Grüne Oase soll bleiben

Baumfällungen an der Verdistraße - weil das Kloster St. Ottilien einen Neubau will 

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Die alte Kiefer wollen Joachim Gross und Margot Groiss erhalten.

Obermenzing - Ein Bauvorhaben sorgt bei Anliegern für Unmut. Statt die Tiefgarage unter einer geteerten Hofeinfahrt zu errichten, muss eine grüne Oase dafür weichen. Bauherr ist ausgerechnet ein Kloster

Die Nachbarn Margot Groiss und Joachim Gross wollen dagegen vorgehen: An der Verdistraße plant das Kloster den Bau von drei Stadthäusern und 16 Single-Apartments. Für die vorgeschriebenen Parkplätze soll eine Tiefgarage entstehen. Sie ist in den aktuellen Plänen ebenso wie die Zufahrt im östlichen Teil des Grundstücks geplant. Dort stehen allerdings zwei etwa 15 Meter hohe Schwarzkiefern, die weichen müssten. Eine ist rund 130 Jahre alt.„Sie sind regelmäßig genutzte Nistplätze für Spechte, Eichelhäher und Elstern. Deshalb haben wir hier ein Vogelparadies“, sagt Gross. Außerdem befürchten Gross und Groiss, dass drei weitere Bäume wegen der Tiefgarage gefällt werden müssen. Eine 26 Meter hohe Pappel, ein Ahorn und ein Kirschbaum stehen auf den Nachbaranwesen direkt an der Grundstücksgrenze. „Ihre Wurzel reichen hinüber, so dass sie nicht mehr standfest genug sind, wenn die Tiefgarage kommt“, befürchtet Gross. 

Neben Hecken und Büschen hat das Kloster auch die Anpflanzung neuer Bäume geplant - doch den Bürgern reicht das nicht

Bruder Markus Weiß vom Kloster rechtfertigt sich: „Es werden neben vielen Hecken und Büschen 14 neue Bäume gepflanzt, die den Anwohnern allseitig einen schönen Grünbezug ermöglichen. Und wir haben vor, das Gebäude zu begrünen, beispielsweise wollen wir das Flachdach bepflanzen. Unser Anliegen ist schon, dass der Neubau ökologisch verträglich ist.“ Joachim Gross und Margot Groiss kann das nicht überzeugen. Laut den Plänen ist über der Tiefgarage nur ein Meter Erde. Gross sagt: „Dort kann man nur Flachwurzler pflanzen, die vielleicht drei bis vier Meter hoch werden.“ Er befürchtet, dass wie bei vielen Neubauten deshalb Kirschlorbeerbäume und Thujen gesetzt werden. „Sie entsprechen nicht dem Charakter unseres Viertels“, so Gross. Besonders ärgert die Nachbarn, dass die Baumfällungen ihrer Ansicht nach vermeidbar wären, indem der Bauherr einfach die Tiefgarage in den westlichen Teil verlagert. „Wenn kein Platz da ist, müssen die Bäume halt fallen, aber in diesem Fall ist das nicht logisch." Man müsse das Gebäude einfach umdrehen, um die Bäume nicht fällen zu müssen. Bruder Markus Weiß widerspricht: „Wenn man es spiegelt, befinden sich die Kellerräume unter den Kiefern und man könnte sie ebenfalls nicht erhalten.“

Die Lokalbaukommision überprüft derzeit die Situation aus Naturschutzsicht 

Derzeit prüft die Lokalbaukommission die Pläne aus Naturschutzsicht. Die Anwohner hoffen auf ein Veto gegen das Vorhaben, denn für Obermenzing gilt die Satzung über besondere Siedlungsgebiete (siehe unten). Sie besagt: „Tiefgaragen sind zur Erhaltung des natürlichen Geländes soweit wie möglich unter den Gebäuden anzuordnen. Auf vorhandenen Baumbestand ist Rücksicht zu nehmen.“Andreas Schwarzbauer

Besonderer Schutz für Münchens Gartenstädte 

Bis 2003 galt in München eine Gartenstadtsatzung, die durch größere Abstandsflächen ein Zubetonieren der Gärten verhindern wollte. Der Verwaltungsgerichtshof erklärte sie allerdings teilweise für unzulässig. Seitdem gilt nur noch, dass sich Neubauten in die Umgebung einfügen müssen und ihre Architektur nicht verunstaltend sein darf. Baurecht bricht generell Baumschutz. 2015 entschied der Stadtrat, dass er in den Gartenstädten Bauanträge nicht mehr isoliert, sondern auch die Auswirkungen auf die Nachbargrundstücke betrachtet (die sogenannte blockweise Betrachtung). Außerdem erarbeitet ein Stadtplaner für mehrere Testgebiete, darunter die östliche Exter-Kolonie in Pasing, sogenannte Rahmenpläne, die Empfehlungen machen sollen, wie der Charakter der Gartenstädte erhalten werden kann. Diese Pläne sind allerdings rechtlich nicht bindend. Vor verbindlichen Bebauungsplänen schreckt die Stadt München zurück: Sie fürchtet eine Flut von Entschädigungsklagen von Grundstückseigentümern, deren Baurecht dadurch eingeschränkt wird.

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