Journalistin verarbeitet Skandale im Reit-Milieu in Krimis

Riskanter Ritt gegen die Pferde-Mafia

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Anna Castronovo mit ihrem ehemaligen Pferd Delano, das sie zu ihrem ersten Krimi inspiriert hat.

Themen wie Klonen im Reitsport und die Machenschaften der Pharmaindustrie sind für Anna Castronovo nichts Neues. Seit Jahren beschäftigt sich die Aubinger Journalistin mit Skandalen im Reitsport – und stößt oft an Grenzen. Jetzt hat sie zwei Krimis darüber geschrieben.

Sie reitet selbst leidenschaftlich gerne und besitzt die Haflingerstute Mirella. Jetzt hat die Journalistin Anna Castronovo  (Foto mit ihren Töchtern) innerhalb kurzer Zeit zwei Krimis herausgebracht, die die dunkle Seite der Pferdezucht und des Dressurreitens beleuchten. Welche Machenschaften die Aubingerin anprangert und ob die 39-Jährige während ihrer Recherche unter Druck gesetzt wurde, erzählt die im Hallo-Interview.

Frau Castronovo, Sie haben Ende 2015 Ihr erstes Buch ,Black Night – Das Experiment herausgebracht, in dem es über Klonen im Dressurreiten geht. Jetzt kommt Ihr neuer Krimi ,Stutenblut – der Skandal heraus. Wie sind Sie darauf gekommen, Ihre Kommissarin Anne Moll zweimal in der Pferde-Szene ermitteln zu lassen?

„Ich arbeite als Journalistin hauptsächlich für Fachjournale für Reiter. Während meiner Arbeit habe ich 2003 erstmals zum Thema Pferde-Klonen recherchiert, als in Italien das erste Fohlen eines Klon-Pferdes zur Welt kam. Was ich bis heute herausfand, war so unglaublich, dass ich dachte: Das wäre doch perfektes Material für einen spannenden Pferdekrimi.“

Wieso werden denn eigentlich Pferde geklont?

„Viele Reitpferde werden kastriert, weil Wallache viel umgänglicher sind als Hengste. Auch die Haltung von Wallachen ist einfacher. Das Problem ist aber, dass ein solches Pferd, wenn es im Spitzensport Erfolg hat, seine guten Gene nicht fortpflanzen kann. Wird ein Wallach geklont, ist der Klon aber wieder ein Hengst und produziert dann das Sperma für Nachkommen.“

Kann man in Deutschland also sein Pferd klonen lassen?

„Nein, in Deutschland ist das verboten, in anderen Ländern aber erlaubt. Es gibt in Frankreich beispielsweise eine Firma, die sich auf das Sammeln von Genmaterial sowie das Klonen von Hochleistungspferden spezialisiert hat und zum Beispiel damit wirbt, das Olympiapferd Rusty von Ulla Salzgeber oder das erfolgreiche Springpferd E.T. von Hugo Simon dupliziert zu haben. Meister im Klonen sind allerdings die Texaner. Dort gibt es ein Unternehmen, das nicht nur Pferde, sondern jedes Haustier reproduziert.“

Wieviel kostet es denn, sich sein Pferd klonen zu lassen?

„Das ist sehr teuer, weil es aufgrund der vielen Fehlversuche und Aborte fünf bis zehn Jahre dauern kann, bis ein gesunder Klon auf die Welt kommt. In Frankreich kostet es 250 000 Euro, in Texas 165 000 Euro. Das Geld wird fällig bei der Lieferung eines gesunden Fohlens.“

Was macht man mit dem Klon?

„Die Besitzer könnten ihn wieder im Hochleistungssport einsetzen. Das Hauptziel ist es aber, das Genmaterial für die Zucht zu sichern, also Sperma zu verkaufen. Dieses Genmaterial kostet nur etwa 450 Euro – im Vergleich zum Klonen ist es also deutlich günstiger.“

Das ist ja doch ein sehr heikles Thema. Wurden Sie während Ihrer Recherche unter Druck gesetzt?

„Nein, bei diesem Thema nicht. Da blocken die Besitzer der berühmten Pferde, die geklont wurden, eher ab. Ulla Salzgeber und Hugo Simon schwiegen auf meine Nachfragen. Anders wird es aber vielleicht bei meinem zweiten Krimi-Thema. Der Roman beschreibt die Machenschaften der Pharmaindustrie, mit der ich schon öfter die Erfahrung gemacht habe, dass sie im Zusammenhang mit kritischen Artikeln sehr viel Druck auf die Redaktionen sowie Anzeigenabteilungen von Zeitschriften und auch auf die Journalisten persönlich ausübt. Deshalb habe ich bewusst eine fiktive Geschichte erzählt, die allerdings auf wahren Hintergründen beruht. Ich bin gespannt, ob eine Reaktion kommt.“

Worum geht es denn in Ihrem neuesten Buch?

„Diesmal geht es darum, dass die Pharmaindustrie Blut von rund 70 000 trächtigen Stuten aus Südamerika bezieht, um daraus Medikamente für die Ferkelzucht in Europa und auch in Deutschland herzustellen. Den Tieren wird regelmäßig mehr Blut abgenommen als sie verkraften, um an ein bestimmtes Hormon zu kommen. Dieses wird aber nur bis zum vierten Monat der Trächtigkeit produziert, deswegen werden die Fohlen danach systematisch abgetrieben und die Stuten werden neu bedeckt.“

Was wird mit dem Blut und dem Hormon gemacht?

„Die Pharmaindustrie stellt daraus Medikamente her, die in der Massentierhaltung eingesetzt werden. Eine Muttersau hat nach dem Ferkeln normalerweise eine natürliche Schonzeit, bis sie wieder trächtig werden kann. Verabreicht man den Schweinen das Medikament, wird dieser Selbstschutz ausgeschaltet und die Tiere werden gleich wieder tragend. Damit kann man mehr Ferkel produzieren.“

Wer wird im Krimi ermordet?

„Ein Schweinebauer in Mecklenburg. So ermittelt meine Kommissarin Anne Moll im Umfeld der Massentierhaltung und kommt hinter die dunklen Machenschaften der Pharmaindustrie.“

Interview: Marie-Anne Hollenz

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