Stadt plant neues Akustikkonzept

In allzu stiller Trauer

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Die Aubinger Josef Strixner (links) und Manfred Reis zeigen auf die unzuverlässige Musikanlage. Sie steht in der Aubinger Aussegnungshalle (unten).

Das finden Josef Strixner und Manfred Reis unerhört: Bei Trauerfeiern auf ihrem Friedhof bekommen viele Gäste nicht mit, was gesagt wird. Denn die Aussegnungshalle fasst bloß etwa 80 Menschen, alle zusätzlichen müssen draußen warten – wo die Lautsprecher nur mangelhaft funktionieren. Ein neues Akustikkonzept soll her.

„Hören Sie?“, fragt Josef Strixner rhetorisch. Die Antwort gibt er gleich selber: „Wie Sie hören, hören Sie nichts.“ Strixner besucht gerade eine Beerdigung auf dem Aubinger Friedhof. Zurzeit läuft die Trauerfeier in der Aussegnungshalle. Doch Strixner steht – wie viele Dutzend weitere Gäste – im Freien. „In die Halle selbst passen nämlich nur rund 80 Leute“, sagt Strixner. Er ergänzt: „An sich wäre das ja kein Problem.“ An sich.

Denn wer draußen steht, bekommt nicht mit, was drinnen gesprochen wird. „Die beiden kleinen Lautsprecher am Eingang reichen dafür nicht, zumal sie unzuverlässig sind“, empört sich Strixner. „Darüber ärgert sich halb Aubing.“

Zum Beispiel Anton Fürst. Er ergänzt: „Auch drinnen gibt’s mit der Akustik öfter Schwierigkeiten. Mir scheint, die zuständigen Mitarbeiter sind da oft nicht richtig eingespielt, was die Bedienung betrifft – vielleicht wechseln sie oft?“ Manfred Reis fügt hinzu: „Hier in Aubing gibt es wegen der dörflichen Strukturen ständig große Beerdingungsfeiern mit deutlich mehr als 80 Teilnehmern, wo also immer viele Leute draußen stehen bleiben müssen.“

Und auch Sebastian Kriesel, der Vorsitzende des Bezirksausschusses Aubing-Lochhausen-Langwied, klagt über die Akustik. „Daran hapert es seit vielen Jahren“, sagt der CSU-Politiker. „Mal fallen die Lautsprecher aus, mal werden sie gewartet, mal sind sie verstellt, mal wissen die Techniker sie nicht zu bedienen. Diese Probleme gibt’s schon mindestens, seitdem ich im BA sitze, also seit 2002.“ Kriesel fordert: „Es ist absolut notwendig, dass das endlich vernünftig hergerichtet wird.“

Und tatsächlich: Es kommt Bewegung in die Sache. Das jedenfalls sagt Peter Lippert, der Leiter der Betriebsabteilung der städtischen Friedhöfe in München. „Wir entwickeln derzeit ein Akustik-Konzept für alle 29 städtischen Friedhöfe in der Stadt“, informiert er. Aktuell laufe ein Pilotprojekt am Ostfriedhof, das rund 40 000 Euro kosten und bis Ende November fertiggestellt sein werde. „Dabei werden Lautsprecher- und Mikrofonanlagen sowie Musikgeräte überprüft und optimiert, also gegebenenfalls ausgetauscht und erweitert.“ Außerdem würden sogenannte Induktionsschleifen in den Aussegnungshallen verlegt. „Die geben den über die Lautsprecher verbreiteten Ton per Funk an Hörgerät-Träger weiter“, erläutert Lippert. „Das ist ein wichtiger Beitrag zur Barrierefreiheit.“ Schön und gut – doch was heißt das für Aubing?

„Aubing wäre eigentlich noch nicht dran, weil wir sukzessive vorgehen“, sagt Peter Lippert. „Zunächst nehmen wir uns die größeren Friedhöfe vor, wo es auch Beschwerden gab: den West- und Nordfriedhof, den Friedhof am Perlacher Forst, den alten Teil des Waldfriedhofs, die Trauerhalle des Krematoriums. Wegen der aktuellen Klagen ziehen wir Aubing aber nun vor.“ Aktuelle Klagen? Den Aubingern zufolge weisen sie auf ihr Problem doch schon lange hin. 

„Mir war das bisher nicht bekannt“, sagt Lippert. Er wolle bei der zuständigen Friedhofsverwaltung Obermenzing aber nachhaken. Jedenfalls solle es noch dieses Jahr in Aubing einen Akustiktest geben und bis spätestens 2018 dann die nötigen Neuerungen. Zwei stehen bereits fest. „Aubing braucht eine Außen-Lautsprecheranlage, wegen der zahlreichen großen Beerdigungen“, meint Lippert. „Und das Musikgerät in der Aussegnungshalle wird schon bald ausgetauscht. Bis jetzt kann es nur CDs abspielen, künftig dann alle gängigen Formate wie zum Beispiel MP3-Dateien. Bis Ende dieses Jahres soll es so weit sein.“

Und was sagt Lippert zu den Vermutungen der Aubinger, die Mitarbeiter hätten Schwierigkeiten mit der Bedienung der Anlage, womöglich wegen wechselnden Mitarbeitern? „Es hat es in den vergangenen Jahren keine wesentlichen Personalwechsel gegeben. Aber ich werde in der Sache noch mal nachfragen und gegebenenfalls um Nachschulungen bitten.“

In Aubing hört man diese Ankündigungen mit skeptischem Wohlwollen. „Na ja“, sagt Manfred Reis. „Wir hoffen ja schon lang auf Verbesserungen. Wenn sich jetzt was täte, wäre das schon schön.“

Christopher Beschnitt

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