Zauneidechse, Blindschleiche und Co. 

Naturparadies in höchster Gefahr

+
Martin Hänsel vom Bund Naturschutz fürchtet um den Bestand der Böschung.

Neubau der Unterführung an der kleinen Paosostraße könnte wichtigen Lebensraum zerstören, befürchtet der Bund Naturschutz. Außerdem warnt er vor mehr Verkehr. 

Die seltene Zauneidechse ist in Pasing in höchster Gefahr. Der Neubau der Eisenbahnunterführung an der Paosostraße und die damit verbundene Änderung des Straßenverlaufs würden den Lebensraum des Reptils, das auf der roten Liste steht, komplett zerstören. Auch andere wertvolle Pflanzen und Tiere verlören ihre Heimat, wenn die Pläne umgesetzt werden. Davor jedenfalls warnt Martin Hänsel vom Bund Naturschutz (BN). Zudem könnte der Verkehr durch die schmale Straße zunehmen. 

90-Grad-Kurve soll entschärft werden

Denn nicht nur die Brücke wird erneuert, vielmehr will die Stadt die enge 90-Grad-Kurve nach der Unterführung entschärfen. Sie soll künftig einen größeren Radius bekommen. „Dadurch werden die aus Naturschutzsicht sehr wertvollen Böschungen am Straßenrand komplett zerstört“, kritisiert Hänsel. Sie seien Lebensraum von 148 Pflanzen­arten, darunter elf Arten der roten Liste und zahlreichen Tieren, wie mehrere seltene Schmetterlingsarten. „Außerdem kommt eine große Population Zauneidechsen an der Paosostraße vor“, so Hänsel. „Naturschutzfachlich spricht alles dafür, die Böschung nicht anzutasten.“ 

Dass die Erneuerung der Unterführung nötig ist, zweifelt der Bund Naturschutz nicht an. Aber Hänsel ärgert, dass die Baugrube auf dem Pasinger Gleisdreieck sein soll. Das Gebiet sei ebenfalls ökologisch wertvoll, während sich auf der anderen Seite landwirtschaftlich genutzte Flächen mit geringerer Artenvielfalt befänden, moniert er. 

Kritik an Plänen für neue Böschungen

Zwar will die Bahn die Böschungen nach dem Umbau wieder anlegen. Allerdings seien sie nicht steil genug geplant, sodass die Zauneidechse sich dort nicht mehr wohlfühlen würde, mahnt Hänsel. „Zudem wären sie leichter begehbar, was die Entstehung von Trampelpfaden und damit verbundene negative Einflüsse auf Flora und Fauna befürchten lässt.“ 

Auch aus verkehrlicher Sicht haben Hänsel und der Bund Naturschutz Einwände. Aktuell nutzen nur wenige Autofahrer die steile 90-Grad-Kurve. Das sei sinnvoll, denn im Umfeld befinden sich mehrere Schulen und Kindergärten. „Mit dem Ausbau würde man einen attraktiven Schleichweg zwischen Gräfelfing und Pasing schaffen“, befürchtet Hänsel. Durch die Entschärfung der Kurve würden zudem wohl nur die wenigsten das Tempolimit von 20 Stundenkilometern beachten. 

Unterstützung bekommt der Bund Naturschutz von den Bezirksausschüssen aus Pasing und Aubing: „Die Eingriffe bei den Böschungen müssen so gering wie möglich gehalten werden“, fordern sie in einer gemeinsamen Stellungnahme. Sie sprachen sich zudem gegen einen gemeinsamen Fuß- und Radweg aus. Radler sollten wie bisher auf der Fahrbahn fahren und die Stadt die Straße als Fahrradstraße ausweisen.

Bahn will Pläne nochmal überarbeiten

Bahn-Sprecher Bernd Honerkamp kündigt auf Hallo-Anfrage an, dass die Bahn ihre Pläne nochmal überarbeitet: „Dabei soll auch der vom BN bemängelte Eingriff in die Natur minimiert werden.“ 

Andreas Schwarzbauer

Auch interessant:

Meistgelesen

Diese kleinen Piepmätze stoppen die Pläne der Bauherren
Diese kleinen Piepmätze stoppen die Pläne der Bauherren
Vom Königsplatz nach Pasing: Filmgenuss auf dem Kupa-Gelände
Vom Königsplatz nach Pasing: Filmgenuss auf dem Kupa-Gelände
Seilbahn oder selbstfahrender Bus für Freiham
Seilbahn oder selbstfahrender Bus für Freiham

Kommentare