallen, dass Schüler an ihrer Schule David S. mobbten, verprügelten und öffentlich demütigten?“ oder „Sind dem Lehrerkollegium der Alfonsschule die negativen Folgen von Mobbing bekannt?“

Wermelt ist nicht nur über das Vorgehen, sondern auch über den Inhalt des Schreibens erbost. „Er hat die Anfrage nicht mit dem Bezirksausschuss abgestimmt. Er kann als Privatperson solche Fragen stellen, nicht als Jugendbeauftragter“, sagt Wermelt. „Außerdem ist es nicht Aufgabe des BA die Schule anzuprangern.“ In dem Brief würden schwierige Fragen gestellt. „Dem nachzugehen, ist die Aufgabe von Psychologen, die das studiert haben, und nicht von uns Gremiumsmitgliedern. Wir kümmern uns um Baumfällungen und Bauvorhaben“, ereifert sich Wermelt. „Das ist unsensibel und moralisch unmöglich.“

Auch BA-Chefin Anna Hanusch (Grüne) ist über Lirawis Vorstoß irritiert. „Es ist nicht gut, wie das gelaufen ist“, sagt sie. „Viele Gremiumsmitglieder sind verärgert – auch weil Herr Lirawi damit gleich an die große Presse wie die Bildzeitung und das Fernsehen herangetreten ist.“ Hanusch hätte sich gewünscht, dass Lirawi statt einen Brief zu schreiben das direkte Gespräch mit der Schule gesucht hätte. „Anfang Oktober ist eine Schulsportkonferenz. Da hätte man aufeinander zugehen können“, sagt Hanusch. „Sein Schreiben lassen wir vom Direktorium der Stadt prüfen.“ Man möchte schließlich nicht, dass der Eindruck entstanden sei, Lirawi habe im Namen des Viertelgremiums gehandelt.

Anna Hanusch

Nima Lirawi betont unterdessen, er habe die Anfrage als Privatperson gestellt. „Ich werde dem BA eine kurze Nachricht schreiben, in der ich mich nochmal erkläre“, sagt der 28-Jährige mit iranischem Migrationshintergrund. „Es ist so, dass ich nach dem Amoklauf von vielen auch ausländischen Jungbürgern und deren Eltern angesprochen wurde, die Mobbing erlebt haben und in verschiedenen Münchner Schulen nicht ernst genommen wurden.“ Er wolle sich mit dem Thema nicht profilieren, sondern dass die Gesellschaft das Problem Mobbing angehe. Vom Kultusministerium möchte er deshalb jetzt wissen, ob die staatlichen Behörden beim Amokläufer versagt hätten.

Unterdessen bestätigte die Pressestelle der Stadt gegenüber Hallo, dass Lirawis Vorgehen in Ordnung gewesen sei. „Er hat einen privaten Briefkopf verwendet und nicht den Eindruck erweckt, im Namen des Bezirksausschusses gehandelt zu haben“, sagt Matthias Kristlbauer. „Er darf auch auf sein Amt als Jugendbeauftragter hinweisen.“ Marie-Anne-Hollenz

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