Lückenschluss gegen den Verkehrskollaps

A99: Südring soll Aubing entlasten – doch es gibt Widerstand

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Auf der A96 kommt es an der Zufahrt zum Mittleren Ring regelmäßig zu Stau.

Der Nordteil der A99 ist regelmäßig überlastet. Die Folge: Staus und Sperrungen des Aubinger Tunnels. Um das Chaos zu vermeiden, fahren viele Pendler über Aubing. Das soll sich durch den Südring ändern.

Aubing – Er ist schon seit Jahren ein Thema und nun startet der Aubinger Bezirksausschuss einen neuen Anlauf für den Autobahnsüdring. Die CSU beantragte, dass sich die Stadt nachdrücklich dafür einsetzen soll. „Es wäre eine große Entlastung für den Münchner Westen und Norden. Der Fernverkehr muss um große Ballungsräume herum und nicht hinein geführt werden“, meinte Johann Sauerer (CSU).

Ein Ringschluss wäre ein probates Mittel, um den Verkehr aus Wohnvierteln fernzuhalten. Der Verkehrsknoten München sei einer der am meisten belasteten in Mitteleuropa. „Deshalb haben wir bereits jetzt im Bereich der A99 München-Nord und Ost und dem Mittleren Ring Südwest Kapazitätsprobleme.“ Das sieht auch der SPD-Sprecher Thomas Hampel so: „Der Mittlere Ring ist voll, weil es keine Alternative gibt.“ Die ständigen Staus führten dazu, dass die Autofahrer Umfahrungen suchten und so unter anderem in Aubing und Lochhausen landeten.

Die Grünen sehen dies anders. Sie wollen stattdessen den öffentlichen Nahverkehr stärken. „Um Autobahnen auszubauen, ist immer Geld da. Ich möchte aber den S-Bahn-Nordring haben“, forderte Karin Binsteiner (Grüne). Der Antrag sei ihr zu einseitig. Ihr Parteikollege Siegfried Liedl forderte endlich den Zulauf zum Brenner-Basistunnel zu ertüchtigen. „Da müssen wir Geld reinstecken und nicht in die Lastwagen auf der Straße.“ Sauerer stimmte dem völlig zu, aber: „Es muss beides kommen. Wir dürfen das nicht gegeneinander ausspielen.“

Kosten und Naturschutz als Argumente dagegen

Der Bezirksausschuss hat die Nase voll davon, dass Pendler ständig über Aubing dem Stau vor dem Tunnel ausweichen, und fordert den Bau des Südrings als Entlastung.

Letztendlich stimmten nur die Grünen gegen den Antrag. Zusätzlich hat Sauerer noch einen Antrag im Stadtrat gestellt.

Dennoch ist fraglich, ob der Autobahn-Südring kommt. Eine Studie habe 2010 gezeigt, dass er nur eine „geringe Verkehrs­entlastungen für das Münchner Hauptverkehrsnetz“ und den Ostabschnitt der A99 bringen würde, teilt das Planungsreferat mit. Weil die Trasse durch geschützte Gebiete im Würm- und Isartal verlaufen würde, sei es zudem aus Naturschutzsicht heikel, so das Planungsreferat.

Deshalb habe der Stadtrat beschlossen, auf einen Ringschluss zu verzichten und das 2015 bestätigt. „Somit wird auch weiterhin der Mittlere Ring Südwest eine Verknüpfungsfunktion des Fernstraßennetzes erfüllen.“

Widerstand gegen den Südring kommt zudem von den Gemeinden des Landeskreises München, auf deren Gebiet der Südring verlaufen könnte. Auch hier ist der Naturschutz das wichtigste Argument. Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) sagt: „Der Eingriff in Natur- und Landschaft wird von uns für nicht vertretbar gehalten im Verhältnis zum möglichen Nutzen.“ Das Isartal, einer der letzten zusammenhängenden Naturräume, werde dadurch zerschnitten. Gleichzeitig werde das Verkehrs­problem nicht gelöst, ist sie sicher. 

Kraillings Sprecher Alexander Broschell verweist auf die hohen Kosten: Um die ökologischen Eingriffe gering zu halten, sei nur eine Tunnellösung möglich. „Die Kosten dafür lagen 2010 bereits bei 1,2 Milliarden Euro.“ Sollten die Pläne wieder auf den Tisch kommen, kündigt Tausendfreund eine breite Allianz an, „die nicht müde werden wird, das Projekt zu verhindern.“

Andreas Schwarzbauer

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